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Kein Fischerfest ohne den „Aalkönig“

Freest Kein Fischerfest ohne den „Aalkönig“

Joachim Herrmann war am Wochenende auf der Freester Festmeile dabei und blickt doch auch gern zurück

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Eine nächtliche Kutterfahrt mit den Freester Fischern gehörte für viele Festbesucher dazu. Fotos (3): Tilo Wallrodt

Freest. Jedes Jahr am ersten Augustwochenende ist in dem alten Fischerdorf alles anders: Dann wird Freest zur Partymeile mit tausenden Gästen. Das alljährliche Fischerfest rund um den Hafen ist ein ganz besonderes Spektakel – auch für Joachim (Jochen) Herrmann, den „Aalkönig von Freest“.

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Joachim Herrmann war am Wochenende auf der Freester Festmeile dabei und blickt doch auch gern zurück

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Früher gab es Aalgreifen fürs Publikum.“Joachim Herrmann, Fischer aus Freest

In diesem Jahr fand er schon den Auftakt am Freitagabend ausgesprochen gelungen. Das Feuerwerk, das in Freest immer am Eröffnungstag in den Nachthimmel steigt, wurde erstmals von Musik untermalt.

„Dann ist das Ambiente an der Mole noch stimmiger“, findet auch Ansgard Kastner von der Großmarkt Rostock GmbH, die das Event organisiert. Fischer Jochen, das Freester Urgestein, nickt zustimmend.

Kastner will wissen, wie der Mann eigentlich zu seinem Beinamen kam. „Diesen Titel haben mir damals die Arbeiter vom Kernkraftwerk Lubmin verpasst, wenn sie auf ihrer ständigen Suche nach dem Edelfisch in Freest aufschlugen und bei mir meist fündig wurden“, sagt er und lacht.

Gern erinnert Jochen sich an die Fischerfeste zu Vorwendezeiten. „Am Hafen haben erfahrene Knüpferinnen den Besuchern die Herstellung eines Fischerteppichs gezeigt. Und es gab Aalgreifen fürs Publikum, was heute aus Tierschutzgründen verboten ist. Es war nicht so viel Kommerz. Wir veranstalteten große Umzüge mit Blaskapelle und feierten unsere Vergnügen damals auf zwei Tanzsälen im Dorf“, berichtet er.

Dennoch freut er sich, dass gerade die Angebote seiner Berufskollegen – vom Fischbrötchen bis zur Kutterfahrt – bei den Fischerfestbesuchern begehrt sind. Auch Kastner zeigt sich zufrieden. „Wir haben über 30 000 Besucher gehabt, das Wetter war ja noch ganz gut“, sagt er. Auch die Fischer, die Besitzer von Fahrgeschäften und die Händler seien mit den Umsätzen zufrieden. Das nächste Fischerfest 2017 werde nach seinen Worten hoffentlich ebenso erfolgreich. Für Fischer Jochen ist wichtig, dass die Fischerei als wichtiger Wirtschaftszweig weiter mit dabei ist. Dennoch: Obwohl Jochen noch mit einer kleinen Reuse im Nebenerwerb fischt – den Fischerberuf würde er nicht mehr ergreifen. „Zu viele Vorschriften und Einschränkungen von den Eurokraten. Wie es aussieht, ist die hiesige Küstenfischerei eine aussterbende Zunft.“

Dabei war die Fischerei immer sein Traum. Die Mutter verlangte zwar, dass er erst einmal einen anderen Beruf erlernte. „Ich wurde Hochspannungsmonteur“, so der 75-Jährige. „In Königwartha bei Dresden gab es Fischteiche mit Karpfen und Forellen, dort absolvierte ich meinen Facharbeiter zum Fischer und begann 1965 mit der Fischerei, zunächst auf dem Kutter meines Vaters“, blickt Jochen zurück. „Wir fingen Aal, Dorsch und Hering auf Bodden und Peene“, weiß der verheiratete Vater von drei erwachsenen Kindern und vierfache Opa. Schon als Schuljunge wollte Jochen nur eines: zur Fischerei. „Als Kinder gingen wir im Winter über den zugefrorenen Peenestrom und Bodden bis zur Insel Ruden, wo wir mit dem fünfzackigen Aalstecher über 30 Kilo Aal gefangen haben“, erzählt Jochen. Heute sei ihm angesichts der tückenreichen Knaakrinne bewusst, welchen Gefahren sie sich als Kinder ausgesetzt hätten.

Viel Geld haben die Fischer in den 1970er und 1980er Jahren mit ihrem Brotfisch, dem Hering, verdient. „Für eine Tonne bekamen wir 1400 Mark der DDR. Mit unseren Kuttern landeten wir häufig fünf oder sechs Tonnen auf einmal an“, erzählt Jochen Herrmann, der während seines gesamten Berufslebens nie eine Fischermütze getragen hat. „Davon juckt nur der Kopf“, meint der Aalkönig trocken.

Früher zählte der Berufsstand, der dem Fest in Freest den Namen gab, über 100 Fischer. Jetzt sind es noch 25. Zum Glück gibt es den Frühschoppen in der Freester „Hafentaverne“: „Jeden Sonntagvormittag treffen sich Einheimische meiner Generation zum Pott Kaffee und quatschen über alte Zeiten“, sagt Fischer Jochen und blickt dann wieder entspannt auf den Trubel rund ums Hafenbecken.

Peter Machule und Cornelia Meerkatz

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