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Kranstube entstaubt und entrümpelt

Greifswald Kranstube entstaubt und entrümpelt

Domgemeinde will auch das alte Lastenrad wieder in Gang bringen, doch noch fehlen die Mittel

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Die Stifter des Doms wurden als erste Besucher in die Kranstube geladen. Bei Musik und Häppchen kamen sie miteinander ins Gespräch.

Quelle: Foto: Petra Hase

Greifswald. Die 262 Stufen zur Aussichtsplattform des Doms St. Nikolai haben schon viele Greifswalder und Gäste bewältigt. Der Blick über die Dächer Greifswalds ist diese Mühe einfach wert. Was viele Treppensteiger jedoch nicht wissen: Mit der Kranstube gibt es schon auf halber Höhe eine andere Attraktion, die jetzt zu neuer Schönheit reifte. Herzstück des etwa 180 Quadratmeter großen Raums ist ein Laufrad von 5,40 Meter Durchmesser, mit dem jahrhundertelang schwere Lasten von unten nach oben befördert wurden. Quasi eine Art funktionales Hamsterrad für die Gattung Mensch.

 

OZ-Bild

„„Noch bis 1995 haben wir das Kranrad genutzt, konnten damit jeweils sechs bis sieben Zentner bewegen.“Günter Matheisen, ehemaliger Domtechniker

„Die Kranstube war wegen der Sanierungsarbeiten und konkret wegen des Einbaus der Zuganker im Turm und im Hauptschiff lange Zeit Baustelle“, sagt Dompfarrer Matthias Gürtler. Die Arbeiten am Wahrzeichen der Stadt dauern zwar noch an, doch die Kranstube ist davon nicht mehr betroffen. Also ging die Kirchengemeinde daran, einen alten Traum wahr zu machen und den Bereich zu entrümpeln. „So wurden zum Beispiel Zwischenwände, die man zu DDR-Zeiten errichtete, wieder herausgerissen“, berichtet Gürtler. Hintergrund waren die in den 1980-er Jahren veranlassten Bauarbeiten am Dom. Hinter einer der Wände habe sich beispielsweise die Kupferkammer verborgen, hinter einer anderen die Stuckkammer. Darüber hinaus musste haufenweise Bauschutt und anderes Gerümpel nach unten geschafft werden. Leider konnte das Kranrad dafür nicht genutzt werden. Das vermutlich 500 Jahre alte Objekt ist stark reparaturbedürftig. Schon seit Jahren liebäugelt der Förderverein Dom St. Nikolai damit, das Lastenrad wieder in Gang setzen zu lassen. Ein anspruchsvolles Ziel. Denn erste Untersuchungen an der Konstruktion ergaben bereits vor über fünf Jahren, dass eine fachgerechte Restaurierung an die 20000 Euro kosten würde. Geld, das gegenwärtig fehle, so Vereinsvorsitzender Professor Matthias Schneider. Priorität genießen stattdessen die Sanierungsarbeiten am Bauwerk.

Viele der langjährigen Förderer im Verein, so Pfarrer Gürtler, beteiligten sich bereits an der Aktion „262 Stufen für den Dom“, die im Sommer 2014 ins Leben gerufen wurde. Mit einem Beitrag von je 500 Euro sollen 262 Einzelpersonen oder Gruppen helfen, eine große Stufe bei der Sanierung voranzukommen. „Wir sind jetzt bei Stufe 160 angelangt. Unterwegs sein, hat auch seinen Reiz“, sagt Gürtler und ermuntert alle Greifswalder und Gäste, sich an der Aktion zu beteiligen. Sie ist ein wesentlicher Bestandteil dafür, dass der Eigenanteil der Domgemeinde für die Sanierung zusammen kommt. Sie muss 290000 Euro aufbringen.

Doch die Kranstube sollte parallel dazu trotzdem hergerichtet werden. Und das ist gelungen, wovon sich jetzt dutzende Stifter des Fördervereins beim ersten Kranstubenfest überzeugen konnten.

Unter ihnen auch der frühere Domtechnicus Günter Matheisen.

Der heute 80-Jährige schafft noch mühelos die 128 Stufen bis zur Kranstube – oder auch den Rest bis zur Plattform. Kein Wunder, versetzte er früher doch mit Kollegen dem Kranrad tüchtig Schwung.

„Noch bis 1995 haben wir das Rad genutzt, konnten damit sechs bis sieben Zentner bewegen“, erzählt Matheisen. Zwei Menschen seien dafür vonnöten, um die schwere Holztrommel in Gang zu setzen. Doch für jedwede Fracht komme sie nicht in Frage. „Die Glocken etwa konnten wir nicht mit dem Kranrad nach oben befördern. Die waren mit zehn, zwölf Zentnern zu schwer“, weiß Matheisen. Dafür sei ein elektrischer Hubzug notwendig gewesen.

Doch mal abgesehen vom alten Lastenrad hat die Kranstube noch mehr zu bieten: „Wir wollen hier ein Lapidarium aufbauen“, kündigt Pfarrer Gürtler an und deutet auf die drei alten Vitrinen, die aus dem Naturkundemuseum Berlin stammen. In ihnen lagern bereits zahlreiche alte Steine, Gipsteile und andere Fundstücke. Das alles soll noch geordnet werden. Dann haben die Gäste, die hier künftig zu Veranstaltungen weilen, jede Menge zum Schauen und Staunen.

Petra Hase

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