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Greifswald Krebskranker Kirill: „Ich hatte noch nie so viel Lego“
Vorpommern Greifswald Krebskranker Kirill: „Ich hatte noch nie so viel Lego“
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06:00 20.10.2017
Der zehnjährige Kirill ist schwer krebskrank. OZ-Leser helfen ihm und seiner Mutter Tatjana mit Spenden und Lego-Spielzeug, das er sehr gern zusammenbaut. Quelle: Meerkatz, Cornelia
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Greifswald

Die kleine schmächtige Hand des zehnjährigen Kirill Boschek streicht liebevoll über die Pappkartons: So viele Legosachen hat er noch nie gesehen, geschweige denn besessen. „Ich will alles zusammenbauen“, sagt er leise. Über sein Gesichtchen mit den tiefliegenden dunklen Augen huscht ein Lächeln. Seine Mutter Tatjana Kravchenko nickt ihm aufmunternd zu. „Ich werde Dir helfen, auch wenn ich keine Ahnung habe, wie das geht“, sagt sie. Kirill kichert unter seiner Decke.

Spenden für Kirill

Spenden an: Hoffungsanker e. V.;Sparkasse Vorpommern;IBAN: DE 58 1505 0500 0102 0326 53

Kirill, der vor knapp drei Monaten aus Donezk nach Greifswald kam, leidet seit 2012 an einem Neuroblastom, einem bösartigen Tumor. Mittlerweile sind Metastasen sogar auf der Haut zu sehen. Diese schwere Krebserkrankung sollte hier der Chef der Kinder- und Jugendmedizin Prof. Holger Lode, weltweit anerkannter Spezialist auf diesem Gebiet, mit einer neuartigen Immuntherapie heilen. Die Regierung in Donezk beteiligt sich sogar an den Kosten. Dennoch konnte man dem Jungen in Greifswald nur noch wenig helfen, denn für die rettende Behandlung ist es einfach zu spät. Jetzt lebt Kirill mit seiner Mutter in einer kleinen Wohnung des Vereins Hoffnungsanker. Wie dessen Vorsitzender Waldemar Tyssen berichtet, kümmert sich der Verein seit 2012 um schwerkranke Kinder aus Osteuropa, die in Greifswald behandelt werden. 30 bis 40 waren es schon.

Hohe Hilfsbereitschaft: 14 000 Euro von mehr als 250 Spendern

Im Fall von Kirill ist diese Hilfe nun besonders wichtig, damit der Junge und seine Mutter gut in Greifswald untergebracht sind, so lange es möglich ist. „Die Familie selbst hat kein Geld, diesen Aufenthalt zu bezahlen. Und Kirill wollte statt im Krankenhaus lieber in einer Wohnung leben. Da mussten wir einfach helfen“, begründet Tyssen, der sich für einen Spendenaufruf an die OZ wandte. Seitdem hat der Mann hunderte Anrufe geführt. Am Mittwoch meldete sich sogar Rechtsanwalt Sebastian Wiendieck aus Shanghai/China. Auch er hat für Kirill gespendet und Legospielzeug gekauft. Matthias und Regina Tiller aus Berlin haben das auch getan. Tyssen bekommt angesichts der nicht abreißenden Hilfsbereitschaft feuchte Augen. Auf dem Spendenkonto sind mit Donnerstag über 14 000 Euro von mehr als 250 Spendern zusammengekommen. „Das ist irgendwie unfassbar. Dafür kann man gar nicht genug danken. Tatjana Kravchenko kann nun bei ihrem Sohn bleiben. Und wir haben sogar die Möglichkeit, die Oma des Jungen herzuholen, damit sie bei Kirill ist“, erzählt Waldemar Tyssen aufgewühlt.

Ausflug auf die Insel Usedom an einem guten Tag

Das Schicksal des krebskranken Jungen geht ihm besonders nahe. Täglich besucht er Kirill und dessen Mutter oder begleitet sie ins Klinikum. Der Verein versucht auch, so ziemlich alle Wünsche des Jungen zu erfüllen. So wie am Donnerstag: Weil es ihm gut ging, konnte Kirill auf die Insel Usedom an die Ostsee fahren. Lego ist jedoch das Beste. In der kleinen Wohnung des Vereins Hoffnungsanker stehen schon ein zusammengebauter Dinosaurier und ein Radlader. Bald kommen noch Schiffe, Autos, ein Roboter und Ninjakämpfer dazu. Der Chef der Wolgaster Sicherheitsfirma Inselwacht, Claus Dreier, und seine Frau Karola, sind auch vorbeigekommen und haben weitere Legobausätze mitgebracht. Dreier hat zudem mit seinem Unternehmen 1000 Euro gespendet.

Kirill ist unheilbar krank, ihm bleibt nicht mehr allzu viel Zeit

Diese glücklichen Momente richten Mutter Tatjana auf. Die 36-Jährige weiß, dass ihr einziges Kind unheilbar krank ist und dem Jungen nicht mehr allzu viel Zeit bleibt. Die Greifswalder Ärzte um Prof. Lode haben ihr genau erklärt, warum Kirills Chancen so gering sind. „Es ist sehr schwer für mich, dass Unabänderliche hinzunehmen. Aber diese Hilfsbereitschaft gibt mir Kraft. Wir hätten das niemals so erwartet, denn wir sind doch eigentlich fremde Menschen. Aber hier fühlen wir uns geborgen, wie in einer Familie. Dafür möchte ich allen danken“, sagt die junge Frau und wischt sich über die Augen.

Kirill soll sie nicht traurig sehen. Sie will mit ihm spielen, lachen, kuscheln. Und hofft dabei, dass doch noch ein Wunder geschieht.

Cornelia Meerkatz

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