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Kita-Träger und Eltern fordern mehr Geld vom Land

Vorpommern Kita-Träger und Eltern fordern mehr Geld vom Land

Die Elternbeiträge für einen Krippenplatz variieren in Vorpommern um bis zu 190 Euro. Die Liga der freien Wohlfahrtspflege bezeichnet das als ungerecht und fordert einheitliche Elternbeiträge im Land sowie einen besseren Betreuungsschlüssel.

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Die Liga der freien Wohlfahrtspflege fordert eine bessere Finanzausstattung der Kindertagesstätten in MV.

Quelle: Marlies Walther

Greifswald/Wolgast/Grimmen/Binz/Ribnitz-Damgarten/Stralsund. Zu wenig Zeit für die Kinder, hohe Belastung der Erzieher, ungleiche Elternbeiträge – der Unmut über die finanzielle Ausstattung der Kindertagesstätten in MV wächst. Die Kritik zahlreicher Kita-Träger, Erzieher und Eltern bezieht sich sowohl auf die Qualitätsstandards in der Betreuung als auch auf die Verteilung der Gelder. „Die finanzielle Grundförderung des Landes ist nicht angemessen“, kritisiert Henrike Regenstein, Geschäftsführerin der Liga der freien Wohlfahrtspflege des Landes. Im Verband organisiert sind Träger von Kindertagesstätten, so das DRK, die Caritas, die Arbeiterwohlfahrt und die Diakonie. Regenstein bezieht sich auf Ergebnisse der Bertelsmann-Stiftung. Diese hat ermittelt, dass kein anderes Bundesland so wenig Geld pro Kopf in seine Kitas steckt wie MV. Damit sind wir nur ein weiteres Mal Schlusslicht in einem Kita-Ranking. Seit Jahren gilt der Betreuungsschlüssel in MV als einer der schlechtesten bundesweit. Er wird ebenfalls von der Bertelsmann-Stiftung ermittelt. Hier ein Überblick über die Probleme:

Schlechter Betreuungsschlüssel

Eine Fachkraft muss bei uns sechs Krippenkinder (unter drei Jahre) betreuen beziehungsweise 15 Kindergartenkinder (drei bis sechs Jahre). Das gilt als pädagogisch nicht sinnvoll, wie es in der Bertelsmann-Studie heißt. „Was nützen uns die bestausgebildeten Fachkräfte, wenn denen die Zeit mit den Kindern fehlt? Haben Sie schon einmal alleine versucht, eine Gruppe von 15 Dreijährigen anzukleiden?“, moniert Eric Wallis. Der Vater von zwei Kindern aus Greifswald hat vor einem Jahr eine MV-weite Elterninitiative gegründet und bereits mehr als 6000 Unterschriften für einen besseren Betreuungsschlüssel in Kindertagesstätten gesammelt. Die Initiative unterstützen auch Landkreisverwaltungen und mehrere Kita-Träger, darunter der Greifswalder Eigenbetrieb Hansekinder, der elf Kindertagesstätten unterhält: „Es wäre sinnvoll, wenn ein Erzieher in der Krippe für vier Kinder zuständig ist und im Kindergartenbereich für zwölf“, sagt der Geschäftsführer Achim Lerm. Die jetzige Situation sei eine starke Belastung für Mitarbeiter und Kinder, pädagogische Angebote blieben zwangsläufig auf der Strecke. Auch die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft MV fordert mit Nachdruck kleinere Gruppen. Bislang ergebnislos.

Die SPD-geführte Landesregierung weist die Kritik seit Jahren gebetsmühlenartig zurück. Ministerpräsidentin Manuela Schwesig und Sozialministerin Stefanie Drese (beide SPD) verweisen auf das hohe Ausbildungsniveau in MV. Tatsächlich liegen wir hier im Bundesvergleich vorne. „Wenn Sie sechs statt drei Krippenkinder betreuen müssen, können Sie noch so gut ausgebildet sein, Sie können nicht hexen“, sagt Anette Stein, Expertin bei der Bertelsmann-Stiftung für Frühkindliche Bildung. Die Stiftung empfiehlt einen Betreuungsschlüssel von eins zu drei in der Krippe sowie eins zu acht im Kindergarten.

