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Greifswald Klima-Experte: Tornados und Orkane werden häufiger auftreten
Vorpommern Greifswald Klima-Experte: Tornados und Orkane werden häufiger auftreten
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09:58 30.11.2015
Der Landschaftsökologie-Professor Hans Joosten (60) aus Greifswald nimmt als Experte an der UN-Klimakonferenz teil, die am Montag in Paris beginnt. (Archivfoto) Quelle: Peter Binder
Greifswald

Der Landschaftsökologie-Professor Hans Joosten (60) aus Greifswald nimmt als Experte an der UN-Klimakonferenz teil, die am Montag in Paris beginnt. Joosten, der bereits beim Klimagipfel 2009 in Kopenhagen dabei war, ist zuversichtlich, dass es diesmal zu einer Einigung kommen wird. Der gebürtige Niederländer forscht an der Universität Greifswald und an der Michael-Succow-Stiftung.

OZ: Herr Joosten, was bedeutet der Klimawandel für Mecklenburg-Vorpommern?

Hans Joosten: Die Sommer werden heißer und trockener, die Winter wärmer und nasser.

OZ: Das Elbe-Hochwasser 2013, Überflutungen in Rostock 2011, der Tornado in Bützow vom Sommer – sind das Folgen des Klimawandels?

Joosten: Das ist erst der Anfang. Wenn sich die Atmosphäre aufheizt, entsteht mehr Energie, die sich in Stürmen entlädt. Diese Entwicklung wird sehr schnell weiter zunehmen. Und durch Überflutungen und Stürme werden sehr große Schäden entstehen.

OZ: Gibt es auch gute Seiten der Erderwärmung im Norden?

Joosten: Für Touristen ist es nicht schlimm, wenn es abends mal gewittert, solange tagsüber die Sonne scheint. Es besteht die Möglichkeit, dass sich die Vegetationszonen in Richtung Norden verschieben. Dann wird es Landwirtschaft in Gegenden geben, in denen das bisher nicht möglich war. Davon profitieren Länder wir Russland.

OZ: Wie wichtig ist es, dass ich die Staatengemeinschaft in Paris auf ein Klimaziel einigt?

Joosten: Die Weltgemeinschaft hat entschieden, dass die Erderwärmung auf zwei Grad begrenzt wird, um unakzeptable Änderungen zu verhindern. Der Weltklimarat IPPC hält es für möglich, dass diese Marke zu halten ist. Es muss dann aber sehr bald der Höhepunkt beim Ausstoß von Treibhausgas erreicht sein – und dann muss es sehr schnell nach unten gehen.

OZ: Wie wahrscheinlich ist es, dass es zu einer Einigung kommt?

Joosten: Ich denke, dass es in Paris zu einem Vertrag kommen wird. Die Länder gehen viel ernsthafter mit dem Thema um als früher. Das gilt auch für China und Amerika, die früher gar nicht mitgemacht haben. Der Druck ist durch die neuen Klima-Berichte gewachsen, die viel alarmierender ausgefallen sind als vorher. Die Gruppe der Verweigerer ist kleiner geworden. In Vorbereitung des Gipfels haben 152 Länder eine Zielsetzung zur Emissionsreduzierung veröffentlicht. So konkret gab es das noch nie. Doch diese Zahlen reichen nicht aus, um das Zwei-Grad-Ziel zu erreichen. Es geht in Paris darum, eine für alle Länder bindende Vereinbarung zu erreichen und diese Lücke zu schließen.

OZ: Wie ist die Atmosphäre bei den Verhandlungen?

Joosten: Alle Entscheidungen müssen einstimmig fallen, das macht es sehr kompliziert.

OZ: Was muss in Deutschland geschehen, um das zu erreichen?

Joosten: Wir müssen bis 2050 eine fast vollständige Dekarbonisierung unserer Wirtschaft erreichen. Das heißt, wir müssen den Kohlendioxid-Ausstoß um 95 Prozent zurückdrängen. Deutschland hat in den letzten 20 Jahren den Kohlendioxid-Ausstoß schon tüchtig reduziert. Das liegt zum Teil an der Schließung der DDR-Industrien. Außerdem ist der EU gelungen, ihre dreckige Produktion auszulagern. Die findet heute vor allem in China statt.

OZ: Macht es überhaupt Sinn, wenn wir in Deutschland unseren Lebensstil auf den Kopf stellen, wenn in China jeden Tag neue Kohlekraftwerke ans Netz gehen?

Joosten: Darauf wird es ankommen. Seit dem Kyoto-Protokoll von 2005 hat sich die Situation gedreht. Die Mehrheit der Emissionen kommt inzwischen aus den Entwicklungsländern, das war damals anders. Deswegen muss jetzt in Paris ein neuer Vertrag gemacht werden, der für alle Länder gilt.

OZ: Welchen Anteil haben die Moore am Klimawandel?

Joosten: In Mecklenburg-Vorpommern sind die entwässerten Moore für 36 Prozent aller Treibhausgasemissionen verantwortlich, vor allem aus landwirtschaftlich genutzen Flächen. Das ist auch auf der ganzen Welt so. Wenn Moor nicht entwässert wird, bleibt das CO2 als Torf im Boden. Man denkt an Industrie und Tropenwälder, der Anteil der Moore wird oft übersehen. Ich war vor zwei Wochen noch in Indonesien. Dort brennen zwei Millionen Hektar Moorfläche, mit katastrophalen Konsequenzen. Das Land wird in diesem Jahr für mehrere zehn Prozent des weltweiten Treibhausgases verantwortlich sein. Deshalb hat die Regierung dort jetzt vor, massivst Moor wiederzuvernässen und großflächige nasse Land- und Forstwirtschaft umzusetzen. Bei beiden ist MV weltweit Vorreiter und unsere Erfahrungen sind sehr gefragt.



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