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Greifswald Tänzerinnnen auf Augenhöhe
Vorpommern Greifswald Tänzerinnnen auf Augenhöhe
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09:15 15.02.2019
Beim diesjährigen Klassenzimmerstück „Augenhöhe“ des Theaters Vopommern gibt es eine doppelte Premiere. Zum einen wird das erste Mal ein Stück mit tänzerischem Schwerpunkt aufgeführt, zum anderen ist neben Dajana Voß mit Magali Saby auch eine Tänzerin im Rollstuhl dabei. Quelle: Vincent Leifer
Greifswald

Zunächst wirkt alles wie ganz normaler Schulalltag. Zwei junge Frauen sitzen nebeneinander am Tisch, man neckt sich, langweilt sich, schubst sich. Dann wird klar: Trotz Ähnlichkeit der beiden Schülerinnen gibt es einen gravierenden Unterschied, bei der die Synchronität vieler Bewegungen aprupt endet. Magali ist bei der Fortbewegung auf ihren Rollstuhl angewiesen, Dajana nicht. Mit dem diesjährigen Klassenzimmerstück „Augenhöhe“ betreten das Theater Vorpommern und das Tanztheater Perform(d)ance aus Stralsund Neuland. Nicht nur, dass es das erste für Klassenzimmer konzipierte Stück ist, in dem zeitgenössischer Tanz im Mittelpunkt steht, auch die Einbindung einer Tänzerin im Rollstuhl ist eine Premiere. Wie Choreograf Stefan Hahn Magali Sagy und Dajana Voß in Szene setzt, ist bemerkenswert. Temporeich und emotional zugleich, etwa wenn die beiden in großen Runden ihre Geschwindigkeit messen, immer schneller durch das Klassenzimmer kreisen. Im kleinen Raum wirkt das Spiel noch intensiver als auf einer normalen Bühne – rennen, rollen, fallen, alles spielt sich direkt vor den Augen der Zuschauer ab.

Dabei wirkt das Spiel nie gebremst durch die Möglichkeiten. „Das wäre der falsche Ansatz“, meint Stefan Hahn. „Wir haben nicht geschaut, was man trotz Rollstuhl machen kann, sondern was man alles erst durch den Rollstuhl machen kann.“ So stehen sich die beiden ausdrucksstarken Tänzerinnen auch gleichberechtigt gegenüber, die Ebenen des Blickkontakts und der Begegnung wechseln ständig, irgendwann verschwimmt, wer eigentlich behindert ist. Großen Anteil daran hat natürlich das Spiel von Magali Saby, die keineswegs hilflos ist, sondern in vielen Szenen die Krallen ausfährt und auf ihrer Maschine die überlegene Figur auf der Bühne ist. Verharmlost oder beschönigt wird in den Stück aber nichts, die Abhängigkeit vom Rollstuhl als notwendiges, sperriges Instrument bleibt immer präsent. Aus den Momenten, in denen sich Magali außerhalb des Rollstuhles befindet entwickeln die Tänzerinnen Szenen der Innigkeit und der Nähe. Szenen, für die auch viel geprobt werden musste. „Es waren sehr emotionale Proben, wir haben gelacht und geweint“, sagt Stefan Hahn. „Für Magali war es zum Beispiel neu, aus dem Rollstuhl zu fallen. Das erfordert viel Vertrauen.“ Die Französin bestätigt das. „Auch ich gehe im Stück neue Wege“, sagt sie. „Ich führe einen Kampf gegen meinen Körper. Das geht bis ans Herz.“ Die Tänzerin hat bereits im Alter von acht Jahren angefangen, sich mit Tanz und Schauspiel zu beschäftigen. „Es hat mir geholfen, meinen Körper zu akzeptieren“, sagt sie. „So konnte ich auch die Erfahrungen machen, jemand anderes zu sein als Magali.“

Möglich wird das Projekt durch den neugegründeten Verein „Tanzregion Vorpommern“ und dessen Projekt „Vorpommern tanzt an“. Im Verein haben sich Perform[d]ance das Schloss Bröllin in Fahrenwalde und das Theater Vorpommern zusammengeschlossen, um dem zeitgenössischen Tanz in der Region Vorpommern eine Plattform zu geben. Sowohl Tanzakteure als auch die Bewohner Vorpommerns sollen davon profitieren. Tänzer und Tänzerinnen werden durch Mentoringprogramme und die Möglichkeit der Aufführung von Produktionen gefördert. Das tanzinteressiere Publikum kann sich 2019 über mehr Tanzveranstaltungen und ein großes Tanzfest freuen. Damit die Vorpommern auch langfristig tanzbegeistert bleiben, soll im Herbst eine Fachstelle „Tanz“ eingerichtet werden. Finanziert wird die Arbeit des Vereins durch Mittel des Tanzpaktes Stadt-Land-Bund.

Schulen, die Interesse an eine Aufführung haben, können sich beim Theater Vorpommern melden, die Aufführungen starten ab 20. Februar, das Stück wird ab zehn Jahren empfohlen. Neben den Vorstellungen in den Schulen sind auch einige öffentliche Vorführungen im Theaterpädagogischen Zentrum Stralsund (Frankenstraße 51) geplant und zwar am 1. März (20 Uhr), am 2. März um 15 und um 20 Uhr und am 2. März um 16 Uhr.

Anne Ziebarth

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