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Greifswald „Krasse Leistung!“, „Wir sind Sieger!“
Vorpommern Greifswald „Krasse Leistung!“, „Wir sind Sieger!“
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00:11 15.05.2018
Minutenlang gröhlten und jubelten die Schüler gestern, als sie per Life-Übertragung vom ersten Platz für ihre Schule hörten. Quelle: Foto: Peter Binder

Mag sein, dass Schulleiter Benjamin Skladny gerade etwas Wichtiges sagt, da in der Life-Übertragung aus Berlin, aber das hört jetzt keiner mehr.

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Die Martinschule hat den Deutschen Schulpreis gewonnen. „Zu Recht“, jubeln Schüler, Lehrer und Eltern.

„Jaaaaaaaaa! Wir sind Sieger!“ Die Aula der Greifswalder Martinschule hat sich soeben in eine Jubelmenge verwandelt: Schüler, Lehrer, ein paar Eltern, alle lachen, juchzen, reißen die Hände in die Höhe. Denn soeben wurde bei Phönix life verkündet: Die evangelische Martinschule hat den Deutschen Schulpreis 2018 gewonnen.

„Jetzt gibt det Kohle!“, ruft ein Schüler über den Gang. Tatsächlich: 100 000 Euro Preisgeld der Robert Bosch Stiftung winken. Aber vor allem gilt der Preis als Erweis dafür, dass an der Martinschule das gelingt, was vielen anderen Schulen in Deutschland noch unmöglich erscheint: Kinder mit Behinderung und solche ohne gemeinsam zu unterrichten, zum Teil sogar bis zum Abitur.

„Ich kann’s noch kaum fassen“, sagt Lehrerin Anne Jeschke, Mitglied im Leitungsteam des Grundschulbereichs. Während Skladny mit elf Schülern, Lehrern und Betreuern zur Preisverleihung nach Berlin gefahren war, hat sie mit über 200 Grundschülern die Übertragung in der Aula verfolgt, in zwei weiteren Räumen guckten die älteren Schüler zu. Dass die Martinschule unter den ersten 15 ist, war bekannt. Das sie gewonnen hat, sorgt jetzt für Rummel.

„Wie klingt das: Ich war zwölf Jahre lang an der besten Schule Deutschlands“, ruft Rebecca Würfel, eine ehemalige Schülerin, heute Integrationshelferin an der Schule. „Krasse Leistung, der Preis!“, sagt die 20-Jährige. „Zu Recht!“ Wie Lehrer an der Martinschule das freie, selbständige Lernen ihrer Schüler förderten, sei etwas besonderes. „Und bis zur 9. Klasse wurde ich nicht mit Noten bewertet, sondern jemand hat mir rückgemeldet, wo meine Stärken und Fähigkeiten sind.“ Das sei toll.

Vor mehreren Monaten hatte der Wettbewerb um den Deutschen Schulpreis begonnen. 90 Schulen reichten Bewerbungen ein. Nachdem die Martinschule es unter die ersten 20 schaffte, wurde sie im März von einer Jury mit Fachleuten besucht. „Das war aufregend“, erinnert sich Anne Jeschke. Denn die Besucher hätten sich alles genau angesehen, sehr gezielte Fragen gestellt. „Da musste man schon auf den Punkt antworten.“

Sechs Qualitätsbereiche nahm die Robert Bosch Stiftung unter die Lupe: Leistung, Umgang mit Vielfalt, Unterrichtsqualität, Verantwortung, Schulklima und „Schule als lernende Institution“. Anne Jeschke sagt, die Vielfalt der Kinder als Potential zu sehen, sei eines der wichtigsten Prinzipien an der Martinschule. „Und wir achten dabei auf die Balance: Was braucht der Einzelne und wie gestalten wir die Gemeinschaft so, dass alle gerne zusammen lernen?“

Dass an der Martinschule Kinder mit Behinderung, etwa mit Autismus oder körperlichen Einschränkungen, zusammen mit durchschnittlich begabten und Hochbegabten in einer Klasse säßen – „das hat die Jury am meisten beeindruckt“, erinnert sich Anne Jeschke. Für das Kollegium selbst sei das dagegen normal, „weil wir uns ja aus einer Schule für geistig behinderte Kinder heraus entwickelt haben.“ Stolz seien sie eher darauf, dass sie die Inklusion nicht nur in der Grundschule lebten, sondern dabei seien, sie bis zum Abitur weiter zu führen – trotz der wachsenden Leistungsunterschiede. „Wie geht das so, dass alle Schüler entsprechend ihres Leistungspotentials ihren Abschluss machen können?“ Das sei dafür entscheidend.

Dass der Preis deutschlandweite Aufmerksamkeit bringt und schon gebracht hat, freut Anne Jeschke auch. Der NDR, die Süddeutsche, „Die Zeit“ und andere überregionale Medien schickten in den vergangenen Wochen Journalisten in die Schule. „Wir waren fast schon öffentlich“, erzählt Kunstlehrerin Ulrike Freiberg. Ungewöhnlich sei das gewesen, „aber nicht störend. Wir haben ja nichts zu verbergen.“

Im Gegenteil: Von dieser Schule kann man lernen – das ist auch die Aussage der Bosch Stiftung. Schulleiter Benjamin Skladny allerdings glaubt, dass das deutsche Schulsystem fast unreformierbar sei:

„Inklusion kann gelingen, sie muss aber aus den Schulen wachsen und kann nicht verordnet werden.“

Sybille Marx

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