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Junger Syrer will arbeiten, fühlt sich aber gebremst

Greifswald Junger Syrer will arbeiten, fühlt sich aber gebremst

Der 22-jährige Syrer Diaa Bakoura spricht perfekt deutsch, obwohl er erst seit anderthalb Jahren in Greifswald lebt. Er ist sehr motiviert, die nächsten Sprachkurse zu absolvieren, um bald mit einer Ausbildung beginnen zu können. Auch arbeiten möchte er, doch die Gelegenheiten dazu sind rar.

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Der Syrer Diaa Bakoura (unten links) trifft sich gern zum Gedankenaustausch im St. Spiritus. Im Bild: Mohamed Al Najjir, Johanna Krone vom Projekt Weltfreunde, Anne Wilke, Marwa und Rasha, Christel Fermum und Imke Freiberg, Leiterin des Sozio-kulturellen Zentrums (v.l.).

Quelle: Foto: Petra Hase

Greifswald. Sein Blick ist offen, ja warmherzig. Und mit schnellen Sätzen spricht er von dem, was ihn bewegt: Der Syrer Diaa Bakoura hat vielen Landsleuten einiges voraus.

Er spricht fließend Deutsch, kennt nahezu keine Wortfindungsprobleme mehr, obwohl der 22-Jährige erst seit anderthalb Jahren in Greifswald lebt.

Trotzdem findet Diaa nur schwer einen Praktikumsplatz, versucht mit nur geringem Erfolg, kleine Jobs zu bekommen, musste monatelang auf den nächsten Sprachkurs warten... „Das Warten ist für uns das Schlimmste. Dabei sind wir motiviert, wollen lernen und arbeiten, um unser Deutsch weiter zu verbessern, damit wir bald eine Ausbildung beginnen können“, sagt er und bezieht seine Geschwister Rasha, Marwa und Noor in sein Denken mit ein.

Anne Wilke bestätigt Diaas Worte. Seit einem Jahr hält die pensionierte Ärztin Kontakt zur Familie Bakoura, trifft sich regelmäßig mit den jungen Leuten, hilft, wo sie kann: „Wir haben schon viele gemeinsame Ausflüge unternommen, waren zusammen bei ,Carmina Burana’, hatten sehr viel Spaß miteinander“, schwärmt die Greifswalderin und fügt hinzu: „Die beiden Mädchen haben mit uns auch das erste Mal im Leben die Ostsee gesehen.“ Um so deprimierender sei es erleben zu müssen, so Anne Wilke, dass die Integration von Geflüchteten nicht so funktioniere, wie es sein sollte.

„Diaa ist unheimlich talentiert. Auch sprachlich. Weshalb muss er dann nach der Sprachprüfung B1 vier Monate lang auf den Beginn des Anschlusskurses B2 warten“, fragt sich Anne Wilke. Und nicht nur sie. Auch Christel Fermum, die sich für diese und in der Vergangenheit schon für eine andere Familie engagierte, fehlt dafür das Verständnis.

Verstehen können die beiden Frauen auch nicht, dass willige Migranten vom Jobcenter keine Praktikumsplätze erhielten. „Für uns ist das sehr enttäuschend. Deshalb versuchen wir zu helfen“, sagt Anne Wilke und verweist auf den Kreis Ehrenamtlicher, der sich regelmäßig im St. Spiritus mit Geflüchteten trifft. Dieses „Internationale Café“ hatte die Studentin Johanna Krone 2015 initiiert. Anfangs fanden die Treffen nur im Jugendzentrum „klex“ statt. „Ab März 2016 dann regelmäßig auch bei uns“, sagt Imke Freiberg, Leiterin des Sozio-kulturellen Zentrums St. Spiritus. Diaa Bakoura und seine Geschwister kommen gern ins Haus, „weil wir hier Leute kennenlernen, die uns die Stadt zeigen und uns das Leben in Deutschland erklären“. Der junge Syrer findet es wichtig, „dass Deutsche und Flüchtlinge einander besser verstehen lernen, um Ängste und Vorurteile abzubauen“. Doch es gebe zu wenig Gelegenheiten. Arbeiten wäre gut dafür, doch das sei schwierig. In der Berufsschule sei ihm beispielsweise ein Praktikum erst zugesagt, dann plötzlich abgesagt worden. „Solche Sachen verstehe ich nicht“, beklagt Diaa. Auch die ehrenamtliche Tätigkeit als Dolmetscher erweise sich wegen des Datenschutzes als schwierig. „Im Jobcenter wurde ihm nahegelegt, erst mal Bewerbungstrainings zu absolvieren“, berichtet Anne Wilke, die es teilweise als deprimierend empfindet, wie mit Migranten umgegangen werde. „Deshalb versuchen wir über Bekannte und gute Freunde, Praktikumsplätze zu besorgen“, erzählt sie.

Für die 20-jährige Rasha ist das beispielsweise geglückt: Sie arbeitete vier Wochen lang bei der Zahnärztin Ute Gürtler, hat jetzt ein weiteres Praktikum in einem Zahnlabor in Aussicht. Marwa (24), die zu Hause noch ihr Abitur ablegen konnte und bereits vier Semester studierte, hofft derzeit auf eine Chance im Uni-Rechenzentrum. „Da sind wir dran, müssen jetzt noch ihren Lebenslauf einreichen“, sagt Anne Wilke, wissend, dass das nicht das einzige Problem ist: Die beiden Schwestern fielen durch die letzte Sprachprüfung, erhielten zeitnah aber keine neue Chance, „weil sie erstmal arbeiten gehen sollen, um die Sprachkenntnisse zu vertiefen“, berichtet die pensionierte Ärztin. Wenn dem so sei, könne sie nicht verstehen, dass das Jobcenter keine Angebote dafür unterbreite.

Diaa Bakoura blickt trotz dieser Schwierigkeiten mutig nach vorn. Er bedauert zwar, dass er in seiner Heimatstadt Homs kurz vor dem Abitur nicht mehr die Prüfungen ablegen konnte, weil er sich der Gefahr ausgesetzt sah, zur Armee eingezogen zu werden. Dennoch hat er klare Vorstellungen von seiner Zukunft: „Ich will Flugzeugmechaniker werden“, sagt er selbstbewusst und mit breitem Lächeln. Auch wenn manches länger dauere als erhofft, schätzt er das, was Deutschland für seine Landsleute tue: „Ich möchte Deutschland Danke dafür sagen, dass man uns hier die Chance auf ein neues Leben gibt.“

Petra Hase

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