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Kinderhospiz für Greifswald - nur ein teurer Traum?

Greifswald Kinderhospiz für Greifswald - nur ein teurer Traum?

Ein Verein sammelt Spenden, um ein Haus für sterbenskranke Kinder und ihre Familien zu gründen. Doch Experten bezweifeln den Bedarf. Ein ambulanter Dienst sei sinnvoller.

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Da gehen die Kinder nicht nur zum Sterben hin.“ Petra Abramowski, Verein Leuchtturm

Greifswald. Seit Monaten sammelt der Verein „Kinderhospiz Leuchtturm“ Spenden, um in Greifswald ein Haus für schwerstkranke Kinder und ihre Familien aufzubauen — das erste Kinderhospiz von MV. Doch Experten haben Zweifel: Gibt es überhaupt genügend Betroffene in der Region?

Petra Abramowski, Gründerin und Vorsitzende des Vereins, kann das nicht beweisen, „niemand hat da genaue Zahlen“, sagt die 50-Jährige. Doch als Krankenschwester auf der Kinderkrebsstation der Uniklinik Greifswald sehe sie täglich den Bedarf. Auch Familien aus anderen Bundesländern könnten zudem anreisen. „Ein Kinderhospiz ist ja kein Haus, wo die Betroffenen nur zum Sterben hingehen.“

Kinder mit einer lebensverkürzenden Erkrankung seien oft noch Jahre am Leben. „Im Hospiz werden sie, ihre Geschwister und Eltern zusammen aufgenommen und entlastet, bis zu vier Wochen im Jahr.“ Als Stadt an der Ostsee sei Greifswald dafür ideal.

Philipp Stoepker vom Ambulanten Hospizdienst des Kreisdiakonischen Werks Greifswald-Ostvorpommern (KDW) sieht das anders. „Der Bedarf ist nicht da, so viele sterbenskranke Kinder gibt es hier nicht“, sagt er. Auch das KDW biete ja an, betroffene Familien zu begleiten. „Wir hatten in den vergangenen Jahren aber nur drei, vier Fälle mit Kindern.“ Und die wollten zu Hause begleitet werden.

Eine Studie, die Diplomandin Susann Richter von der Uni Greifswald im Bereich Gesundheitsmanagement erstellte, kam 2012 zu einem ähnlichen Schluss: Ein Kinderhospiz nur für Betroffene aus MV wäre nicht finanzierbar. Auch vom Landesministerium für Soziales heißt es, die Fallzahlen seien zu gering. Man begrüße die Initiative des Vereins aber — wenn daraus ein ambulanter Dienst entstehe.

Dass eine stationäre Einrichtung eine Riesenherausforderung wäre, weiß Petra Abramowski selbst: Rund 700 000 Euro würde der Betrieb jedes Jahr kosten, sagt sie, ein ambulanter Dienst nur etwa 40 000. Und die Krankenkassen zahlten allenfalls die Pflege der kranken Kinder, keine weiteren Kosten. „Wir bräuchten also dauerhaft Spenden“, sagt Petra Abramowski. Deshalb träumten sie und ihr Mann ja auch davon, eine Stiftung zu gründen. 60 Mitstreiter hat ihr Verein inzwischen.

Doch ein Fall aus Schwerin überschattet die Pläne: Nach Medienberichten hat der Förderverein „Rosenhospiz“ jahrelang Spenden für ein Kinderhospiz gesammelt und die Einrichtung dann nie eröffnet. 2012 meldete die Vorsitzende Insolvenz an. Die Gelder sollen versackt sein. „Dieser Makel haftet nun wohl auch uns an“, sagt Hans-Georg Abramowski, der sich neben seiner Frau im Verein engagiert. „Wir verwenden aber alle Gelder satzungsgemäß.“ Das könnten die Mitglieder kontrollieren.

Auf die Machbarkeitsstudie der Uni Greifswald hat das Ehepaar trotzdem reagiert. „Wir richten als Zwischenstufe erstmal einen ambulanten Dienst ein“, erklärt Petra Abramowski. Beim bisher einzigen Ambulanten Hospizdienst in MV, der speziell Kinder begleitet — Oskar in Rostock — sieht man auch das mit gemischten Gefühlen. „Wir konnten bisher alle Anfragen aus Greifswald und Umgebung allein decken“, erklärt Koordinatorin Katharina Hillscher. „Ein weiterer Dienst wird also nicht unbedingt gebraucht.“ Auch, dass der Leuchtturm offensiv um Spenden werbe, noch bevor die ersten Ehrenamtlichen ausgebildet seien, gefalle nicht jedem. „Das liegt aber natürlich an der Struktur des Vereins: Er hat ja keinen Träger im Rücken, der finanziell in Vorleistung gehen kann“, sagt Hillscher. „Wenn dieser Dienst erstmal da ist, könnte er aber eine Bereicherung sein.“

Petra Abramowski begleitet schon jetzt zwei betroffene Familien. Ab Mai will sie die ersten Ehrenamtlichen für den Dienst ausbilden. Das Landesamt für Gesundheit und Soziales prüft Fördermöglichkeiten. Abramowski ist sicher: „Wenn der Kinderhospizdient erstmal läuft, wird man sehen, wie groß der Bedarf tatsächlich ist.“

22000 Kinder erkrankt
22 000 Kinder in Deutschland sind lebensverkürzend erkrankt. Rund 1500 sterben jährlich an den Folgen. Der einzige Ambulante Hospizdienst in MV, der speziell Kinder betreut, sitzt in Rostock. Die nächsten stationären Kinderhospize liegen in Hamburg und Berlin.

Sybille Marx

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Ein Verein sammelt seit Monaten Geld für den Aufbau einer Einrichtung in Greifswald. Ob der Bedarf da ist, ist allerdings fraglich.

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