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Kleingärtner sauer: Pacht steigt 2018 deutlich

Greifswald Kleingärtner sauer: Pacht steigt 2018 deutlich

Stadt nimmt dadurch zusätzlich 30000 Euro ein / Kleingartenverband erhält Teil der Einnahmen / Pächter kritisieren schlechte Information

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Achim Srock (links) und Manfred Lichy im Lichyschen Garten in der Sparte „Einigkeit“.

Quelle: Foto: Eckhard Oberdörfer

Greifswald. Die Pacht für die Greifswalder Kleingärten steigt im nächsten Jahr um 25 Prozent. Ab 2023 müssen die Laubenpieper, die auf kommunalem Grund wirtschaften, sogar mehr als 50 Prozent im Vergleich zu heute zahlen. Das hat der Hauptausschuss der Bürgerschaft in seiner nichtöffentlichen Sitzung beschlossen. Die Pacht beträgt dann je Quadratmeter 10,8 Cent statt bisher acht Cent im Jahr und auf 13,6 Cent 2023. Im benachbarten Stralsund sind es aktuell übrigens 7,16 Cent pro Quadratmeter. Für den Greifswalder Durchschnittsgarten von 450 Quadratmetern werden im nächsten Jahr 48,60 Euro statt 36 Euro fällig, ab 2023 sind es 61,20 Euro.

Manfred Lichy und Achim Srock, Vorsitzender und Stellvertreter der Sparte „Einigkeit“, reagieren überrascht und empört. „Bei uns wirtschaften 189 Pächter. Die meisten sind älter, viele sind arbeitslos oder Hartz-4-Empfänger“, sagt Lichy. „Einige bezahlen in Raten, weil sie die Pacht nicht auf einmal aufbringen können.“ Srock befürchtet, dass nicht mehr alle Kleingärtner ihre Gärten halten können. „Will die Stadt so neues Bauland statt Gärten bekommen?“, fragt sich Lichy.

Der Greifswalder Kleingartenverband sieht keinen Anlass, die Erhöhungen zu kommentieren. Das sei alles im vergangenen Jahr diskutiert worden, heißt es aus der Geschäftsstelle auf Anfrage der OZ.

Die 2017 erzielte Übereinkunft ist für den Kreisverband vorteilhaft. Er bekommt einen Verwaltungskostenbeitrag von fünf Prozent der Pachtsumme, bis 2023 jährlich fast 6000 Euro. Dann steigt dieser Anteil auf zehn Prozent – auf fast 15000 Euro. Wie es in der Begründung zur Erhöhung der Pacht heißt, habe es der Hauptausschuss im September letzten Jahres mit Mehrheit abgelehnt, den Pachtzins sofort auf 13,6 Cent zu erhöhen.

Nach OZ-Informationen waren 2016 zwei dafür, zwei dagegen. Es gab neun Enthaltungen. „Mit dem Kreisverband der Gartenfreunde ist dann in weiteren Verhandlungsgesprächen Einigung erreicht worden, dass die gesetzlich mögliche Pachtzinshöhe von 13,6 Cent je Quadratmeter in zwei Schritten erfolgen soll“, heißt es in der Begründung des mit vier Gegenstimmen gefassten Beschlusses vom Mai 2017 weiter. Die Vollversammlung des Kreisverbandes habe dem am 10. Februar zugestimmt.

Eine Vollversammlung, richtiger Delegiertenkonferenz, habe es nicht gegeben, widersprechen Lichy und Srock. Richtig sei, dass der Vorstand auf einer Versammlung am 26. November mit den Vorsitzenden aller Vereine aus Greifswald und den Gemeinden über eine Erhöhung auf 13,6 Cent informiert habe, so Lichy nach einem Blick in seine Unterlagen. „Aber es gab keine Diskussion oder Abstimmung“, betont er. Kurz zuvor seien alle Kleingärtner, die städtisches Land bewirtschaften, informiert worden, dass diePachterhöhung vom Tisch sei. So sei die Information schnell in Vergessenheit geraten.

Die Einigung bringt der Stadt künftig etwa 116000 Euro statt 86000 Euro, ab 2023 sind es dann 146000 Euro.

Wie es weiter heißt, seien die 13,6 Cent je Quadratmeter gesetzlich zulässig.

Der Kleingartenverband soll seine Mehreinnahmen für Verwaltung und Bewirtschaftung, besonders die Verkehrssicherheit ausgegeben.

Hintergründe

22 Kleingartenvereine wirtschaften in Greifswald auf Boden der Hansestadt . Die städtischen Kleingartenanlagen umfassen insgesamt 107000 Hektar mit 2299 Parzellen.

Die bisherige Pachtsumme gilt seit 2006.

Für alle Anlagen gibt es seit 1993 einen Generalpachtvertrag mit dem Kreisverband der Gartenfreunde.

Die Pacht darf höchstens das Vierfache der ortsüblichen Pacht für erwerbsmäßigen Obst- und Gemüseanbau betragen.

Eckhard Oberdörfer

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