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Greifswald Investoren stehen mit Kitabauten in Startlöchern
Vorpommern Greifswald Investoren stehen mit Kitabauten in Startlöchern
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00:00 12.02.2018
Gutgelaunte Kinder in der Kita „Sieben Raben“. Die erste Einrichtung, die das Institut Lernen & Leben (ILL) 2010 in Greifswald errichtete.
Greifswald

Fehlende Betreuungsplätze und der zunehmende Unmut vieler Eltern veranlassen freie Träger verstärkt zum Handeln. Der Wille, in Greifswald neue Kitas zu errichten beziehungsweise vorhandene zu erweitern, ist da. Das verdeutlicht eine Liste von Förderanträgen beim Landkreis, wonach in den nächsten Jahren rund 350 zusätzliche Plätze geschaffen werden könnten.

Baustart abhängig von Genehmigungsverfahren / Hansestadt und Landkreis wollen gemeinsam Kita-Gipfel organisieren

Allerdings: Ausbleibende Zuschüsse und lange Genehmigungsverfahren machen viele Pläne zunichte oder verzögern sie erheblich. Heißt ganz konkret: 2018 entstehen ganz sicher erst einmal nur 34 neue Betreuungsplätze für Kinder bis zum Einschulungsalter. Davon entfallen 18 auf die im Bau befindliche Waldorfkita an der Beimlerstraße. „Wir rechnen damit, unser neues Haus Ende April oder im Mai eröffnen zu können“, sagt Kitaleiterin Katharina Rosenthal. Bislang gebe es 70 Plätze, künftig sollen es 88 sein.

Die übrigen 16 neuen Betreuungsplätze schafft der DRK-Kreisverband Ostvorpommern-Greifswald mit der Sanierung seiner Kita „Alexander Puschkin“. Die Arbeiten sollen laut Geschäftsführer Thomas Pohlers spätestens zum Jahresende abgeschlossen sein. Dann werde die Einrichtung 192 statt bislang 176 Plätze vorweisen.

Darüber hinaus stehen etliche Investoren in den Startlöchern, darunter das Institut Lernen & Leben (ILL). Es möchte auf dem Gelände der Erich-Weinert-Grundschule in Schönwalde II ein neues Horthaus mit integrierter Kindertagesstätte bauen. Vor einem Jahr ging der Verein noch von einem Baustart 2017 aus. Daraus wurde nichts. Doch das Verfahren ist weit fortgeschritten: „Wir erwarten in Kürze die Baugenehmigung“, sagt ILL- Sprecherin Henrike Thaut. Das Haus soll maximal 84 Betreuungsplätze haben, darunter nach jetzigem Stand 24 im Krippenbereich. Außerdem will das ILL mit dem Bau seine Hortkapazität an dem Standort von aktuell 154 auf etwa 170 erweitern, so Thaut. Mit dem Projekt verwirklicht das ILL seinen dritten Kitaneubau in Greifswald. Wann mit der Fertigstellung zu rechnen ist, stehe noch nicht fest.

Lieber heute als morgen würde auch die Aktion Sonnenschein loslegen. „Wir wollen in Hinrichshagen einen Neubau mit zunächst 51 Plätzen errichten, erweiterbar auf 69 Plätze“, sagt Geschäftsführerin Anja Bernhardt. Der geplante Standort an der Chausseestraße befindet sich nur ein paar hundert Meter vor den Toren Greifswalds. Die Aktion Sonnenschein würde den Bau gern 2018 starten und noch vor Jahresschluss vollenden, so Bernhardt. Ob es gelingt – unklar. Die Bauvoranfrage befinde sich derzeit im Bauordnungsamt der Stadt.

Neu bauen wollen auch die Hanse-Kinder, Eigenbetrieb der Hansestadt. Auf der Agenda stehen die Kitas „Samuil Marschak“ und „Zwergenland“. Jedoch werden die neuen Häuser wahrscheinlich keine zusätzlichen Plätze mit sich bringen.

Alle anderen Pläne von Trägern stehen noch in den Sternen: Die Kreisdiakonische Kita gGmbH etwa plant für Schönwalde I einen Neubau mit 78 Plätzen. Der Antrag auf Förderung wurde jedoch vom Jugendhilfeausschuss des Kreistages negativ beschieden (die OZ berichtete). Geschäftsführerin Britta Heinrich zeigte sich enttäuscht. Ohne Unterstützung könne das 2,1 Millionen-Euro Projekt nicht verwirklicht werden. Dennoch wolle sie es „ungern in der Schublade verschwinden lassen, zu viel Arbeit steckt bereits in den Plänen“.

Leer ging bei der Entscheidung des Ausschusses auch der Pflegedienst Ora Cura aus. Sein Ziel war es, eine Kita mit 111 Plätzen zu errichten. Die Kreisverwaltung bezeichnete die Pläne als „noch sehr vage“, deshalb bekamen sie vorerst keine Chance auf Förderung.

Fakt bleibt: Der Bedarf an Kitaplätzen in Greifswald ist enorm, wobei die genaue Anzahl unklar ist. Im politischen Raum wurde zuletzt von über 100 bis zu 300 fehlenden Plätzen gesprochen. So genau weiß das niemand, denn der Kreis als zuständige Behörde führt keine Statistik. Das Kita-Portal ermöglicht bislang keine aussagekräftigen Daten, weil nicht alle Träger die Online-Plattform pflegen.

Doch es gibt ein wenig Licht am Horizont. Stadt und Kreis wollen jetzt einen gemeinsamen Kita-Gipfel organisieren, so Stadtsprecherin Andrea Reimann. Den hatte die SPD-Fraktion der Greifswalder Bürgerschaft ebenso gefordert wie der Frauenbeirat der Hansestadt.

Viele Pläne – wenig Spruchreifes

350 zusätzliche Krippen- und Kindergartenplätze könnten bis 2020 in Greifswald entstehen, wenn alle derzeitigen Pläne verwirklicht werden.

Sicher sind derzeit nur 34 zusätzliche Plätze, davon 18 in der Waldorfkita und 16 in der DRK-Kita „Alexander Puschkin“. Das Institut Lernen & Leben hofft auf eine baldige Baugenehmigung für ihren Hortneubau mit integrativer Kindertagesstätte, die 84 Plätze haben soll. In Geduld übt sich auch die Aktion Sonnenschein, die in Hinrichshagen möglichst noch in diesem Jahr ein Haus mit vorerst 51 Plätzen errichten möchte.

78 Plätze möchte die Kreisdiakonische Kita gGmbH in Schönwalde I schaffen. Doch erhoffte Zuschüsse blieben aus. Jetzt sucht sie neue Fördermittelgeber.

Die Hanse-Kinder wollen 24 zusätzliche Plätze in der Kita „Lütt Matten“ schaffen. Wann – das ist derzeit unklar.

Petra Hase

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