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Greifswald Jugendbotschafterin im Land der aufgehenden Sonne
Vorpommern Greifswald Jugendbotschafterin im Land der aufgehenden Sonne
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00:02 23.11.2016
Im Hotel in Tokio wurde auf dem Boden sitzend in traditionellem Sitz gegessen. FOTO: PRIVAT

/Tokio. Japan – das Land der aufgehenden Sonne. Die Greifswalderin Thy My Linh Nguyen (15) interessiert sich seit langem für das Land in Asien und reiste vor kurzem als „Jugendbotschafterin“ dorthin. Bei dem Programm des Austauschdienstes „youth for Understandig“ können sich jährlich Jugendliche zwischen 14 und 18 Jahren bewerben. Mit 14 weiteren Jugendlichen reisten Linh und zwei Betreuer für zwei Wochen nach Japan. Das Programm beinhaltet auch einen japanisch-Crash-Kurs.

„Ziel ist es, Jugendliche für das andere Land zu begeistern“, erklärt Linh, denn auch Japaner reisen als Botschafter nach Deutschland. Wieder zu Hause, hält jeder einen Vortrag über das Erlebte vor seiner Klasse. Und Linh weiß viel zu berichten von der anderen Seite der Welt. In der Hauptstadt Tokio war die Gruppe in einem traditionellen japanischen Hotel untergebracht. „Das war Schock pur“, sagt Linh. „Die Angestellten haben sich immer verbeugt, und uns nach dem Frühstück sogar gedankt – dabei müssten wir das doch tun“, erzählt sie. Die Mahlzeiten nahm man auf dem Boden sitzend ein. Zu Linhs kulinarischen Favoriten gehört auf jeden Fall das Süßkartoffel-Eis. Von Kohle bis schwarzer Sesam hätte es die kreativsten Sorten gegeben. Im Hotel verwunderte noch eine Sache: die Kloschuhe.

„Bevor man auf die Toilette ging, musste man seine Hausschuhe gegen Kloschuhe wechseln“, berichtet Linh.

Die Jugendlichen wurden auch mit Überlebenstipps für die Großstadt ausgestattet, z. B. wie man in eine überfüllte U-Bahn einsteigt. Mit auf den Bauch geschnalltem Rucksack rücksichtslos rückwärts reindrängen – in eine Bahn mit putzig verzierten Hinweisschildern. „Es sah alles süß aus“, schwärmt Linh, „Es wäre viel cooler, wenn wir das in Deutschland auch hätten.“

Doch auch ernste Themen wurden behandelt. Die Jugendbotschafter trafen unter anderem einen Nagasaki-Überlebenden. Der Mann war 13, als die USA 1945 dort eine Atombombe abwarf. Viele seiner Verwandten starben bei der Explosion oder an den Folgen der Strahlung. Außerdem reiste die Gruppe nach Ishinomaki, wo das Erdbeben 2011 den Tsunami auslöste. Dieser forderte knapp 20000 Menschenleben. „Wir sind den Weg lang gegangen, den die Menschen laufen mussten, um zu entkommen“, berichtet Linh. Das sei ein sehr eigenartiges Gefühl gewesen.

Die nächsten Tage verbrachten die Schüler in Gastfamilien und gingen auch zur Schule. Dort erlebte Linh prompt einen Erdbebenalarm mit. „Auf einmal verschwanden alle unter ihren Tischen“, berichtet Linh. „Ich habe überhaupt nichts verstanden und habe das einfach nachgemacht. Dann war alles still“, erinnert sie sich. Für die Schüler sei das Routine. Durch die Häufigkeit von Erdbeben hätten die Japaner eine ganz andere Mentalität dazu entwickelt, so die Fünfzehnjährige. „Es war eine tolle Erfahrung“, zieht sie das Resümee. „Diese zwei Wochen haben sich viel länger angefühlt.“

Veronika Uhl

OZ

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