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Kein Tag ohne Schmerzen: Kerstin Matz lebt damit

Greifswald Kein Tag ohne Schmerzen: Kerstin Matz lebt damit

Die Greifswalderin leidet an einer seltenen und noch ungeklärten Krankheit

Greifswald. Kein Tag ohne Schmerzen: Kerstin Matz (51) hat immer welche. Mal im Rücken, dann in den Beinen. Auch Nacken, Arme und Kopf tun ihr dauernd weh. Steht sie morgens auf, kann sie sich kaum bewegen. Geradezu steif ist ihr Körper dann. Starr und ungelenk! Am wohlsten fühle sie sich, wenn die Sonne scheine. „Kälte und Wind“, sagt Matz, „sind Gift für mich.“

 

OZ-Bild

„Es gibt keinen Tag, an dem ich schmerzfrei bin.“ Kerstin Matz leidet an Fibromyalgie.

Quelle: Fotos: Sven Jeske

Die Greifswalderin leidet Schmerzen wie nur wenige. Schätzungsweise etwa 0,7 bis drei Prozent aller Deutschen – zumeist Frauen – geht es wie ihr. Sie können versuchen, ihre dauerhaften Beschwerden zu lindern. Los werden sie sie nie. Woran das liegt? Forscher und Mediziner tappen noch weitgehend im Dunkeln. Vermutet werden unter anderem Mechanismen, die körpereigene Strukturen zerstören. Auch seelische Einflüsse hält man für denkbar. In Studien wurde nachgewiesen, dass die Schmerzverarbeitung im Gehirn Betroffener verändert ist und eine stärkere Entzündungsreaktion besteht.

Fibromyalgie heißt die Krankheit, die Kerstin Matz befallen hat. Zwischen dem 20. und 40. Lebensjahr macht sie sich bemerkbar. „Ich war Mitte 30, als ich erstmals Schmerzen im Rücken und im Nacken verspürte“, schildert Matz. „Jedes Mal dachte ich, das geht weg. Aber es kam immer wieder.“ Schließlich litt sie unter Schwindel, Gleichgewichtsstörungen, Reizdarm ... Ärzte untersuchten Matz, konnten aber nichts finden. Therapien schlugen nicht an. Irgendwann schob man es auf ihres Psyche. Kerstin Matz wurde als Spinnerin bezeichnet und musste sich allerhand unschöne Sachen anhören.

„Nicht ernst genommen zu werden, war das Schlimmste für mich“, sagt sie rückblickend.

2009 kam Matz ins Schmerzzentrum Berlin. Dort diagnostizierten Fachleute Fibromyalgie. An Arbeit war nicht mehr zu denken. Seit 2010 ist Matz verrentet. Nur zu Hause sitzen aber liegt ihr nicht. „Ich habe es mir zur Aufgabe gemacht, anderen Betroffenen zu helfen“, sagt sie. Einmal im Jahr fährt Kerstin Matz zu einem Kongress. „Da treffe ich auf andere Fibrokranke und bekomme viele Informationen über Ernährung, Sport und Therapiemöglichkeiten. Was ich dort erfahre, gebe ich weiter.“ In Greifswald rief Matz eine Selbsthilfegruppe ins Leben. „Wir planen gerade ein Fibro-Symposium an der Uniklinik, es soll im September stattfinden. Die Öffentlichkeit ist für uns ganz wichtig.“

Kein Tag ohne Schmerzen – für Kerstin Matz ist das inzwischen normal. „Heute kann ich damit leben, manchmal gut, manchmal bin auch wieder sehr verzweifelt“, sagt sie. Eines wisse sie inzwischen: „Man ist nicht machtlos. Ich kann sehr viel machen, das habe ich gelernt.“

Eine Therapie in der Greifswalder Schmerzklinik half ihr, besser auf sich aufzupassen, sich nicht zu übernehmen und in Bewegung zu bleiben. „Bewegung ist das A und O: Ich habe gemerkt, dass es mir nicht hilft, mich ins Bett zu legen und zu vergraben. Ablenkung ist wichtig!“, sagt Matz. Trotz aller Schmerzen könne sie Schönes wieder wahrnehmen und genießen. An guten Tagen fährt sie schon mal Fahrrad, werkelt sie auch in ihrem Garten. Ihr Hobby sei jetzt das Singen, sagt Matz. Mit anderen gründete sie einen kleinen Chor. „Es gab auch schon einige Auftritte. Ich habe sogar ein Lied über meine Krankheit geschrieben.“

Früher hatte Kerstin Matz ein großes Haus und war viel unterwegs. „Heute“, sagt sie, „will ich weder das eine noch das andere. Ich bin bescheidener geworden und es geht mir gut damit.“ Es komme darauf an, dass das Leben sie in Ruhe lasse. Ärger und Stress seien schlecht für sie.

Die Frage, warum gerade sie Fibromyalgie bekam, hat Kerstin Matz sehr lange beschäftigt. Heute glaubt sie, die Antwort zu kennen. „Als Kleinkind habe ich starke Verbrennungen erlitten. Ich lag wochenlang isoliert im Krankenhaus. Das ist wohl das Trauma, das mein Schmerzzentrum nicht vergisst.“

Sven Jeske

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