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Greifswald Jeder Schüler einmal im Jahr ins Theater
Vorpommern Greifswald Jeder Schüler einmal im Jahr ins Theater
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00:00 08.03.2013
Das Theater lockt nicht nur den Nachwuchs zu sich, es geht auch in die Schulen: Wie hier mit dem Klassenzimmerstück „Ein Stern Namens Mama“, inszeniert von Oliver Bierschenk. Das Stück — mit Susanne Kreckel in der Rolle von Louise — setzt sich mit dem Tod Quelle: Peter Binder
Stralsund

Der Anspruch ist groß. Es steckt ein Stück Idealismus drin. „Aber das Ziel ist realistisch“, zeigt sich Dirk Löschner überzeugt. Und dafür rührt der Theaterintendant jetzt die Werbetrommel: Er möchte es schaffen, dass jeder Schüler im Landkreis sowie den Städten Greifswald und Stralsund mindestens einmal im Jahr ein Theaterstück besucht — abgesehen vom Weihnachtsmärchen. Das laufe praktisch außer Konkurrenz.

Für seinen ehrgeizigen Plan, der sich nur in einem längeren Prozess verwirklichen lasse, geht der Theaterchef jetzt in die Offensive, will Gespräche mit Vertretern von insgesamt 270 Schulen führen.

Denn Löschner möchte, dass die ganze Sache über bloße Absichtserklärungen hinaus geht. Vielmehr sollen konkrete Kooperationsverträge mit klaren Verbindlichkeiten abgeschlossen werden. „Denn sonst können wir in die Wüste rufen“, meint Löschner.

So soll sich in der Vereinbarung das Theater verpflichten, in jeder Spielzeit für jede Altersgruppe ein passendes Stück zur Verfügung zu stellen. Das sind zwischen fünf und sechs Aufführungen. Im Gegenzug soll sich die Schule verpflichten, mit jeder Klasse einmal im Jahr eines dieser Angebote zu nutzen. Natürlich gebe es keine Sanktionen. Aber es werde Wert auf diese Selbstverpflichtung gelegt.

Geboren wurde die Idee für eine neue Form der Zusammenarbeit aus der bisherigen, nicht befriedigenden Situation. Laut einer Untersuchung wurden in der Spielzeit 2011/2012 in Greifswald, Stralsund und im Kreis Vorpommern-Rügen rund 7000 Karten an Schüler verkauft. Bei einer Gesamtzahl von 20 185 Schülern. „Damit haben wir, abgesehen vom Weihnachtsmärchen, nur ein Drittel der Schüler ins Theater geholt“, so Löschner. Gehe man davon aus, dass einige mehrfach kamen, bedeute dies: „Drei Viertel der Schüler der höheren Klassenstufen haben wir überhaupt nicht erreicht.“ Das will er ändern. Denn die „einseitige Kommunikation“ bringe nicht den gewünschten Effekt. Löschner nennt als Beispiel die jüngste Inszenierung von „Romeo und Julia“: Trotz breiter Information — vom Spielzeitheft über zusätzliche Briefe, Einladungen zu Proben, Fortbildungen und Lehrervorschauen — seien für zwei Vorstellungen mit einer Kapazität von 870 Plätzen lediglich 68 Karten reserviert worden.

Selbstverständlich liege der Schwerpunkt des Theaters darin, Kunst zu produzieren. „Aber wir haben auch einen Bildungsauftrag, und der wird immer wichtiger“, begründet Löschner sein Engagement. Das Theater sei ein wesentlicher Baustein, um die Schüler zu befähigen, sich kritisch mit der Umwelt auseinander zu setzen.

Die Schwellenangst sei allerdings noch recht hoch bei Kindern und Jugendlichen. Nach wie vor gebe es Vorbehalte: Wie benehme ich mich, was ziehe ich an? Außerdem gebe es in MV auch für die Lehrer nur geringe Anreize, sich mit der Klasse für einen Theaterbesuch zu entscheiden. Zwar sei Theater als Unterricht mit anderen Mitteln anerkannt. Aber es gebe eben auch kein spezielles Stundenkontingent, wie in anderen Bundesländern, bedauert Löschner.

Die Reaktionen nach den ersten Gesprächen seien recht unterschiedlich. „Wir versuchen, den Schulleitungen die Angst zu nehmen, fangen an und hoffen, dass gute Beispiele Schule machen“, sagt Löschner.

Er möchte jedenfalls in den nächsten Wochen die ersten Verträge fest machen.

„Das Ziel ist klar, wir werden beharrlich daran arbeiten“, kündigt Löschner an. Er will, dass so viele Schulen wie möglich mitmachen. Der Spielplan werde rechtzeitig vorgestellt, um Anknüpfungspunkte an den Lehrplan zu vermitteln. Auch bei den Terminen sei es möglich, Wünsche zu berücksichtigen. Und natürlich würden auch alle weiteren Angebote wie Führungen hinter den Kulissen, die Unterstützung von Schultheatern oder Klassenzimmer-Stücke weiter geführt.

Neuartige Kooperation

5,50 Euro bezahlen Schüler im Gruppenpreis für einen Theaterbesuch.

Im Mai wird der neue Spielplan 2013/14 für die Lehrer der Kooperationsschulen vorgestellt.


Der Beginn der ersten Kooperationen ist für August geplant.

Ein Problem tut sich mit zusätzlichen Fahrtkosten für die Kinder aus Landschulen auf. Hier will Intendant Löschner Partner aus dem öffentlichen Bereich mit ins Boot holen, die finanzielle Unterstützung geben.

Marlies Walther

In der Kulturbar — Cafe & Atelier, Lange Straße 93 — ist bis Ende März jeweils von 10 bis 18 Uhr eine Ausstellung von Peter Quasdorf mit dem Titel „Bilder und Texte — zum Schmunzeln und Nachdenken“ zu sehen.

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