Menü
Ostsee Zeitung | Ihre Zeitung aus Mecklenburg-Vorpommern
Anmelden
Greifswald Krippe: Stadt gibt Entlastung des Landes nur teilweise weiter
Vorpommern Greifswald Krippe: Stadt gibt Entlastung des Landes nur teilweise weiter
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:05 13.12.2017
Greifswald

Ganztagskrippenplätze werden ab Januar 2018 weiter maximal 200 Euro kosten. Die vom Land geplante Elternentlastung in Höhe von 50 Euro monatlich wird nicht in allen Fällen an die Familien weitergegeben. Das bestätigt Oberbürgermeister Stefan Fassbinder (Grüne) während der Bürgerschaftssitzung am Montagabend. Zuvor hatte es unterschiedliche Aussagen gegeben, wie die Elternbeiträge ab Januar berechnet werden.

Den Krippenkindern schmeckt die Suppe: In der Kita „Lütt Matten“ ist die Warteliste lang. Quelle: Foto: Cornelia Meerkatz

Verzögerungen bei der Elternentlastung

Elternbeitrag Krippe ganztags in Euro

1.8.2017

1.1.2018

Weidenbaum

179,04

129,04

Unternehmungsgeister

255,52

105,52

Montessori

200,00

156,45

Uni-Kita

179,52

121,51

Rosengarten

200,00

150,34

St. Jospeh

200,00

154,04

Waldorfkita

185,60

135,60

Alexander Puschkin

200,00

164,05

Christuskirche

200,00

151,25

Sieben Raben

163,26

113,26

Hundertwelten

162,18

112,18

Quelle: Daten des Landkreises Vorpommern-Greifswald/eigene Berechnung

Konkret heißt das: 200 Euro müssen weiterhin Eltern zahlen, die ihr Krippenkind ganztags in einer der elf Einrichtungen des städtischen Eigenbetriebes Hansekinder betreuen lassen, im Kinderladen, in der Studentenwerkskita Campuskinder oder in den kirchlichen Kitas St. Nikolai, St. Marien und Arche Noah. Diese 16 Kindertageseinrichtungen bezuschusst die Stadt bereits mit mehr als 50 Euro monatlich pro Krippenplatz ganztags. Die Eltern von Krippenkindern in den restlichen elf Einrichtungen profitieren ganz oder teilweise (siehe Tabelle).

Doch was steckt hinter dieser Regelung?: Die Stadt bezuschusst die Elternbeiträge für besonders teure Krippenplätze bereits. 185000 Euro sind in diesem Jahr ausgezahlt worden. Diese Maßnahme hat die Bürgerschaft im Oktober 2016 auf Initiative der SPD beschlossen, weil die Greifswalder Elternbeiträge im MV-Vergleich besonders hoch sind. Damit wollten die Bürgerschaftsmitglieder der vom Land geplanten Entlastung vorgreifen. Klar sei bereits damals gewesen, so SPD-Bürgerschaftsmitglied Erik von Malottki, dass die städtischen Mittel zurückgefahren werden, sobald die Landesgelder kommen.

Von Malottki hatte die Initiative zur Entlastung der Eltern erdacht. Festgelegt wurde damals bereits, was mit dem Geld gemacht werden soll, das nicht für die Entlastung der Eltern gebraucht wird. Es soll in sogenannte Kita-Budgets investiert werden. „Damit können die Einrichtungen Spielzeug, Spielgeräte kaufen oder Projekte organisieren“, sagt von Malottki. „Das sind Investitionen in die Qualität unserer Einrichtungen.“

Genau das sei auch Intention des Gesetzes gewesen, aus dem die Mittel stammen. Quelle ist das gescheiterte Betreuungsgeld. Nachdem das Bundesgesetz vom Bundesverfassungsgericht gekippt worden war, hatte der Bund die Mittel an Land, Kreis und Kommunen weitergegeben. Es steht 2018 letztmalig zur Verfügung. Ab 2019 fällt die städtische Förderung also weg. Dann steigen die Beiträge für über 300 Krippenkinder in 21 Einrichtungen zwangsläufig.

Die Eltern von Kindergartenkindern (außer Vorschuljahr) profitieren durchgängig von der 50-Euro-Entlastung des Landes. Allerdings wird der Zuschuss vom Land teilweise durch steigende Platzkosten wieder aufgefressen. In der Studentenwerkskita Campuskinder steigen die Kosten im Bereich Kita ganztags nach der Erhöhung vom August 2017 zum 1. Januar 2018 erneut um 9,49 Euro.

Auch die Elternbeiträge in den elf städtischen Einrichtungen steigen im neuen Jahr, allerdings deutlich moderater. Die Bürgerschaft hat die Preissteigerungen während ihrer Sitzung am Montagabend einstimmig durchgewunken. Im Bereich Kindergarten steigen die Kosten um bis zu 2,7 Prozent. Die Eltern der Kita-Kinder in der Einrichtung Weg ins Leben zahlen fünf Euro mehr. In allen anderen Kitas fällt die Erhöhung geringer aus. „Wegen der Tarifsteigerungen bei den Erziehern müssen jährlich etwa zwei Prozent Steigerung angesetzt werden“, prognostiziert Achim Lerm, Geschäftsführer des Kita-Eigenbetriebes. Die höheren Elternbeiträge im Krippenbereich um bis zu 9,33 Euro (Makarenko-Kita mit verlängerten Öffnungszeiten) bemerken die Eltern nicht, weil sie durch den städtischen Zuschuss kompensiert werden.

Die 50-Euro-Entlastung des Landes, die heute vom Landtag beschlossen werden soll, kann nicht pünktlich zum 1. Januar 2018 starten. Damit widerspricht Achim Lerm, zuständig für die Greifswalder Kitas, dem Sozialministerium. Pressesprecher Alexander Kujat hatte angekündigt, die Umsetzung werde pünktlich zum neuen Jahr starten. „Wir haben bislang keinerlei Informationen darüber, wie das neue Gesetz umgesetzt werden soll“, sagt Lerm. „Wir müssen die neuen Gebühren also rückwirkend berechnen, was einen großen Verwaltungsarbeit bedeutet.“ Heißt: Eltern, die Anspruch auf einen geringeren Elternbeitrag haben, bekommen das Geld nachträglich gutgeschrieben. In der Regel werden die Mittel über den Kreis an die Träger der Kitas ausgereicht. Vom Verrechnungsverfahren merken die Eltern nichts.

Katharina Degrassi

Mehr zum Thema

Doppelhaushalt sieht hohe Ausgaben für Schulen, Kindergarten, Tierpark, Radwege und Straßen vor.

08.12.2017

Analyse des Bauamtes prophezeit moderate Kosten und eine gute Auslastung

11.12.2017

Es gibt Zweifel, ob die 50 Euro vom Land tatsächlich allen Greifswalder Familien zugute kommt. Im Bereich Krippe ist unklar, um die Beiträge ab Januar 2018 maximal 200 Euro oder maximal 150 Euro betragen.

12.12.2017

Erinnern Sie sich an den Film, in dem jeden Tag der gleiche Tag von vorne beginnt?

13.12.2017

Am Kranze die Lichter, sie leuchten so fein... sangen die Kinder des Dersekower Hortes gestern Nachmittag im Greifswalder Obdachlosenhaus.

13.12.2017
Politik Stralsund/Greifswald - Linke Bündnisse auf der Kippe

SPD-Kandidaten für Landratswahlen in beiden Vorpommern-Kreisen umstritten

13.12.2017
Anzeige