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Kritik und Aufbruch: Kreis-CDU will anderen Kurs

Anklam Kritik und Aufbruch: Kreis-CDU will anderen Kurs

In Anklam treibt Sascha Ott die Bildung eines konservativen Kreises voran

Anklam. Nach dem Verlust von drei Landtagsmandaten bei der Wahl Anfang September drängt die CDU-Basis im Landkreis auf eine Kurskorrektur ihrer Partei.

In Anklam bekannten sich am Wochenende etwa 60 Christdemokraten zur Bildung eines konservativen Kreises. Am 13. Dezember wolle man diesen in Anklam gründen, kündigte der Kopf der Initiative, der Greifswalder Jurist Sascha Ott, an.

„Die CDU“, erklärte Ott, „hat sich in den vergangenen Jahren nicht zum Besseren entwickelt.“ Sie habe ihren rechten Flügel verloren, sei farblos und beliebig geworden. Wenn alles zur Mitte strebe, fehle es an Profil. Am rechten Flügel sei es öd und leer. Die Menschen dort seien entwurzelt. Sie seien die Heimatvertriebenen der CDU. „Damit muss Schluss sein. Wir müssen uns neu aufstellen!“, forderte Ott.

Der konservative Kreis solle dem Gedankenaustausch Gleichgesinnter dienen. Er solle ein Sprachrohr all jener Parteimitglieder sein, die konservative Werte hochhielten und verteidigten. Konservative Werte dürften nicht länger verdammt werden, sie müssten raus aus der Schmuddelecke . „Es muss wieder möglich sein, Dinge bei ihrem Namen zu nennen“, so Ott. „Natürlich sind Fleiß, Ordnung und Disziplin erstrebenswerte Erziehungsziele. Natürlich schulden Kinder ihren Eltern und Lehrern Respekt. Natürlich sind Vater, Mutter, Kind das gesellschaftliche Leitbild einer intakten Familie.“ Die CDU, so Ott, brauche eine offene Diskussion über Asyl und Zuwanderung, über Sicherheit, Bildung und Erziehung, über Ehe und Familie. „Aber auch über Heimat und Umwelt.“ Der Kreis solle diesen Meinungsbildungsprozess demokratisch begleiten.

Befürchtungen, der Kreis könnte die Partei spalten, erteilte Ott in Anklam eine deutliche Absage. „Mit mir wird es nicht um neue Strukturen in der CDU gehen.“ Der konservative Kreis solle vielmehr integraler Bestandteil der Partei werden. Damit nicht genug, beteuerte Ott, konservatives Gedankengut keineswegs als das einzig richtige verordnen zu wollen. Pluralität sei ihm wichtig.

Der Lubminer Kai Krohn (55), Fraktionsvorsitzender der CDU im Kreistag, sieht Otts Vorstoß skeptisch: „Ich bin nicht überzeugt, dass man diesen Schritt gehen muss. Jeder in der CDU steht zu konservativen Werten. Ich wünschte, wir stünden alle hinter der Bundeskanzlerin, anstatt uns auseinanderzudividieren.“

Jette Grabow (36), Vorsitzende des CDU-Gemeindeverbands Anklamer Land, verspürt Aufbruchstimmung an der Parteibasis. Der konservative Kreis sei auch eine Chance für die CDU. „Konservativ ist nicht altbacken. Die konservativen Werte von heute sind nicht vergleichbar mit jenen von vor 40, 50 Jahren.“

Der Greifswalder Student Sebastian Schelsky (28) meint: „Konservativ ist nicht unbedingt eine politische Richtung. Sondern vielmehr die Praxis, an Bewährtem festzuhalten.“ Mit der Idee eines konservativen Kreises werde die Debattenkultur der Partei neu belebt. Das sei prinzipiell sehr gut.

Der CDU-Kreisvorsitzende Egbert Liskow (59) ist sich sicher, „dass es uns gut zu Gesicht steht, wenn wir das Thema ,konservative Werte’ in den Mittelpunkt stellen“.

„Wir sollten unterschiedliche Positionen tiefgründiger diskutieren“, findet Dietger Wille (45). „Ich wünschte, es gäbe nicht nur den konservativen Kreis.“

Für den Rostocker Politikwissenschaftler Martin Koschkar ist die Gründung eines neuen Flügels etwas „Grundnormales“ in einer Volkspartei. „Konservative Stimmen und Inhalte hat es bereits vorher gegeben“, sagt er. Mit der Gründung eines konservativen Kreises würden die Stimmen in der öffentlichen Debatte wieder hörbar. Dies sei vorteilhaft für die CDU. Ob es gelinge, mit der Schärfung des konservativen Profils Wähler zurückzugewinnen, bleibe abzuwarten.

Von der CDU-Parteispitze erntete die vorpommersche Initiative bereits Wohlwollen. „Auch konservative Positionen müssen in der CDU ein Zuhause haben“, sagt der Generalsekretär der Landes-CDU. Vincent Kokert. Ein Gespräch mit Bundeskanzlerin Angela Merkel unlängst auf dem Landesparteitag in Wittenburg habe er als unterstützend empfunden, bekundete Sascha Ott. Merkel habe ihm verdeutlicht, dass es wichtig sei, konservative Menschen mitzunehmen.

Sven Jeske und Martina Rathke

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Sascha Ott (links), hier auf dem CDU-Kreisparteitag in Anklam, beteuert: „Der konservative Kreis wird keine Parallelstruktur in der CDU sein.“

Der Greifswalder Jurist Sascha Ott hat sein Bestreben verteidigt, einen sogenannten konservativen Kreis innerhalb der CDU ins Leben zu rufen. In Anklam wolle man die Runde am 13. Dezember offiziell aus der Taufe haben.

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