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Greifswald Kastration von wilden Katzen: Keine Hilfe von der Stadt
Vorpommern Greifswald Kastration von wilden Katzen: Keine Hilfe von der Stadt
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07:56 17.05.2017
Margot Technau (75) hat vor drei Jahren Fritzi bei sich aufgenommen. Der Kater ist zuvor in Wieck ausgesetzt worden. Seitdem sorgt sie für das Tier und kümmert sich zudem um weitere freilebende Katzen in ihrem Ortsteil. Sie kämpft für eine flächendeckende Kastration der Streuner. Quelle: Katharina Degrassi
Greifswald

Runder Tisch im Rathaus, mehrere Besuche in den Sprechstunden des Oberbürgermeisters, ein persönliches Schreiben an den Verwaltungschef: Die Katzenfreunde haben vieles versucht, um Hilfe von der Stadt für die Kastration der Tiere zu bekommen. Bislang ohne Erfolg.

Herrenlose Katzen

13 000 Katzen leben nach Schätzungen des Veterinäramtes des Landkreises in Greifswald.

1000 Katzen sind nach den Hochrechnungen herrenlos. 2300 fortpflanzungsfähige Katzen laufen frei herum. Eine Katze kann in fünf Jahren bis zu 10000 Nachkommen zeugen.

Eintausend Tiere leben herrenlos in der Hansestadt und vermehren sich größtenteils unkontrolliert. „Je mehr Katzen frei durch Greifswald streunen, desto schwieriger ist es, artgerechte Bedingungen für sie zu schaffen“, sagt Corinne Massow, Vorsitzende des Greifswalder Tierschutzbundes. Deswegen sei die Kastration der Tiere die wichtigste Maßnahme des Vereins mit seinen zwölf ehrenamtlichen Helfern. Die Gelder reichten jedoch längst nicht aus. Pro Jahr könnten 20 medizinische Eingriffe in Greifswald finanziert werden, weitere 75 für Tiere aus dem Umland. Deswegen gebe es deutlich mehr streunende Katzen in der Stadt als das wünschenswert wäre. „Viele Tiere fallen Krankheiten oder Unfällen zum Opfer oder verenden elendig in Gebüschen, weil sich niemand richtig um sie kümmert“, sagt Massow.

Ministerpräsident Erwin Sellering (SPD) zeichnete Massow Ende vergangenen Jahres für besondere Dienste im Ehrenamt aus. Trotz Ehrennadel für ihren Kampf um Greifswalds Katzen stößt das Anliegen der Frau beim Greifswalder OB auf taube Ohren. Stefan Fassbinder (Grüne) sieht das Veterinäramt des Landkreises in der Pflicht. „Der Gesetzgeber hat die Zuständigkeit des Oberbürgermeisters nur für den Bereich der Fundtiere und der Gefahrenabwehr als amtlich zuständige Behörde festgeschrieben. Aus diesen Gesichtspunkten geht derzeit keine konkrete Gefahr von den freilebenden Katzen im Stadtgebiet aus“, erklärt hierzu Andrea Reimann, Pressesprecherin der Stadt.

Massow schüttelt darüber den Kopf. Dass es in der Stadt gar kein Problem mit Katzen gebe, hat sie sich schon in der Sprechstunde des Oberbürgermeisters anhören müssen. Eine Gefahr liegt nach gesetzlicher Definition nur vor, wenn die Tiere Krankheiten auf den Menschen übertragen oder diese verletzen. Dass Tiere ein unwürdiges Leben führen, sei hierbei nicht relevant, bedauert Massow. „Die Tiere werden geboren, um zu sterben. Und das im Jahr 2017“, sagt die ehrenamtliche Tierschützerin verbittert. Enttäuscht ist auch Margot Technau (75), die den OB bereits mehrfach um Hilfe bat. „Es ist traurig, dass die Tiere so leiden müssen“, sagt die Rentnerin aus Wieck.

  Heidrun Caanitz, Amtstierärztin des Kreises Vorpommern- Greifswald, saß vor etwa einem Jahr mit am Runden Tisch im Greifswalder Rathaus, um nach einer Lösung zu suchen. Das Veterinäramt ist für die Katzen im Bereich Tierschutz zuständig, investiere jährlich etwa 3000 Euro, um Katzen im Landkreis kastrieren zu lassen. „Die Stadt sitzt aber auch mit im Boot, weil Fundtiere im Ordnungsrecht angesiedelt sind“, sagt Caanitz. Ihr Wunsch ist, dass sich die Stadt an den Kosten für die Kastrationen beteiligt. „Selbst wenn es sich nur um eine kleine Summe handelt. Es würde sehr helfen, wenn die Stadt Geld in den Haushalt einstellt“, sagt Caanitz. Die mehrfach an Fassbinder herangetragene Bitte lehnt dieser ab, verweist stattdessen an die Fraktionen der Bürgerschaft. Diese müssten beantragen, dass Geld im Haushalt eingestellt wird, so Fassbinder. Bis heute hat sich jedoch keine Fraktion des Problems angenommen.

Caanitz appelliert an die Bevölkerung: „Sobald jemand Katzen füttert, trägt er auch Verantwortung, muss sich also auch um deren Wohlergehen kümmern.“ Alle Katzen, die frei herumlaufen, sollten kastriert sein, fordert Caanitz. Den Tierhaltern dürfe es nicht egal sein, wenn sich das eigene Tier außerhalb des Grundstückes fortpflanzt.

Katharina Degrassi

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