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Kindesmisshandlung: Hinweise kommen häufig aus Kitas

Greifswald Kindesmisshandlung: Hinweise kommen häufig aus Kitas

Gestiegenes Problembewusstsein in der Bevölkerung: 500 Meldungen in diesem Jahr / Enge Zusammenarbeit mit der Rechtsmedizin / Gesunden Menschenverstand einsetzen

Greifswald. Verwahrlosung, Körperverletzung und das Benutzen der Kinder für Streitigkeiten bei Trennungen bis hin zu sexueller Gewalt – 500 Mal wurde bislang in diesem Jahr das Jugendamt wegen möglicher Kindeswohlgefährdungen informiert. Dort, wo Gefahr bestand, zögerte das Jugendamt nicht lange: In den ersten zehn Monaten dieses Jahres gab es im Landkreis 142 Inobhutnahmen von Kindern, vorwiegend im Alter von 0 bis fünf Jahre.

 

OZ-Bild

Auch wenn die Verletzung nicht gleich sichtbar ist: Kindern muss man aufmerksam zuhören.

Quelle: Patrick Pleul/dpa

Im gesamten Jahr 2015 waren es 169 Inobhutnahmen und 650 Meldungen zur möglichen Kindeswohlgefährdung. „Glücklicherweise bestätigt sich in 75 Prozent der Fälle der Verdacht nicht“, sagt Kreissozialdezernent Dirk Scheer (parteilos). Allerdings würde allen Hinweisen durch das Jugendamt nachgegangen. Oft reiche das Angebot einer Hilfe zur Erziehung, um auftretende Probleme in Familien wieder in den Griff zu kriegen.

Viele der Hinweise auf Kindeswohlgefährdung kamen nach seinen Worten aus Kindertagesstätten und Schulen. Häufig fallen dort, wo sich die Kinder einen Großteil des Tages aufhalten, zuerst Verletzungen auf, für die es keine plausiblen Erklärungen gibt. Aus diesem Grund wurde von 2013 bis 2016 auch 50 Mal die Greifswalder Rechtsmedizin zur Begutachtung von Kindern hinzugezogen. „Zwischen dem Kreisjugendamt, der Rechtsmedizin um Prof. Britta Bockholdt und Dr. Klaus-Peter Philipp sowie den ambulant und stationär tätigen Kinderärzten der Region gibt es eine langjährige, enge Zusammenarbeit“, lobt der Sozialdezernent.

Der erfahrene Rechtsmediziner Philipp schwört ebenfalls auf die sehr gute Kooperation. „Denn Kindeswohlgefährdung – von der Verwahrlosung bis hin zu körperlicher Gewalt – ist kein Problem einer Unterschicht, sondern in allen Bevölkerungsgruppen anzutreffen“, betont er. Deshalb sollten Erzieher, Lehrer, Nachbarn und Verwandte aufmerksam zuhören, hinschauen und den gesunden Menschenverstand gebrauchen, wenn Kinder Verletzungen aufweisen, die nicht auf ein harmloses Stoßen oder einen kleinen Sturz hindeuten. „Wenn Eltern erklären, dass die Verbrennungen am Körper ihres Dreijährigen von einem Topf mit heißem Wasser kommen, den er vom Herd gerissen habe, müssen wegen der Größe des Kindes und der Höhe des Herdes die Alarmglocken schrillen“, macht er deutlich.

Philipp weiß aber auch, dass in den seltensten Fällen Kinder vorsätzlich verletzt werden. „Die Gründe, warum Täter, meist Eltern, so etwas tun, sind Unaufmerksamkeit und Fahrlässigkeit, oft auch Überforderung und mangelnde Fähigkeit zur Konfliktbewältigung“, erläutert der Rechtsmediziner. Er setzt vor allem auf das Gespräch mit den Eltern. Nur wenn es nicht anders gehe, werde die Polizei eingeschaltet, „denn mit dem Verdacht der Kindeswohlgefährdung muss man verantwortungsvoll umgehen“. Eine Anzeige habe Grenzen, „man muss die Tat beweisen. Aber wer gesteht freiwillig, sein Kind verletzt zu haben“, sagt er.

Um das Problembewusstsein für Kindeswohlgefährdung weiter zu stärken, hat der Landkreis in Zusammenarbeit mit der Rechtsmedizin Greifswald eine Weiterbildung für Mitarbeiter des Jugendamtes organisiert. Im kommenden Jahr ist eine ähnliche Veranstaltung für Kita-Mitarbeiter geplant.

Fallzahlen gleichbleibend

Hinweise Kindeswohlgefährdung:

2014 – 625 Meldungen

2015 – 650 Meldungen

2016 – bis Oktober 500 Meldungen

Inobhutnahmen Jugendamt:

2014 – 138 Fälle

2015 – 169 Fälle

2016 – bis Oktober 142 Fälle

Kinderschutzgruppe am Klinikum:

Ein interdisziplinäres Team begutachtet die Kinder fachärztlich, bei denen sich der Verdacht auf Kindeswohlgefährdung stellt. Es ist 24 Stunden

am Tag ansprechbar.

Cornelia Meerkatz

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