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Greifswald Kapelle wurde keine 100 Jahre alt
Vorpommern Greifswald Kapelle wurde keine 100 Jahre alt
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04:35 08.03.2013
. . . �ber zwei Meter hohen Christusfigur an ihrer Fassade und . . .

In den 1980er Jahren wurden nicht nur massenhaft Häuser in der Greifswalder Altstadt abgeräumt. Auch die beiden Kapellen auf dem Alten und dem Neuen Friedhof fielen der Abrissbirne zum Opfer. Die Bekanntere war sicher die von Gottlieb Giese auf dem Gottesacker an der Wolgaster Straße aus dem Jahre 1826, deren Fehlen bis heute spürbar ist. Denn dieses Kirchlein stand bis 1986 im Zentrum der Anlage.

Auf Spurensuche nach der Kapelle auf dem Neuen Friedhof hat sich Georg Kämmerer in seiner Bachelorarbeit im Fach Kunstgeschichte begeben. Er fand mit Hilfe vieler Greifswalder und des Fördervereins für den Alten Friedhof sogar viele Spuren wiederverwendeter Bauteile in der Stadt.

Der Reihe nach: Eingeweiht wurde der Neue Friedhof im August 1864 und insgesamt fünfmal erweitert. Zunächst stand hier keine Kapelle. Erst das Testament des 1879 verstorbenen Kaufmanns August Berndt eröffnete die Möglichkeit des Baus, schreibt Kämmerer. Zunächst wurde Kaufmanns Frau Hermine Universalerbin. Aber einige Bestimmungen des Testaments wiesen schon in Richtung Kapelle. Jedoch: Hätte Hermine Berndt nicht schon vor ihrem Tod Geld an die Stadt überwiesen, hätten die Greifswalder noch lange warten müssen. Sie starb erst 1924.

Etwa 46 000 Mark stellte die Witwe für die Kapelle und 11 000 Mark für eine Stiftung für Arme zur Verfügung, die heute Teil der Peter-Warschow-Sammelstiftung ist. Das Grab des Ehepaars Berndt befindet sich neben einem Hochbeet, das anstelle der 1981 abgerissenen Kapelle errichtet wurde.

Seine architektonische Gestalt verdankte das Bauwerk einem Wettbewerb des Berliner Architektenvereins im Jahre 1883. Unter 18 Bewerbern setzte sich Carl Doflein (1856-1943) durch, schreibt Kämmerer.

Er hat sich unter anderem als Architekt von Postgebäuden einen Namen gemacht. 1884 wurde der Grundstein für den vergleichsweise aufwändigen neugotischen Bau gelegt, 1887 erfolgte die Einweihung. Eine über zwei Meter hohe Christusfigur zierte den Giebel. Kämmerer vermutet, dass sich Doflein von der Fassade des Hauses Markt 11 inspirieren ließ. 1968 war nach Einschätzung eines Experten die Rekonstruktion der Kapelle nötig. Gesamtkosten: 59 000 Euro. 1971, so Kämmerer, schaffte das Projekt die Aufnahme in die Bilanz des damals zuständigen VEB (Volkseigener Betrieb) Gartengestaltung und Friedhofswesen. Das heißt: eine Sanierung war geplant. Nach Kämmerers Recherche waren aber der Leiter der Büros für Stadtplanung, Dr. Frank Mohr, und Stadtbaudirektorin Helga Hüller zwei Jahre später der Meinung, dass der Ersatzneubau einer Feierhalle die bessere Variante sei. Der Leiter der Bauaufsicht kam im November 1973 zu dem Schluss, dass eine „Generalreparatur aus ökonomischen Gründen und fehlenden handwerklichen Voraussetzungen nicht vertretbar ist.“ Die von Ingolf Buchheim konzipierte neue Feierhalle neben dem Krematorium wurde allerdings erst 1985 eingeweiht.

Fünf Jahre zuvor erteilten die Behörden die Abrissgenehmigung für die Kapelle. Nach den Recherchen Georg Kämmerers erfolgte der Abriss 1981 ohne Information der Öffentlichkeit.

Der Löcknitzer Pfarrer Christoph Wittenberg konnte das Eichengestühl, die Glasmalereifenster und den Christus, der die Fassade schmückte, aufkaufen. Sein Urgroßvater Johann Dust hatte die Zimmermannsarbeiten für die Kapelle ausgeführt. Das Gestühl kam nach Schönow bei Angermünde. Christusfigur und Fenster befinden sich heute in Löcknitz. Die Haupteingangstür und die Tür zur Sakristei liegen in einer Baracke neben dem Umweltamt im Mendelejewweg, fand Kämmerer heraus. Steine und weitere Ausstattungsstücke wies Kämmerer auf Privatgrundstücken in Greifswald und Lubmin nach. Viele Bürger hätten sich damals auf dem Schuttberg von den Resten der Kapelle bedient. Dieser befand sich auf dem Gelände des Bestatters Henning. Einige Stücke wurden auch durch die für den Friedhof zuständige Abteilungsleiterin verteilt.

Die Kapelle ist durch gezielte Vernachlässigung verfallen.“Georg Kämmerer, Kunsthistoriker

Eckhard Oberdörfer

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