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Greifswald Kaninchenzüchter bauen auf Hilfe der Stadt
Vorpommern Greifswald Kaninchenzüchter bauen auf Hilfe der Stadt
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17:38 25.11.2018
Gundula Trapp, ihr Mann Sven Trapp-Pieczynski und Sven Almoneit (v.l.) vom Rassekaninchenzuchtverein M63 Greifswald hoffen auf eine gute Lösung, mit der alle Seiten leben können. Quelle: Petra Hase
Greifswald

Eine Katze schleicht übers Gras, Hühner scharren im Sand, Langohren schauen neugierig aus ihrem Gehege. Doch die Tage dieser ländlichen Idylle unweit des Stadtzentrums sind gezählt. Der Rassekaninchenzuchtverein M63, seit Jahrzehnten an der Verlängerten Scharnhorststraße zu Hause, soll für den geplanten Bau eines Schulzentrums weichen (die OZ berichtete).

Der Ärger darüber ist bei den 16 Vereinsmitgliedern groß, seit sie mit dem Vorhaben der Stadt konfrontiert wurden. Haben sie sich doch mit ihren Parzellen und den Tieren ein Stück Lebensqualität geschaffen, das niemand missen möchte. Auch der benachbarte Hundehalterverein mit 24 Mitgliedern ist betroffen. Eine Weigerung, den Standort zu verlassen, ist zwecklos. Denn: „Die Pächter sind informiert, dass ihre Verträge zum 31. Dezember 2019 enden. Die Verwaltung ist mit ihnen im Gespräch und prüft Ersatzstandorte“, erklärte Oberbürgermeister Stefan Fassbinder (Grüne) jüngst bei der Vorstellung der Schulbaupläne.

„Bislang wurde uns nur die Sandfuhr als Ersatz angeboten. Dort sollen wir uns eine Fläche mit den Hundehaltern teilen. Etwa 3000 Quadratmeter für beide Vereine. Dabei haben die Hundehalter jetzt 9000 und wir 3000 Quadratmeter“, sagt Wolfgang Trapp, Vorsitzender des Kaninchenzuchtvereins. Begeistert sei deshalb niemand. Im Gegenteil. Die Fläche nahe der Bahnschienen sei nicht nur zu klein für alle, sondern weise auch ein Gefälle auf, das die Errichtung von Ställen erschwere. „Wir fürchten, dass wir dann auch ständig mit dem Wasser zu kämpfen haben“, sagt der 62-Jährige. Hinzu käme, dass dieser Standort weit vom jetzigen entfernt ist, neue Behausungen für die Tiere laut Aussage der Verwaltung jeder selbst finanzieren und aufbauen müsse.

„Das kann ich mir von meiner kleinen Rente nicht leisten. Deshalb werde ich dort nicht mehr mit hinziehen. Wie soll ich zweimal am Tag zum Füttern dorthin kommen, wenn es stürmt und schneit? Dazu bin ich zu alt“, sagt der 70-jährige Peter Bünning. Besonders ärgerlich ist er darüber, „dass die Stadt verlangt, wir sollen hier unsere Schuppen auch noch allein abreißen“, sagt er. Seit 40 Jahren züchtet Bünning in der Sparte Kaninchen. „Gern hätte ich noch zehn Jahre weiter gemacht. Welche Beschäftigung hat man denn sonst noch als Rentner? Soll ich nur noch auf dem Sofa sitzen?“

Auch Heiko May erklärte am Sonnabend während der Mitgliederversammlung, nicht mehr in die neue Sparte ziehen zu wollen. „Hier alles abreißen und irgendwo neu aufbauen – dafür fehlt mir die Motivation“, sagt der Züchter, der mit dem frühen Tod seiner Frau zu kämpfen hat. Wolfgang Trapp fürchtet nun, dass weitere Mitglieder aufgeben: „Denn selbst, wenn hier doch keine Schule gebaut wird, weil sich die Bürgerschaft anders entscheidet, werden wir das Gelände räumen müssen. Die Stadt hat uns bereits 2017 gesagt: Kommt keine Schule, kommen Eigenheime.“

An der Verlängerten Scharnhorststraße / Osnabrücker Straße plant die Stadt den bau eines großen Schulzentrums. Quelle: Petra Hase

Deshalb haben sich die Kaninchenfreunde nun mit dem Gedanken arrangiert, ihre grüne Oase verlassen zu müssen. „Wir können die Pläne der Stadt ja auch verstehen. Doch wir möchten gern, dass man mit uns vernünftig umgeht“, sagt Vorstandsmitglied Gundula Trapp. Züchter Peter Oberdörfer sieht das ähnlich: „Wir sind kooperationsbereit, wissen auch, dass wir in einen Neuaufbau viel Arbeit reinstecken müssen. Aber es wäre wünschenswert, wenn uns die Stadt finanziell entgegen käme, wir gemeinsam einen Fahrplan entwickeln.“ Vielleicht sei es möglich, für den Abriss veralteter Ställe einen Kompromiss zu finden. „Vielleicht kann man uns auch helfen, dass wir wieder Strom, Wasser und einen Außenzaun bekommen“, sagt Wolfgang Trapp. Auf alle Fälle gebe es einen neuen Hoffnungsschimmer, was den Standort angehe: „Wir sind jetzt mit der Kirche wegen einer anderen Fläche im Gespräch, die für uns groß genug wäre“, sagt Gundula Trapp.

An einer für alle Seiten guten Lösung ist auch Jörn Kasbohm, Fraktionsvorsitzender der Linken, interessiert. Er ist seit langem regelmäßig mit den Züchtern im Gespräch und freut sich, dass sich der Verein kompromissbereit zeigt. „Deshalb müssen wir sehen, dass wir sie auch unterstützen“, sagt er.

Petra Hase

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