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Mölschow Integration mit Fußball und Kochen

Seit Anfang des Monats leben sechs minderjährige, unbegleitete Flüchtlinge in Mölschow

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Varsha Rütz (r.) gehört zu den Betreuerinnen der Jugendlichen. Die gebürtige Inderin lebt heute in Wolgast.

Quelle: Fotos: Hannes Ewert

Mölschow. Sie heißen Mohammad, Amir, Hamid oder Khalid. Sie sind seit Anfang Mai die neuen Bewohner der Insel Usedom. Was sie von anderen Einwohnern der Insel unterscheidet, ist ihre Herkunft. Sie flüchteten aus Somalia und Afghanistan nach Europa und landeten schließlich im Landkreis Vorpommern-Greifswald. Nach mehreren Zwischenstationen aus Sammelunterkünften in Hamburg und Schleswig-Holstein haben die jungen Leute im Kulturhof Mölschow eine neue Bleibe bekommen. Insgesamt wohnen sechs Jugendliche im Alter zwischen 14 und 16 Jahren in der Einrichtung. Im gesamten Landkreis sind es 123 Kinder, davon etwa eine Handvoll Mädchen.

Flüchtlinge

1000 unbegleitete minderjährige Flüchtlinge halten sich in Mecklenburg-Vorpommern laut Sozialministerium derzeit auf. Sie werden in der Hauptsache in

Einrichtungen betreut, die in der

Trägerschaft von Sozialverbänden

und Vereinen stehen.

123 jugendliche Flüchtlinge leben im Landkreis

Vorpommern-Greifswald.

36 Flüchtlinge erreichten im April 2016 den Landkreis.

Zum Vergleich: Im Januar waren es noch 762 Menschen.

Sie unternehmen das, was andere Kinder in ihrem Alter auch machen: Fußballspielen, Fahrradfahren oder an der frischen Luft die Sonne genießen. Gestern besuchte Sozialministerin Birgit Hesse (SPD) die Einrichtung. Sie verschaffte sich ein Bild von der Integration minderjähriger und unbegleiteter Flüchtlinge. Sie lobte das Engagement des Landkreises Vorpommern-Greifswald bei der Betreuung und Integration junger Flüchtlinge. Auf der Anlage in Mölschow ist Platz für 20 minderjährige Flüchtlinge. Vieles war für sie vorbereitet. An einigen Gegenständen im Haus kleben kleine Schilder. An der Wand steht „Wand“, an der Türklinke steht „Türklinke“ und so weiter. „Sie sollen dadurch besser Deutsch lernen und sich verstehen. Das Problem ist, dass es in Afghanistan viele unterschiedliche Sprachen gibt. Die Kinder können sich teilweise untereinander nicht verstehen“, sagt Ulrike Patorra, die pädagische Leiterin des Hauses. Deshalb sei es für die Pädagogen umso wichtiger, dass sie schnellstmöglich eine gemeinsame Sprache sprechen.

Sollten alle Betten im Kulturhof einmal belegt sein, müssen sich 20 Betreuer um die Neuankömmlinge kümmern. „Noch finden Bewerbungsgespräche statt. Wir brauchen ja auch nur so viele Betreuer wie Flüchtlinge da sind. Im Moment sind es noch sechs Betreuer, die rund um die Uhr hier sind“, erklärt Peter Preußer vom Landkreis, der Leiter der Einrichtung. Laut Zuweisung des Königsteiner Schlüssel sind für den Landkreis in diesem Jahr 53 minderjährige unbegleitete Flüchtlinge vorgesehen.

Sozialministerin Birgit Hesse interessierte sich vor allem dafür, wie die Kinder leben, auf welchem Weg sie nach Mölschow gekommen sind und wie die Integration funktioniert. „Die Kinder gehen jeden Tag in die Schule. Dort bekommen sie intensiven Deutschunterricht. Wenn sie es besser Deutsch verstehen, dann kommen sie in die normalen Schulklassen“, erklärt Patorra.

Auch die Integration in Vereine läuft an. „Es sind bereits Jugendliche im Fußballverein FSV Karlshagen untergekommen. Andere sollen Schwimmunterricht bekommen.“ Unterstützung bekommen die Betreuer auch von den Freiwilligen von „Usedom hilft“. „Für die Hilfe sind wir dankbar. Sollte aber noch jemand ein Fahrrad loswerden wollen, würden wir uns darüber freuen“, sagt Patorra.

Die Gutsanlage in Mölschow sei landesweit die einzige derartige Einrichtung samt Stabsstelle in Wolgast in Trägerschaft eines Kreises. „Hier findet die komplette Erstbetreuung statt. Die Kinder und Jugendlichen werden nach einer langen Flucht aufgefangen, und so wird eine gelingende Integration erleichtert“, erklärte Birgit Hesse.

Nach Angaben von Landrätin Dr. Barbara Syrbe (Die Linke) verbindet der Landkreis mit dem Betreib der Inobhutnahmestelle auch das Ziel, den jungen Leuten berufliche Perspektiven zu eröffnen und sie damit zum Bleiben zu bewegen.

In der Gemeinde gab es im Vorfeld Gegenwind aus der Bevölkerung wegen der geplanten Unterkunft von Flüchtlingen. Eigentlich sollten die Kinder eher kommen, sind aber jetzt erst da.

Hannes Ewert

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