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Klinik lässt belegte Zimmer streichen

Greifswald Klinik lässt belegte Zimmer streichen

Obwohl Patienten in den Betten lagen, weißte ein Maler die Wände / Vorgang sei ein Einzelfall

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Der Maler schob seinen Wagen mit den Utensilien direkt vors Krankenbett, klebte alles ab und pinselte los.

Quelle: Foto: Privat

Greifswald. So etwas habe er noch nicht erlebt: Julian Schulte* lag gerade in einem Patientenzimmer im Greifswalder Universitätsklinikum und erholte sich von einer Operation, als die Tür aufging und Mann mit Latzhose einen Wagen hineinschob. Darauf: Farbe, Rollen, Teppich und Material zum Abkleben. Unbeirrt davon, dass das Zimmer belegt war, klebte der Maler alles ab und begann mit dem Streichen einer Wand.

Fast 1000 Betten

958

Betten stehen im Universitätsklinikum Greifswald eigenen Angaben nach zur Verfügung. Die Unimedizin umfasst 21 Kliniken/Polikliniken, 19 Institute und weitere zentrale Einrichtungen.

„Da fehlten mir zuerst die Worte“, berichtet Schulte. „Wenn Sie zu Hause krank im Bett liegen, bestellen Sie sich dann einen Maler, um das Schlafzimmer zu streichen?“ Zudem frage er sich, ob diese Aktion denn wohl mit den Hygienevorschriften in Einklang zu bringen sei. Auf viel Verständnis beim Klinikpersonal seien Schultes Bedenken nicht gestoßen: „Tja, wann sollen wir denn sonst streichen?“, habe man ihm entgegnet. Wenn niemand im Zimmer liege, habe Schulte in etwa vorgeschlagen. Das sei zwar zur Kenntnis genommen worden, doch der Maler – nach 30 Minuten war die Wand in Schultes Zimmer weiß – schob seinen Wagen trotzdem gleich in den nächsten, ebenfalls belegten Raum. Ist oder wird dies also eine gängige Vorgehensweise im Greifswalder Universitätsklinikum? „Nein, das ist eine Ausnahme“, antwortet Marie le Claire, Kaufmännischer Vorstand des Hauses. „Üblicherweise werden die Zimmer selbstverständlich in unbelegtem Zustand renoviert, damit die Patienten ungestört sind.“

Zurzeit sei die Universitätsmedizin so stark ausgelastet, „dass wir in einigen Fällen nicht auf Ausweichmöglichkeiten zurückgreifen können“, sagt le Claire. „Die Umstände für unsere Patienten bedauern wir.“ Sie sichert zu: Künftig sollten Renovierungen „ausschließlich“ dann erfolgen, wenn die Patientenzimmer leergezogen sind.

So ist es in den Krankenhäusern im Land auch üblich. Dem Landesamt für Gesundheit und Soziales (Lagus) seien zumindest bisher keinerlei vergleichbare Vorfälle gemeldet worden, wie Pressesprecherin Anja Neutzling auf Anfrage mitteilt. Allerdings: Wann Patientenzimmer idealerweise gestrichen werden sollten, lasse sich pauschal nicht beantworten. „Das ist abhängig vom Umfang von der Art der Malerarbeiten“, sagt Neutzling. Umfangreiche Renovierungsarbeiten, die auch mit einer vermehrten Freisetzung von Baustaub einhergehen, müssten aber auf jedem Fall vom Patientenbetrieb „abgeschottet“

durchgeführt werden. Im Fall von Julian Schulte wurde glücklicherweise nur gestrichen und nicht auch noch Baustaub aufgewirbelt.

Bleibt die Frage nach den Hygienevorschriften. Marie le Claire: „Diese werden dadurch nicht verletzt. Es kommt durch die handwerklichen Tätigkeiten nicht zu einer Weiterverbreitung von Krankheitserregern.“ Anja Neutzling fügt an: „Je nach Beschaffenheit der Farbe kommt es aber gegebenenfalls zu einer Belastung der Raumluft durch flüchtige Verbindungen aus der Farbe während des Abtrocknens. Ob schädliche Stoffe beim Abtrocknen freigesetzt werden, muss deshalb vor dem Streichen überprüft werden.“

* Name geändert

Kai Lachmann

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