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Greifswald Jeder vierte Azubi besteht Abschluss nicht
Vorpommern Greifswald Jeder vierte Azubi besteht Abschluss nicht
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00:05 22.09.2016
Die Arbeit bei Medow-Bau macht mir großen Spaß. Ich komme mit allen Arbeitskollegen und Vorgesetzten sehr gut zurecht. In ein bis zwei Jahren möchte ich vielleicht noch meinen Meister machen.“ John Lieske (21), Anklam, Maurer

Grund zum Feiern und zugleich ein Grund zum Grübeln: 33 Lehrlinge im Kreis Vorpommern-Greifswald haben ihre Ausbildung in einem Handwerksberuf wie Bäcker, Friseur oder KFZ-Mechatroniker abgeschlossen, elf Kandidaten allerdings sind bei den Prüfungen durchgefallen, nach einer Ausbildungszeit von drei oder dreieinhalb Jahren.

Ich wurde direkt übernommen. Das Arbeiten macht mir mehr Spaß als die Ausbildung, da ich das Gelernte endlich anwenden und anderen Lehrlingen etwas zeigen kann.“Florian Matthias Benthin (20), Greifswald, Tischler
Ich wusste schon immer, dass ich Friseurin werden möchte. Die Ausbildung hat mir sehr großen Spaß gemacht und ich wurde direkt von meiner Ausbildungsfirma Friseurteam Bartels übernommen.“ Julia Kopplin (19), Friseurin, Greifswald
Ich habe sofort nach der Lehre eine Arbeitsstelle gefunden, arbeite nun schon seit etlichen Wochen. Es macht mir viel Freude und ich möchte gleich noch die Ausbildung zum Konditor ranhängen.“ Martin Ram (24), Bäcker, Zinnowitz
Ich freue mich, dass die Absolventen oft praktisch sehr gut arbeiten. Theoretisch sind sie leider eher mäßig.“Franziska Pens, Geschäftsführerin Kreishandwerkschaft

Das wurde bei der „Gesellenfreisprechung“ diese Woche im Pommerschen Landesmuseum in Greifswald deutlich. Dass jeder vierte also nicht bestanden hat – „Das ist zwar nicht völlig ungewöhnlich, aber in den letzten Jahren hatten wir etwas bessere Ergebnisse“, sagt Franziska Pens, Geschäftsführerin der Kreishandwerkerschaft Greifswald-Vorpommern. Die Leistungen der Auszubildenden lägen auch vorwiegend im Bereich befriedigend.

Für Tischlermeister Helmut Kastner, Mitglied im Kreishandwerkerverband, kommt das nicht überraschend. Seit etwa zehn Jahren sei der Trend zu beobachten, dass weniger Schulabgänger eine handwerkliche Ausbildung anfingen – und die wenigen, die dazu bereit seien, hätten ein geringeres Leistungsniveau als früher. „Die Schüler mit den guten und mittelmäßigen Schulleistungen machen alle Abitur und studieren später“, sagt Kastner. „Nur die mit geringerem schulischem Wissen machen oftmals eine Ausbildung.“ Insgesamt seien es viel zu wenige.

Die 2700 Handwerksbetriebe im Landkreis haben nach wie vor Schwierigkeiten, alle Azubistellen zu besetzen. Mario Schmidt, Tischler und Verantwortlicher für Auszubildende, bestätigt: „Es ist schwer, gute Lehrlinge zu finden. Wir nehmen oft die, die wir kriegen können.“ Das geringe Leistungsniveau beziehe sich aber oft nur auf die schulische Vorbildung. Im Praktischen seien alle Auszubildenden gut bis sehr gut, erklärt Kastner.

So freut sich Franziska Pens im Blick auf den jetzigen Gesellenjahrgang beispielsweise über den Bäcker Martin Ram, den Maurer John Lieske und die Friseurin Julia Kopplin, die ihre Fertigkeitsprüfungen mit „gut“ bestanden haben. Steffi Bartels, Inhaberin des Friseursalons Bartels, hat ihre beiden Auszubildenden Julia Kopplin und Laura Steding gleich übernommen. „Die machen super Arbeit“, sagt sie.

Kastner meint: Um das Handwerk für junge Menschen wieder attraktiver zu machen, müsse das Image dieser Berufe weiter gefördert werden, müssten frühzeitig junge Menschen angesprochen und mehr schulische Praktika in Betrieben angeboten werden.

Immer noch wählen viele junge Frauen und Männer ihren späteren Beruf geschlechtstypisch aus: So entschieden sich junge Mädchen eher für eine Ausbildung zur Friseurin, junge Männer eher für Berufe wie Maurer, Tischler oder Maler. Es seien kürzlich aber auch schon Frauen dabei gewesen, von denen eine Malerin, die andere Tischerlin wurde, sagt Pens. Die 33 jungen Bäcker, Fleischer, Maurer, Friseurinnen, Maler, Fahrzeuglackierer, Tischler und KFZ-Mechatroniker, die ihre Prüfungen jetzt bestanden haben, nahmen im Pommerschen Landesmuseum vor rund 70 Gästen, darunter Eltern und Ausbilder, ihre Gesellenbriefe entgegen. „Ab jetzt gehören Sie zu den Profis und sind in den Stand eines Gesellen erhoben“, erklärte ihnen Tino Ringhand, Amtsleiter für Wirtschaft und Finanzen der Stadt. Stolz über die vielen erfolgreich ausgebildeten Handwerker, gab Kastner den jungen Leuten noch eins mit auf den Weg: „Wir würden uns natürlich wünschen, dass möglichst viele Absolventen in unserer Region bleiben und nicht wegziehen. Unser Land braucht Sie.“

Durchgefallen – und jetzt?

Die elf Handwerker-Lehrlinge im Landkreis Vorpommern-Greifswald, die bei der Gesellenprüfung durchgefallen sind, können bis Februar mit neuem Vertrag in ihrem Ausbildungsbetrieb weiterarbeiten und dann an der nächsten Prüfungsrunde teilnehmen. Nach Erfahrungen der Kreishandwerkerschaft geht der zweite Anlauf meist gut aus.

50 Handwerks-Lehrlinge hatten sich ursprünglich für die Prüfungen angemeldet, 17 sprangen wieder ab. So bekam beispielsweise einer keine Zulassung. Vier wechselten innerhalb des Betriebes den Bereich und fielen aus der Zuständigkeit der Kammer heraus.

Annemarie Bierstedt

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