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Greifswald Rechtsextreme Symbole oder Dartclub? Debatte um Kreistag-Caterer
Vorpommern Greifswald Rechtsextreme Symbole oder Dartclub? Debatte um Kreistag-Caterer
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11:51 13.12.2018
Ein Blick in den Kreistag von Vorpommern-Greifswald. Quelle: Ewert Hannes
Vorpommern-Greifswald

Die Bockwurst mit Kartoffelsalat mundete einigen Abgeordneten richtig gut, anderen blieb das Essen fast im Halse stecken. Und manche kauften aus Protest gar nichts: Mitarbeiter eines Cateringunternehmens, das die Pausenversorgung des Kreistags von Vorpommern-Greifswald am Montag in Pasewalk sicherstellte, trugen auf ihrer Kleidung deutlich sichtbar Symbole, die dem Rechtsextremismus zuzuordnen sind.

Doppelte Acht

Zum einen handelte es sich um einen stilisierten Adler, der stark an den Reichsadler erinnert, und eine darunter befindlichem Kreis, der aussieht wie eine schwarze Sonne. Zum anderen um eine doppelte Acht. Die Acht steht für den achten Buchstaben des Alphabets. In doppelter Verwendung dient sie Rechtsextremen als Abkürzung für den Gruß „Heil Hitler“. Der Adler mit dem Hakenkreuz im Eichenlaubkranz indes war in der Zeit des Nationalsozialismus das Parteiabzeichen der NSDAP.

Noch vor Beginn der Sitzung stellten Rechtsamtsleiter Christoph Krohn und Kreissprecher Achim Froitzheim die beiden Mitarbeiter des Cateringunternehmens wegen der Kleidung zur Rede. Dies sei im Auftrage des Kreistagspräsidenten Arno Karp geschehen, der während der Sitzung das Hausrecht ausübe, so Froitzheim. „Sie wurden dringend ersucht, sofort die Kleidung zu wechseln, was auch umgehend geschah“, sagt er. Praktisch sah das so aus, dass eine Jacke übers T-Shirt mit den beschriebenen Symbolen angezogen wurde.

Froitzheim weiter: „Im Gespräch konnten beide Mitarbeiter glaubwürdig darlegen, dass ihnen die Symbolik ihrer Bekleidung nicht bewusst war.“ Laut OZ-Information behaupteten die Männer, dass es sich bei den Symbolen um Zeichen eines Dartvereins handele, die „88“ stehe für das Gründungsjahr des Vereins, die schwarze Sonne sei eine Dartscheibe.

„Das Unternehmen sollte sich positionieren“

Darüber kann Yvonne Görs, die für die Linken im Kreistag sitzt, nur ungläubig den Kopf schütteln. Für sie ist dieses Auftreten der Männer „ein Skandal. Sie haben sich mit ihrer Kleidung als Nazis geoutet. Und das vor dem Kreistag. Ich bin erschüttert“, erklärt sie. Auch wenn unter dem Adler eine schwarze Sonne und kein Hakenkreuz gewesen sei, „ist die Kleidung mit solchen Symbolen eindeutig und muss Konsequenzen haben.“ Ihrer Ansicht nach müsse der Kreis von der Cateringfirma eine Stellungnahme einfordern. „Entweder das Unternehmen positioniert sich darin klar gegen Rechtsextremismus oder es sollte die Mitarbeiter entlassen.“

In der Verwaltung sah man das gestern allerdings nicht so dramatisch. Die Cateringfirma habe bereits früher Kreistagssitzungen im Altkreis Uecker-Randow versorgt. Sie werde über das Kreistagsbüro beauftragt. In der Vergangenheit habe es „nie Anlass zu Beanstandungen irgendwelcher Art“ gegeben. Laut Kreissprecher Achim Froitzheim würde man in Zukunft darauf bestehen, „dass neutrale Bekleidung zu tragen ist“.

Dummheit oder Provokation?

Das geht Waldemar Okon, Fraktionsvorsitzender von Bündnis 90/Die Grünen, nicht weit genug: „Wir lehnen es künftig ab, von einem solchen Unternehmen versorgt zu werden, und fordern einen neuen Caterer“, sagt er. Auch wenn die Zeichen halb legal seien, wisse jeder, wofür sie stehen, ist auch er überzeugt. „Ich frage mich, ist es Dummheit oder Provokation dieser Leute gewesen, mit solchen Symbolen vor einem demokratisch gewählten Gremium zu agieren“, sagt Okon, der sich am Montagabend bewusst gegen einen Imbiss dieses Versorgers entschied. Er werde den Vorfall auf alle Fälle noch einmal auf der nächsten Präsidiumssitzung des Kreistages zur Sprache bringen.

Auch die SPD sehe Gesprächsbedarf und werde den Vorfall zunächst in der kommenden Woche auf der Fraktionssitzung thematisieren, so deren Vorsitzender Norbert Raulin. Er habe die Sache am Montag zunächst nur am Rande mitbekommen. Das Überziehen einer Jacke mache für ihn den Vorfall nicht ungeschehen. „Es geht auf gar keinen Fall, dass Leute aus dem rechtsextremen Milieu für eine Cateringfirma auf einer Sitzung des Kreistages tätig ist“, stellt er klar. Und sein Parteikollege Erik von Malottki fügt hinzu: „Vom Kreistag beauftragte Firmen sollten auf jeden Fall auf dem Boden der freiheitlich-demokratischen Grundordnung stehen. Gehören die Mitarbeiter tatsächlich der rechtsextremen Szene an, sollten wir uns vom Unternehmen trennen“, fordert er.

Kreistagspräsident Arno Karp (CDU) räumt gegenüber der OZ ein, beim Kauf eines Kaffees vor der Sitzung die geschichtsträchtigen Symbole nicht erkannt zu haben. Er sei erst darauf aufmerksam gemacht worden. Karp spricht sich dafür aus, erst einmal mit dem Unternehmen zu reden, bevor irgendwelche Konsequenzen folgen.

Petra Hase

Mitarbeiter eines Catering-Unternehmens, das den Kreistag am Montagabend in Pasewalk (Vorpommern-Greifswald) mit Getränken und Essen versorgte, trugen Kleidung, deren Symbole dem Rechtsextremismus zuzuordnen sind.

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