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Altstadtinitiative: Greifswald hatte schon genug Verluste

Greifswald Altstadtinitiative: Greifswald hatte schon genug Verluste

Die Stadt soll die bauliche Entwicklung besser lenken, fordern die Denkmalfreunde. Große Sorgen bereitet ihr die Trennung der Universität von unsanierten Gebäuden.

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Die Steinbeckerstraße 35 verfällt. Das Wohnhaus des verdienstvollen Bürgermeisters Gesterding hat eine wertvolle Innenausstattung.

Greifswald. Nach und nach verschwinden die kleinen Häuser der Vorstädte zugunsten mehrstöckiger Wohnbauten. Für die Greifswalder Altstadtinitiative ist das eine verhängnisvolle Entwicklung. Letztes viel diskutiertes Beispiel: die „Brinke“, die Brinkstraße 16/17. Das Gebäude- und Hofensemble sei ein lebendes Museum der Fleischervorstadt gewesen, schätzt Initiativenmitglied Dr. Sabrina Rilke ein. „In Greifswald wurde vor 1990 soviel abgerissen, dass wir uns keine weiteren Verluste mehr erlauben können“, kommentiert die Architektin Ines Yitnagashaw. „Die Ein- und Zweigeschosser sind vorstadttypisch.“

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Die Steinbeckerstraße 35 verfällt. Das Wohnhaus des verdienstvollen Bürgermeisters Gesterding hat eine wertvolle Innenausstattung.

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Gerade das nebeneinander unterschiedlicher Bauten sei interessant und präge das gewachsene Bild, betont sie. Gefährdete Häuser ständen beispielsweise an der Wolgaster Straße nahe dem Platz der Freiheit oder in der Anklamer Straße neben dem Theater. „Es gibt Versäumnisse bei der Lenkung der Entwicklung durch die Stadt“, schätzt Yitnagashaw ein. Statt nur zu reagieren sei vorausschauendes Denken gefragt. Sonst entstünden „noch mehr gesichtslose Neubauten“. Rahmenplanungen und Gestaltungssatzungen genügten offensichtlich nicht. Auch die Denkmalliste sei keine Allzweckwaffe, ergänzt Kunsthistoriker Dr. Felix Schönrock. Viele Gebäude, die keinen Denkmalstatus hätten, seien für das Stadtbild wichtig. Das hätten unter anderem das Schicksal der „Brinke“ und der Abriss des Eckgebäudes der Kollwitzschule an der Knopfstraße gezeigt.

„Ein Gestaltungsbeirat wie in Stralsund ist eine Möglichkeit“, nennt Ines Yitnagashaw eine Idee zur Verbesserung der Situation. Hier könnten Experten beratend mitwirken. Die Altstadtinitiative sei nicht gegen gute moderne Architektur, betont Yitnagashaw. „Zukunftsweisende Entwürfe im Geltungsbereich von Gestaltungssatzungen müssen zugelassen werden“, sagt sie. „Sonst entstehen noch mehr solche Klötze wie in der Loefflerstraße Ecke Hunnenstraße. Die Initiative hofft auf Unterstützung durch die Politik. „Wir sind an einem Dialog mit allen Gruppen der Bürgerschaft interessiert und freuen uns über Einladungen“, so Yitnagashaw.

Die zweite große Gruppe der Sorgenkinder gehört der Uni. Die „stiefmütterlich behandelten historischen Gewächshäuser“ seien nur ein Beispiel. Kritisch sieht die Initiative die unsanierten Gebäude, die die Hochschule aufgegeben hat wie das frühere Botanische Institut Grimmer Straße 88 und die, die sie aufgeben will: unter anderem Domstraße 20 und 20a (Jura) sowie Bachstaße 11/12 (Zoologie).

„Unsere altehrwürdige Universität legt so großen Wert auf Geschichte und Tradition“, erinnert Yitnagashaw. „Aber sie setzt vor allem auf Neubauten und gibt historische Gebäude ab.“ Aber das frühere Botanische Institut Grimmer Straße 88 sei für private Investoren uninteressant und darum stark gefährdet. Denn für einen Umbau zum Wohnhaus fehlten Möglichkeiten zur Schaffung von Parkplätzen. „Wir verstehen nicht, dass die Universität gerade auf für ihre historische Entwicklung so bedeutsame Gebäude des 19. Jahrhunderts verzichten will wie die heutige Zoologie“, ergänzt Schönrock. Und das frühere Hofgericht Domstraße 20 a verfalle für jedermann sichtbar, kritisiert er weiter die Hochschule. So sei aktuell der teilweise noch aus dem 18. Jahrhundert stammende Putz massiv gefährdet.

Sorgenkinder
In der Innenstadt gibt es immer noch unsanierte Denkmalhäuser von hohem historischen Wert. Für die Baderstraße 2 gibt es Kaufinteressenten, aber der Eigentümer hat jüngst angekündigt, selbst mit einer Architektin für die Sanierung zu sorgen. Die Steinbeckerstraße 35 wird aktuell bei „Immobilienscout24“ inklusive des Grundstücks an der Loefflerstraße für 320000 Euro angeboten. Hinter der einfachen Fassade verbirgt sich eine großartige klassizistische Ausstattung.

 



Eckhard Oberdörfer

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