Ungleiche Elternbeiträge

Was die Eltern für einen Betreuungsplatz bezahlen müssen, variiert stark. Bis zu 180 Euro im Monat sind es beispielsweise bei einem Ganztagskrippenplatz in Vorpommern-Greifswald. Im Hummelhus Katzow fallen 91,50 Euro an, in der Kita Buddelflink in Mesekenhagen hingegen 273,80 Euro. Würde die Hansestadt Greifswald die Elternbeiträge nicht aus dem städtischen Etat deckeln, würde die Spanne noch weiter auseinandergehen. Auch diese Situation prangert der Verband Liga an. Er fordert ein Ende des bisherigen Finanzierungsmodells und einheitliche Elternbeiträge im Land. Niemand sollte gezwungen sein, sich wegen höherer Kosten gegen einen Kitaplatz zu entscheiden, sagt Liga-Chefin Regenstein. Auch innerhalb einer Stadt unterscheiden sich die Platzkosten mitunter um 100 Euro und mehr. Anlass für die aktuelle Kritik sind die Pläne des Landes, ab kommendem Jahr die Elternbeiträge um 50 Euro pro Monat zu reduzieren. „Wir begrüßen das Fernziel kostenfreier Kitaplätze im Land“, sagt Liga-Chefin Regenstein. Der Verband sieht es jedoch als sinnvoller an, zunächst die gravierenden Preisunterschiede im Land zu beseitigen. Die Gründe hierfür sind ganz unterschiedlich. Ob eine Kita mit Fördermitteln gebaut wurde, wirkt sich auf die Platzkosten ebenso aus wie das Gehalt, das die Erzieher bekommen. Zu glauben, dass billig gut ist, sei ein Trugschluss, sagt Eric Wallis. Dass Kitas und Verwaltungen im Wettbewerb untereinander zum Sparen gezwungen ist, sieht er als falschen Weg an: „Vielleicht sollte man, statt im Bereich Kindererziehung und Bildung zu sparen, lieber mal gucken, wie man das Verstecken von Steuergeldern durch Superreiche verhindert.“

Unzureichende Grundausstattung

Kita-Träger kritisieren, dass sich die Landesmittel nicht an den tatsächlichen Bedarfen orientieren. Personal- und Sachkostensteigerungen werden vom Land nicht in ausreichendem Maß berücksichtigt, beklagt Liga-Chefin Regenstein. Heißt: Das Land legt seine finanzielle Unterstützung unabhängig von steigenden Papier-, Energiepreisen und Tarifsteigerungen fest. Zu durchdringen, wie sich die Platzkosten zusammensetzen, ist gar nicht so leicht. Das Land zahlt eine Summe X pro Kind zwischen null und 10 Jahren, das im Landkreis lebt. Wie diese jährliche Summe X ausgegeben wird, entscheidet jeder Landkreis separat. Vorpommern-Rügen unterstützt beispielsweise einen Ganztagskrippenplatz mit einer größeren Summe (222 Euro) als Vorpommern-Greifswald (182 Euro). Dafür fließen hier mehr Mittel in den Bereich Kita und Hort als in Vorpommern-Rügen. Am größten ist der Unterschied bei den Tagesmüttern und Tagesvätern. Diese erhalten in Vorpommern-Rügen je Ganztagskind immerhin 43 Euro weniger. Nach dem gleichen Prinzip werden die Kreismittel verteilt. Landesweit vorgeschrieben ist hingegen, dass sich Eltern und Wohnsitzgemeinde je 50 Prozent der Restkosten teilen. Erst von dem nun verbleibenden Betrag können Eltern eines Krippenkindes erneut 100 Euro abziehen. Dieser Entlastungsbetrag wird 2018 auf 150 Euro erhöht.

Katharina Degrassi

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