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Katzenkümmerer fühlen sich alleingelassen

Greifswald Katzenkümmerer fühlen sich alleingelassen

Nur das Tierheim bekommt öffentliche Gelder, das Tierschutzhaus nicht / Warum, fragen die Vereinsleute

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Corinne Massow leitet das Tierschutzhaus in Greifswald – eine Notstation vor allem für Katzen.

Quelle: Peter Binder

Greifswald. Kaum Geld in der Kasse und die Gehege voll mit Katzen, die versorgt, verarztet,geimpft und vermittelt werden sollen: Das Tierschutzhaus in der Grimmer Straße in Greifswald ist wieder einmal hoffnungslos überlastet. Unter den Vereinsleuten herrscht Frust.

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Nur das Tierheim bekommt öffentliche Gelder, das Tierschutzhaus nicht / Warum, fragen die Vereinsleute

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„Warum hilft uns die Stadt nicht finanziell, wir brauchen so dringend wenigstens eine halbe hauptamtliche Stelle“, sagt Schatzmeisterin Simone Hagemeister. Das Tierschutzhaus leiste seit rund 20 Jahren eine so wichtige Arbeit: kranke, hilflose oder halb verwilderte Haustiere aufzunehmen, die keinem gehören, allen voran Katzen. Und diese Tiere zu kastrieren.

120 bis 150 Katzen landen pro Jahr beim Verein. „Dieses Jahr haben wir sogar schon 160 aufgenommen“, sagt Hagemeister. Pro Tier fielen oft über 100 Euro bis zur Vermittlung an. „Jungkatzen müssen ja entfloht, entwurmt, gekennzeichnet, kastriert, geimpft werden.....“

Doch nur das Tierheim in Diedrichshagen, nicht der Tierschutzbund bekommt für seine Arbeit Geld von der Stadt. „Warum wird dieser Zuschuss nicht geteilt?“, fragt Simone Hagemeister. Zwar bekomme man über den Landestierschutzbund Landesmittel für Kastrationen. „Aber das ist nur ein Tropfen auf den heißen Stein.“ Rund 10000 Euro Unkosten habe der Verein jedes Jahr.

Ein Gespräch mit Oberbürgermeister Stefan Fassbinder Anfang des Jahres hat nichts verändert, erzählt Tierärztin Anette Quandt, Vorsitzende des Tierschutzbundes in Greifswald. „Die Stadt fühlt sich nicht verantwortlich, weil es für herrenlose Tiere keine Rechtsgrundlage gibt“, seufzt sie. Nur Fundtiere, die offensichtlich jemandem entlaufen seien, nehme das Tierheim Diedrichshagen im Auftrag des städtischen Ordnungsamtes auf.

Jörg Hochheim, stellvertretender Oberbürgermeister der Stadt, erklärt das so: „Der Tierschutz liegt in der Verantwortung der Veterinärämter der Landkreise und kreisfreien Städte sowie der Tierschutzverbände.“ Nur dann, wenn eine Gefahr für die Allgemeinheit nicht auszuschließen ist, greift das Ordnungsamt ein und bringt die Tiere ins Tierheim Diedrichshagen.

Streunende Katzen gelten aber nicht als Gefahr. Hochrechnungen des Tierschutzbundes zufolge leben über 400 von ihnen in Greifswald und Umgebung. „Eine einzige nicht kastrierte Katze kann in zehn Jahren eine Million Nachkommen haben“, sagt Anette Quandt. Wenn die Tiere sich ungehemmt vermehren, verursache das „unsägliches Leid“. Zumindest in der kalten Jahreszeit würden viele krank, überlebten oft nur wenige Kitten die ersten Wochen. Eine große Wildkatzenpopulation sei auch für Menschen nicht ungefährlich, sagt die Tierärztin. „Die Tiere koten auf Spielplätzen in die Sandkästen und übertragen Krankheiten“, sagt sie. Etwa Durchfallerkrankungen und Toxoplasmose.

Das Veterinäramt des Kreises bestätigt, dass die vielen unkastrierten Katzen in der Region ein Problem sind. In Einzelfällen unterstütze der Kreis die Kastrationen daher auch finanziell, im Jahr 2015 immerhin mit 1720 Euro im Bereich Greifswald. Aber: „allen Nöten abzuhelfen“, dazu sei der Kreis finanziell nicht in der Lage, sagt Amtstierarzt Holger Vogel. Indirekt plädiert er vor allem für einen Bewusstseinswandel in der Bevölkerung: Besitzer sollten ihre Katzen nicht unkastriert draußen heraumlaufen lassen – das sei „mangelndes Verantwortungsbewusstsein“.

Katzen & Kosten

30 Katzen werden im Tierschutzhaus versorgt, 20 weitere kamen bei Privatleuten unter. Alle suchen neue Besitzer. Zwei Bundesfreiwillige gehören zum Team im Tierschutzhaus. 120 bi s 160 Euro kostet die Kastration einer Katze, bei einem Kater sind es rund 60 Euro.

10 000 Euro Spenden mindestens braucht der Tierschutzbund Greifswald pro Jahr.

Im Tierschutzhaus des Tierschutzbundes Greifswald und Umgebung e.V. (hinter „Janas Hundeschule“) findet am Sonntag ein Vermittlungsnachmittag statt. Einige Jungtiere und erwachsene Katzen suchen dringend ein neues Zuhause. Diese Tiere können gern als Zweittiere gehalten werden.

Termin: 16. Oktober, 10-16 Uhr, Grimmer Straße 11-14, ☎ 81 09 91

• Mehr Infos:

www.tierschutzbund-greifswald.de

Sybille Marx

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