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Kreis will Wildschweine in die Falle locken

Geifswald Kreis will Wildschweine in die Falle locken

Schwarzkittel sind eine Plage – Bestand soll deutlich verringert werden

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Wildschweine: Sie gebären Jahr um Jahr mehr Nachwuchs. Ein Problem für den Landkreis.

Quelle: Foto: Christopher Niemann

Geifswald. Vorpommern-Greifswald macht gegen die Wildschweinplage mobil. Schwarzkittel sollen in großer Zahl in Fallen gefangen und dann getötet werden. Denn trotz intensiver Bejagung steigt ihre Zahl immer weiter an.

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Schwarzkittel sind eine Plage – Bestand soll deutlich verringert werden

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„Die Vermehrungsrate verdreifacht sich Jahr für Jahr“, macht Kreisjägermeister Klaus-Dieter Schulz deutlich. „Wir haben im letzten Jagdjahr 9618 Schwarzkittel erlegt. Ähnlich viele wie im Vorjahr.

Das reicht bei weitem nicht aus, um den Bestand zu reduzieren.“

Schon weibliche Frischlinge, das sind Tiere im Alter unter 12 Monaten, bekämen dank guter Bedingungen immer häufiger Nachwuchs, ergänzt Kreissprecher Achim Froitzheim, der selbst Jäger ist. Bis zu zehn Frischlinge könne eine Bache werfen. In den riesigen Mais- und Rapsfeldern fänden die Tiere genug Nahrung und gute Verstecke. Die Zahl der Wildunfälle steige. Der Schaden für die Bauern sei immens. Bei der Wildschadensausgleichskasse Vorpommern-Greifswalds wurden im Jagdjahr 2016/17 Schäden in Höhe von 90000 Euro angemeldet, so Schatzmeister Hans-Werner Lotz. „Davon entfielen 87 Prozent aufs Schwarzwild.“ Inzwischen sind die anpassungsfähigen Schwarzkittel auch Stadtbewohner. Im Greifswalder Ortsteil Ladebow streifen sie durch die Flugplatzsiedlung, in Heringsdorf und Ahlbeck verwüsteten sie schon Grünanlagen an der Promenade. Noch ein Argument spricht für die deutliche Verringerung des Schwarzkittelbestandes: In Polen grassiert die afrikanische Schweinepest.

„Wenn sie bei uns ausbricht, hätte das fatale Folgen für die hier lebenden Wildschweine und die Hausschweinebestände“, warnt Achim Froitzheim.

Das Landratsamt will den Bestand gemeinsam mit Landwirten, Jägern und anderen Verantwortlichen signifikant verringern. „Wir haben den Wildbiologen und Jäger Hinrich Zoller von der Uni Rostock mit ins Boot geholt“, schildert Achim Froitzheim. Zoller forscht zu den Lebensgewohnheiten der Tiere. „Mit der bisherigen Bejagungspraxis können wir das Problem nicht in den Griff bekommen“, sagt der Wissenschaftler. „Die DDR hat den Schwarzwildbestand professioneller kontrolliert.“ Nun sollen in der DDR entwickelte und von Zoller optimierte Fallen für Bachen und Frischlinge zum Einsatz kommen.

„Der Einsatz von Fallen ist ein notwendiges Übel. In Wohngebieten geht es gar nicht anders, weil man da nicht schießen kann“, erklärt Zoller. Damit in dunklen Nächten die Fallen bedient werden können, soll Nachtsichttechnik eingesetzt werden. Die in den Fallen gefangenen Tiere müssten möglichst schnell weid- und tierschutzgerecht getötet werden, stellt Achim Froitzheim klar. „Wir müssen die Jäger für uns gewinnen.“ Denn der Einsatz solcher Hilfsmittel sei umstritten.

Norbert Sündermann, früherer Forstamtsleiter von Neu Pudagla (Usedom), hält es für sehr problematisch, die Tiere in der Falle zu erschießen. „Anders geht es aber nicht“, bedauert der Waidmann. Besser wäre es, sie in der Natur durch Kirrung, also Futter, anzulocken und dann zu schießen, meint er. „Außerdem sollten die Jäger Prämien für Abschüsse bekommen.“ Die müssten in der Höhe aber einen echten Anreiz darstellen. Auch für „Stadtschweine“ hat Sündermann einen Vorschlag. „Man kann die Schwarzkittel mit dem Blasrohr lähmen“, sagt er. Die Tiere würden dann in ihrer Angst derart schreien, dass ihre Artgenossen vertrieben würden. „In Heringsdorf hat das in der Vergangenheit geklappt“, erzählt er. Das gelähmte Tier könne mit einer Kurzwaffe geschossen oder in die Natur gebracht werden. „Das hilft nur kurzzeitig, die Wildschweine kommen nach einiger Zeit zurück“, widerspricht Peter Neumann, Förster des Forstamtes Rothemühl im Süden des Kreises. Auch das Kirren hält er für ein zweischneidiges Schwert, weil das ohnehin schon reiche Nahrungsangebot der Tiere noch einmal vergrößert werde. Die Landesforst setze bereits Fallen mit Erfolg ein, informiert er.

Netzwerk soll her

Der Kreis hat für morgen, 16 Uhr, nach Anklam zu einem Schwarzwildsymposium eingeladen, um die Weichen für die Zukunft zu stellen. In der Gaststätte „Ut Pott und Pann“ soll dann auch ein Netzwerk aller Beteiligten, wie Grundeigentümer, Bauern und Jäger, geknüpft werden. Vorbereitet wird es durch eine Arbeitsgruppe unter Leitung von Vizelandrat Jörg Hasselmann (CDU).

Eckhard Oberdörfer

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