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Achtjährige Skandy spricht vier Sprachen

Greifswald Achtjährige Skandy spricht vier Sprachen

Außerdem hat das Mädchen ein Faible fürs Geschichtenschreiben — Ein „Wunderkind“ ist sie aber nicht

Greifswald. Sie ist ein aufgewecktes Kind, lebenslustig und voller Fantasie. Außerdem hat die kleine Skandy mit ihren acht Jahren bereits einiges auf dem Kasten: Zum Beispiel spricht sie vier Sprachen. Deutsch zwar noch nicht ganz fehlerfrei, doch sie lernt schnell und ist fleißig. „Sie konnte sogar schon fünf Sprachen. Neben Deutsch und Englisch auch die indischen Sprachen Hindi, Tamil und Telugu“, erzählt ihre Mutter Nithya kalyani Srirangan. Aber nachdem die Familie vor vier Jahren nach Deutschland kam, wurden die Möglichkeiten, mit jemandem Telugu zu sprechen, sehr wenig. „Sie hat vieles davon verlernt“, so die Mutter. Zu Hause unterhält sich die Familie auf Tamil oder Englisch.

 

OZ-Bild

Sonnige Gemüter: Skandy und ihre Mutter Nithya kalyani Srirangan.

Quelle: Peter Binder

Skandys Mutter und ihr Vater schreiben in Greifswald gerade an ihren Doktorarbeiten: Er in Immunologie, sie in pharmazeutischer Biologie. Wahrscheinlich sind sie bis zum Ende des Jahres damit fertig.

Dann wollen sie wieder umziehen, vielleicht nach Dortmund oder München, vielleicht auch nach England oder Kanada. „Dorthin, wo große Pharmafirmen sitzen“, sagt Nithya kalyani Srirangan, die ursprünglich aus Trichy im Süden Indiens stammt. „Wenn wir einen guten Job bekommen, dann gehen wir dahin.“

Dabei würden sie auch gerne in Deutschland bleiben, auch wenn das Leben hier in vielen Punkten anders ist als in Indien. „Wenn man dort jemanden besuchen möchte, geht man einfach hin oder man trifft sich auf der Straße“, sagt die Mutter. „Hier ist es üblich, dass man vorher einen Termin ausmacht.“

Viele Sprachen können

ist nicht ungewöhnlich

Wenn bei der indischen Familie hier in Greifswald mal jemand anruft, der kein Englisch kann, aber mit der Mutter sprechen möchte, dann übersetzt die kleine Skandy einfach. Auch in der Schule, sie geht in die dritte Klasse der Weinertschule, hilft sie ihren Mitschülern beim Englischlernen. Schwer fällt ihr das nicht. „Nein“, sagt Skandy, „mir macht das sehr viel Spaß.“

Ist sie mit den für ihr Alter großen Sprachkenntnissen ein „Wunderkind“? Die Mutter winkt ab: „In Indien ist es nicht ungewöhnlich, dass die Menschen viele Sprachen sprechen.“ Immerhin unterhalten sich die 1,25 Milliarden Einwohner des Landes auf weit mehr als 100 Sprachen und über 500 Dialekten.

Neben den Sprachen hat Skandy ein weiteres Talent: Sie denkt sich märchenhafte und fantasievolle Geschichten auf Deutsch aus, die nicht nur Unterhaltung sind, sondern auch eine Moral in sich tragen (siehe Info-Kasten). Diese handeln von Feen oder Schneeprinzessinnen, spielen auf Schlössern, in Königreichen oder in einer ausgedachten Welt. „Manchmal übersetze ich auch Geschichten aus Tamil ins Deutsche“, sagt Skandy. „Die sind manchmal auch schon sehr alt.“ Eine Geschichte, die sich um einen Mann namens Raman aus Tenali dreht und deshalb Tenaliraman heißt, soll aus dem 16. Jahrhundert stammen.

In den Ferien lernt

Skandy auf Indisch

Damit sie ihre Muttersprache nicht verlernt, haben ihre Eltern indische Schulbücher mit hergenommen. In den Osterferien nimmt sie sich dafür die Zeit. Weil das viel Spaß macht, löst sie schon die Aufgaben für die vierte Klasse. Ansonsten schreibt sie weiter Geschichten, eine nach der anderen.

„Feenzauber“ und die Moral von den Geschichten

Skandy hat bei ihrem Besuch in der Greifswalder OZ-Redaktion mehrere Geschichten mitgebracht. Eine davon heißt „Feenzauber“ und sie geht so:

„Es waren einmal ein Feenkönig und eine Feenkönigin. Sie hatten ein Baby bekommen, aber das Baby war keine Fee, sondern ein Mensch. Darum schickten sie ihr Kind zu ihrer Oma und ihrem Opa, die auch Menschen waren. Doch es gab ein Problem: Die Großeltern waren sehr arm. Sie gaben dem Kind den Namen Lara. Das Mädchen ging zur Schule, doch mit den Kindern dort kam sie nicht sehr gut zurecht. Eines Tages war Fasching. Lara verkleidete sich als Fee. Nachdem das Fest vorüber war, hieß es, das Kostüm wieder auszuziehen. Doch Lara wollte das nicht und schlief darin ein. Am nächsten Tag konnte sie die Verkleidung gar nicht mehr ausziehen, weil es an ihr festgewachsen war. Dann bewegte sie ihre Hände und sagte: „Ich bin eine Fee!“ Und schon war Lara eine echte Fee.

Sie ging zu ihren Eltern in den Palast. Ihr Vater, der Feenkönig, sagte: „Du bist jetzt eine Feenprinzessin.“ Lara erzählte, wie es dazu kam und sagte, es sei ihr Wunsch, zu Oma und Opa zurückzukehren. In diesem Moment verwandelten ihre Eltern und sie sich in Menschen. So gingen sie zu den Großeltern. Und alle wurden zusammen glücklich und fröhlich.“

Zusätzlich verdeutlicht das Mädchen gerne nach dem Ende der Geschichte noch die Moral. Einem Märchen über zwei Mädchen in einem Land namens Snowland, die einem alten Mann helfen, folgte beispielsweise die Erklärung für die Leser: „Und, was habt ihr gelernt? Ihr müsst andere respektieren, zumBeispiel Erwachsene. Denn davon habt ihr selbst auch etwas. Ihr bekommt Mut für den Tag.“

Von Kai Lachmann

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