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Greifswald Kind übernachtet im Klinik-Spielzimmer
Vorpommern Greifswald Kind übernachtet im Klinik-Spielzimmer
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11:56 29.10.2018
Eine Mutter ist entsetzt über die Handlungsweise des Klinikpersonals in Greifswald. Quelle: dpa
Greifswald

Annett Schröder kann es noch immer kaum fassen. Als sie am Sonntagmorgen ihren zehnjährigen Sohn im Greifswalder Universitätsklinikum besuchen wollte, kam er ihr aus dem Spielzimmer entgegen gelaufen. Dort hatte er die Nacht auf einer Matratze auf dem Boden verbracht. Dabei lag der Junge, der wegen des Verdachts einer Lungenentzündung stationär in der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin aufgenommen wurde, tags zuvor noch in einem normalen Stationszimmer.

„Ich war total entsetzt darüber“, sagt die Greifswalderin. Denn ihr Sohn leide an chronischem Asthma, habe häufig Bronchitis „und dazu noch mehrere Allergien, darunter eine Hausstauballergie“, sagt Annett Schröder. Eine Matratze auf dem Boden eines Spielzimmers „ist kein würdiger Schlafplatz für ein Kind mit solchen Krankheiten“, sagt sie und hat für derlei Handeln des Klinikpersonals kein Verständnis. Auch wenn das Haus voll gewesen sei, gebe es andere Möglichkeiten, ist sie überzeugt.

Lungenentzündung war nicht ausgeheilt

Am Sonntag sei ihr Sohn schließlich auf dem Flur von einem Arzt abgehört und mit der Aussage nach Hause entlassen worden, „ dass es sich nur um eine Bronchitis handelt“. Auch acht Tage später war der Zehnjährige noch nicht schulfähig, musste zu Hause das Bett hüten, so die Mutter. Sie hatte am Freitag vor dem Wochenende das Klinikum mit ihrem Kind aufgesucht, da sich die behandelnde Kinderärztin im Urlaub befand. Bereits zwei Wochen zuvor lag der Junge elf Tage lang wegen einer Lungenentzündung in der Kinderklinik.

„Offenbar war sie nicht ausgeheilt“, so die niedergelassene Kinderärztin Dr. Victoria Berthe auf OZ-Anfrage. Den Vorfall mit dem Spielzimmer wollte sie nicht kommentieren, äußerte lediglich: „Medizinisch ist er ordentlich behandelt worden. Die Kollegen haben dort viel zu tun, da bleibt das Menschliche manchmal vielleicht etwas auf der Strecke. Man hätte sich mehr Zeit nehmen müssen, es der Mutter zu erklären.“

Klinikchef verspricht bessere Kommunikation

Das sieht offenbar auch das Klinikum so, das Fehler einräumt. In der betreffenden Nacht habe es einen Neuzugang mit einer Infektionskrankheit gegeben. „Um den Jungen vor einer Ansteckung zu schützen, wurde er von der schichtleitenden Schwester mit seinem Einverständnis in das Spielzimmer umquartiert“, sagt Professor Holger Lode, Direktor der Klinik und Poliklinik für Kinder- und Jugendmedizin.

Bis zu seiner Entlassung am Folgetag habe er sich dort wohlgefühlt. „Leider haben wir es versäumt, die Mutter in der Nacht zu informieren. Sie war am Entlassungstag verständlicherweise irritiert“, so Lode. Als Folge habe es vier Tage später eine Besprechung mit den Oberärzten und der Pflegedienstleitung gegeben. „Im Fokus stand eine bessere Kommunikation mit den Angehörigen. Eine Patientengefährdung war zu keinem Zeitpunkt gegeben“, betont der Klinikchef.

Petra Hase

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