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Schach Kein Kinderspiel?

Beim Knirpsenschach versinken schon die Kleinsten in einer Welt, die vielen Erwachsenen zu kompliziert ist

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Trainer Ralf Kriese mit den Schachknirpsen Adele Kuniß (6), Mattis Klinkhardt (7) und Hannes Kummerow (6).

Quelle: Sybille Marx

Greifswald. Geplant war das nicht. Als der Greifswalder Steffen Kummerow vor ein paar Jahren zu Hause mal wieder das Schachbrett aufbaute, war sein dreijähriger Sohn Hannes sofort gebannt. „Der wollte mitmachen“, erzählt Kummerow. Also habe er dem Kind erklärt, wie sich das Pferd, die Bauern und all die anderen Figuren auf dem Brett bewegen dürften.

Training in Greifswald

20 Kinder und Jugendliche spielen im Greifswalder Schachverein. Knirpsenschach findet donnerstags von 15:30 Uhr bis 16.30 Uhr im St.

Spiritus statt, die älteren spielen dienstags von 17 bis 18.30 Uhr. Infos:☎ 03834 382094

Der Schachverein Gryps gründete sich 2004 als Jugendverein, über 20 Kinder und Jugendliche trainieren hier.

• www.guidospringer.de

Inzwischen ist Hannes sechs, spielt beim „Knirpsenschach“ im Greifswalder Schachverein mit und lernt Dinge, die ihm sein Vater gar nicht beibringen könnte: Mattsituationen und andere Muster zu erkennen, eine Strategie zu verfolgen, Fehler zu analysieren...

„Nö, schwer ist das nicht“, behauptet Hannes fröhlich. Natürlich müsse man viel nachdenken, „aber das macht ja Spaß!“ Nur, wenn ein Turnier anstehe, habe er vorher ein ganz ungutes Gefühl. „Aber wenn ich da bin, ist es ganz, ganz toll!“

Worte, die auch sein Schachtrainer Ralf Kriese gern hört. Seit 2007 hat er die Kinder- und Jugendabteilung des Vereins neu mit aufgebaut. Ob Schachspielen das analytische Denken fördert oder sonstwie positive Auswirkungen auf andere Lebensbereiche hat — der 45-Jährige zuckt mit den Schultern. „Vor allem muss es den Kindern Spaß machen“, sagt er. Fakt sei aber: Oft fühlten sich diejenigen zu Schach hingezogen, die auch in Mathe gut abschnitten. „Und sie lernen, sich auf etwas zu konzentrieren.“

Insgesamt vier Kinder kommen derzeit donnerstags zum Spielen ins St. Spiritus, darunter die sechsjährige Adele Kuniß und der siebenjährige Mattis Brandt. Kriese hängt dann meist ein Demobrett mit Magnetfiguren an die Wand, baut Stellungen auf und erklärt. Oder er schmeißt den Beamer an und analysiert mit den Kindern die Turnierpartien älterer Kinder aus dem Verein. „Ich nenne das dann Kino“, sagt er schmunzelnd.

Fünf- oder Sechsjährige dürfe man mit Theorie natürlich nicht überschütten, aber ganz ohne Theorie gehe es auch nicht. „Im Grunde muss man es ja schaffen, in jeder Spielsituation jede mögliche Folgepartie vorauszusehen“, erklärt er. Niemand erreiche je diesen Zustand, „aber man kann Muster im Kopf haben, um dann zu merken: Das Bild kenne ich, das ist ein Mattbild, da muss ich reagieren!“

Wie schnell manche Kinder zu Hause oder im Verein Fortschritte machen, findet Kriese verblüffend. Mattis zum Beispiel. „Als der mit fünf zu uns kam, konnte er schon mehr als nur Figuren übers Brett schieben, der hat schon mit Sinn und Verstand gespielt“, erzählt er. Ungewöhnlich sei das.

Aus dem Training und von Turnieren, zu denen Kriese mit Vereinskindern immer wieder fährt, weiß er: Kinder, die dieses Spiel lieben, sind nicht weniger lebhaft als andere. „In den Pausen flitzen die durch die Halle, das ist ein Lärm!“ Aber wenn die Partien starteten, senke sich eine große Stille über die Bretter. Brütende Blicke, rote Wangen, Fachdiskussionen hier und da — so sitzen an diesem Nachmittag im St. Spiritus auch Mattis, Adele und Hannes vor den Figuren. Hat die Journalistin überhaupt Fotos gemacht? Mattis wird nachher behaupten, sie habe es vergessen. Da war er wohl gerade in seiner Schachwelt versunken.

Von Sybille Marx

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