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Greifswald Kapitän Fusch geht von Bord
Vorpommern Greifswald Kapitän Fusch geht von Bord
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07:56 30.06.2017
Schöne, stürmische und auch schwierige Zeiten hat Wolfgang Fusch als Kapitän der „Greif“ erlebt. Quelle: Foto: Sybille Marx

Stürmische Zeiten hat er durchaus erlebt, einmal sogar Windstärke 11. Doch eine Havarie, einen Schiffsunfall, musste Wolfgang Fusch in seinen 17 Jahren als Kapitän des Greifswalder Segelschulschiffs „Greif“ nie verbuchen. Unfallfrei geht er jetzt von Bord – in den Ruhestand, mit 64.

Ein Abschied von 100 auf 0 soll es aber nicht werden. „Ich arbeite vertretungsweise weiter hier“, sagt Fusch mit seiner heiseren Stimme. Ein Leben ohne Seefahrt könne er sich nicht vorstellen. In der Sächsischen Schweiz war er aufgewachsen, einer Region, die eher für ihre Berge berühmt ist. „Aber mein Vater hat mich oft mit zur Elbe genommen, wo die Schaufelraddampfer an- und ablegten“, erzählt er. Irgendwo dort wuchs die Sehnsucht nach der Seefahrt.

Mit 16 wurde Fusch Matrosen-Lehrling bei der Deutschen Seereederei Rostock. Seitdem hat er immer wieder Tage, Wochen, Monate auf schwankendem Schiffsboden gestanden – in den ersten Jahren als Matrose, Marinesoldat und Funker überall auf der Welt. 1976 heuerte er dann auf seinem ersten Segelschiff an, dem Marineschulschiff Wilhelm Pieck, der heutigen „Greif“. Verheiratet war er da schon, hatte Kinder. „Die Familie wollte nicht, dass ich längere Zeit zur See fahre“, erzählt er. So war die Ostsee ein guter Kompromiss. Als Bootsmann, Oberbootsmann und Nautischer Offizier arbeitete Fusch bis 1984 hier, als Kapitän kehrte er 2000 zurück.

Das Leben auf See – für Wolfgang Fusch ist es ein Leben mit der Natur: Ihre Gewalt muss man respektieren, auf ihre Launen reagieren, belohnt wird man von ihrer Schönheit. „Allein, wenn wir an den Kreidefelsen vorbeisegeln, ist das immer noch so schön!“

Kapitän der „Greif“ zu sein, bedeute aber auch noch etwas anderes, sagt Fusch: „Man ist zugleich Reiseleiter.“ Die Greif gehört seit 1991 der Stadt, wird als Flaggschiff und Ausflugssegler auf der Ostsee genutzt. Zahlende Gäste und Hand-für-Koje-Segler, die sich ihren Aufenthalt mit Mitarbeit verdienen, kommen an Bord. „Die Gemeinschaft ist fast immer gut“, findet Fusch, „das ergibt sich, weil man ein Schiff nur segeln kann, wenn alle zusammen arbeiten.“

Unter den Hand-für-Koje-Seglern mussten sich manche allerdings erst an ihn gewöhnen, erinnert sich die Rostockerin Anne Stielow, die seit 1994 jedes Jahr mitsegelt. „Er hat uns anfangs nicht so viel zugetraut.“ Stärker als sein Vorgänger sei Fusch zudem auf Sicherheit bedacht. „Das war immer sein erstes Gebot“, sagt Anne Stielow. Aber das habe ja auch sein Gutes.

Ein echtes Problem ist etwas anderes: Rund 250 000 Euro Minus fährt die Greif jedes Jahr ein. Seit 2015, seit die millionenschwere Rücklage aus DDR-Zeiten aufgebraucht ist, gleicht die Stadt das

mit Haushaltsmitteln aus, doch die Bürgerschaft fordert, dass das Minus sinkt. „Wir haben natürlich auch davor schon gespart“, sagt Fusch. Aber der Druck steigt nun.

Von elf auf fünf Stammmitglieder war die Besatzung seit 1991 schon geschrumpft, mit Fuschs Weggang fällt nun eine weitere Stelle weg: der Posten als Bootsmann, den sein Nachfolger Roland Hunscha bekleidet. Ehrenamtliche aus dem „Förderverein Rahsegler Greif“ sollen nachrücken, derzeit werden sie dafür geschult. Ob das finanziell dann reicht – Fusch muss sich darüber nicht mehr sorgen. Aber die schönen Seiten der Schifffahrt, die will er weiter genießen.

Der neue Kapitän: Roland Hunscha

Roland Hunscha ist 56 und arbeitet seit 1982 auf der Greif – nur dass sie damals „Wilhelm Pieck“ hieß und der GST-Marineschule gehörte. Vom Bootsmann bis zum Nautischen Offizier durchlief er alle Posten, begleitete 1991 die Wiederinbetriebnahme des Schiffes als „Greif“. Ab Juli ist er der 7. Kapitän in der Geschichte des Schiffes.

Sybille Marx

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