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100 Jahre Pommerscher Künstlerbund

Greifswald 100 Jahre Pommerscher Künstlerbund

Morgen beginnt mit der Eröffnung einer Ausstellung in Griebenow ein Jahr der Feiern

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Der Vorsitzende des Pommerschen Künstlerbundes, Herbert Raddatz, in seinem Atelier.

Quelle: Peter Binder

Greifswald. „Rügen — die schönste Insel Deutschlands“ heißt die Ausstellung, die morgen um 15 Uhr mit einer Vernissage im Schloss Griebenow eröffnet wird.

Die letzte Ausstellung des Künstlerbundes fand 1944 im Weltkrieg statt.“Bernfried Lichtnau, Professor für Kunstgeschichte

Insgesamt 23 Künstler zeigen dort Werke der Malerei, Grafik und Fotografie sowie Skulpturen. Die bis zum 18. April laufende Schau ist die erste im großen Jubiläumsjahr des Pommerschen Künstlerbundes. „Gegründet wurde er 1916 in Stettin“, erzählt Herbert Raddatz, der auch in Griebenow ausstellen wird. Der Greifswalder ist seit 2011 Vorsitzender einer der ältesten noch bestehenden Künstlervereinigungen Deutschlands. „Unseren 100. Geburtstag feiern wir am 6. September im Pommerschen Landesmuseum“, sagt Raddatz. Es solle ein Ereignis mit überregionaler Ausstrahlung sein.

Mit Vorträgen, Diskussionsrunde und Musik. Aber auch eine Reihe weiterer Leistungsschauen, eine Ausstellung mit Werken früherer Mitglieder des Pommerschen Künstlerbundes und die Produktion eines Films nennt Raddatz für das Jubiläumsjahr.

Erster Vorsitzender im Jahre 1916 war ein populärer, erfolgreicher Künstler seiner Zeit: Karl Ludwig Manzel (1858 bis 1936). Er wurde in Kagendorf bei Anklam als Sohn eines Landarbeiters geboren und erwarb in Anklam das Abitur. Geld hatte Manzel nicht, aber er studierte trotzdem in Berlin und setzte sich am Kunstmarkt durch. Er schuf beispielsweise Figuren für den Berliner Dom, die Berliner Siegesallee und den Reichstag, war zeitweise Präsident der Preußischen Akademie der Künste. 1898 vollendete er für Stettin den bei der Bevölkerung sehr beliebten Sedina-Brunnen, den man später Manzelbrunnen nannte. Manzel amtierte ein Jahrzehnt. 1926 wurde er Ehrenvorsitzender.

Die Chronik nennt weitere zumindest damals bekannte Künstler wie die Maler Eugen Dekkert, Eugen Kuske, Franz Theodor Schütt und Günter Machemehl. „Sie fühlten sich Caspar David Friedrich verbunden, den sie als Entdecker der pommerschen Landschaft sahen“, schätzt Helmut Raddatz ein. „Sie wollten das Malerische und Typische dieser Gegend erfassen und realistisch wiedergeben.“ Auch der in Tribsees geborene „Mondscheinmaler“ Louis Douzette und die aus Stralsund stammende Hiddenseemalerin Elisabeth Büchsel gehörten dem Pommerschen Künstlerbund an. Die Mitgliederzahl stieg in den Anfangsjahren rasch an, es gab viele Ausstellungen. Gemeinsame Malaktionen habe es indes in dieser Zeit nicht gegeben, sagt der Kunsthistoriker Prof. Bernfried Lichtnau. „Der Pommersche Künstlerbund war eine Ausstellungs- und Verkaufsgemeinschaft.“

1933/34 verlor die Vereinigung zwölf Mitglieder „aus politischen Gründen“, wie es in der Chronik heißt. Das waren missliebige Personen, die der sogenannten Gleichschaltung zum Opfer fielen, erläutert Lichtnau. Der Vorsitzende Franz Schütt habe dem NS-Regime nahegestanden. „Bis 1941 wurden NS-Politiker und Militärs dargestellt“, so Lichtnau. „Das verliert sich mit den Misserfolgen im Krieg.“ 1944 hatte der Künstlerbund bei seiner letzten Ausstellung über 100 Mitglieder. Erstaunlich, das war etwa das Doppelte vergangener Zeiten.

An einen Neubeginn in der DDR für den Pommerschen Künstlerbund war nach 1945 nicht zu denken. 1959 erfolgte eine Wiedergründung durch Künstler aus Hinterpommern in der Bundesrepublik, in Düsseldorf.

Nach 1990 konnte sich der Künstlerbund wieder nach Osten ausdehnen. Mit der Wahl des Greifswalders Helmut Maletzke zum Vorsitzenden 1996 sei dann der Schwerpunkt nach Vorpommern verlagert worden, heißt es in der Geschichte.

Pommersche Nachbarn

Mit der Ars Pomerania besteht seit 2002 ein Dachverband für den Pommerschen Künstlerbund und den Künstlerbund Stettin (Zwiazek Polskich Artystow Plastykow Szczecin). Künstler aus unserem Nachbarland sind immer wieder auf Ausstellungen in Vorpommern zu erleben.

Das Greifswalder P ommernhus

ist deutscher Verwaltungssitz der Ars Pomerania, dort werden regelmäßig Werke von Künstlern unseres Nachbarlandes gezeigt.



Eckhard Oberdörfer

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