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Greifswald „Klein-Warnemünde am Bodden“
Vorpommern Greifswald „Klein-Warnemünde am Bodden“
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00:05 11.07.2016
Das Strandbad in Eldena kurz nach seiner Eröffnung im Mai 1972. Fotos (3): Peter Binder

Im September 1970 träumte ein OZ-Journalist von Bikini-Mädchen am weißen Strand in Greifswald. Zu dieser Schwärmerei hatte ihn der kurz zuvor erfolgte Grundsatzbeschluss zum Bau des Schwimmbades Eldena inspiriert. Der Journalistentraum wurde 1972 wahr. Denn im Mai jenes Jahres wurde das Strandbad Eldena übergeben. 2,8 Millionen Mark investierte die DDR in dieses Projekt. Viele Greifswalder halfen mit freiwilligen Arbeitseinsätzen.

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1972 wurde das Strandbad Eldena eingeweiht / Auf einem sumpfigen Gelände wurde Ostseesand aus der Nähe von Rügen aufgespült / Die Planer gingen von bis zu 10000 Gästen pro Tag aus

Dank des Regens ging die Rasensaat auf der Liegewiese gut auf.“Willi Lettau, Abteilungsleiter

Die Greifswalder Badeanstalt befand sich bis dahin an der Wiecker Südmole: Rohrgedeckte Häuschen mit Umkleidekabinen, ein Kiosk, ein schmaler Sandsturm und ein Sprungbrett am Kopf der Südmole. Bei günstigen Bedingungen konnten sich dort 500 bis 1000 Menschen erholen, heißt es in den Akten des Stadtarchivs.

Vor 1972 befand sich im Bereich des neuen Strandbades schon der Kuhstrand. Der Name kommt daher, dass in diesem Bereich vor 1945 Rinder des Universitätsgutes weideten. 1970 handelte es sich größtenteils um eine sumpfige Wiese. Illegale Einleitung von Jauche aus Rinder- und Schweineställen im Bereich des heutigen Campingplatzes und Abwassereinleitungen hatten zu diesem Zustand beigetragen. Die Verlegung der Tiere war daher eines der wichtigsten Anliegen der Vorbereitungszeit. Auch die Vorfluter wurden verlegt. Das Institut für Landesforschung und Naturschutz merkte zwar an, dass durch die neue Uferlinie künftig mit einer Verschlickung und der Ansammlung von Pflanzenresten zu rechnen sei, hatte aber keine grundsätzlichen Einwände.

300 Strandkörbe und 60 Liegestühle für die Gäste

1972 war der Strand in Eldena dank der Aufspülung von 160000 Kubikmetern Sand durch die Bagger-, Bugsier- und Bergungsreederei Rostock 80 Meter breiter geworden. Den Sand gab es kostenlos. Er stammte aus einer Baggerung bei Thießow, die kurz zuvor stattfand.

Zur Einweihung der neuen Badeanstalt am 15. Mai 1972 marschierte der Lühmannsdorfer Spielmannzug durch Ladebow, Eldena und Wieck. Das folgende Kulturprogramm mit dem Titel „Käpt’n Brass an Land“

an der Wiecker Brücke ließ sich die Stadt 2375 Mark der DDR kosten. Fliegende Händler verkauften Bockwurst, Eis und Getränke.

Bürgermeister Dieter Krohn (SED) betonte in seiner im Stadtarchiv verwahrten Rede, dass eine in der Greifswalder Volkszeitung 1927 veröffentlichte Forderung zur Schaffung eines Freibads in Greifswald jetzt verwirklicht worden sei. Ganz zeittypisch bezog sich Krohn auf den VIII. Parteitag der SED und zitierte eine Rede des 1. Sekretärs (ab 1976 Generalsekretär) des Zentralkomitees, Erich Honecker. Der Bürgermeister begründete die Verwirklichung des Freibadtraums in der DDR damit, dass die Menschen „in einem Staate leben und arbeiten, dem das Wohl seiner Bürger am Herzen liegt“. Alles diene dem Wohl des Volkes. Die Norddeutschen Neuesten Nachrichten, Zeitung der Nationaldemokratischen Partei Deutschlands (NDPD) für die drei DDR-Nordbezirke, schrieben vor der Eröffnung am 13. Mai 1972: „Als Geschenk für die Greifswalder Bevölkerung zur ,Woche der sozialistischen Landeskultur’ hat sich das schöne neue Strandbad am Stadtrand piekfein gemacht.“ So wird der zuständige Abteilungsleiter des Rates der Stadt, Willi Lettau, zitiert. Das Wetter war 1972 regnerisch, aber dadurch seien alle Bäume und Sträucher gut gewachsen und die Rasensaat der Liegewiese gut aufgegangen, informierte Lettau. Immerhin 3,6 Tonnen Grassamen wurden ausgesät. Im Bericht der Zeitung ist von 250 neuen Parkplätzen, 2000 bewachten Abstellmöglichkeiten für Räder, 300 Strandkörben, 60 Liegestühlen, neuen Sanitäranlagen und Sportplätzen die Rede. Weitere Investitionen der Stadt in Höhe von 168000 Mark seien geplant. Ferner wurden Leistungen in Höhe von 100000 Mark durch verschiedene Betriebe in Aussicht gestellt. Der Schluss des Beitrags der NDPD-Zeitung war ein Appell, der von 2016 stammen könnte. Man hoffe, dass der Strand nicht zur Kfz-Rennbahn werde und die Strandkörbe nicht demoliert würden. 1980 rühmte dann die Zeitschrift „Norddeutscher Leuchtturm“ Eldena als „Klein-Warnemünde am Bodden“. Im südöstlichen Teil des Strandbades habe sich eine FKK-Zone herausgebildet. Bis zu 15000 Menschen besuchten demnach das Strandbad am Tag. Zwei Jahre später hieß es in der OZ, dass sich die Neugestaltung der Eingangszone und die Einzäunung für mehr Sicherheit bewährt hätten. Es gab Pläne für Grillplätze, Spielgeräte und einen Campingplatz.

Eckhard Oberdörfer

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