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Bekenntnishaftes aus schwieriger Zeit

Greifswald Bekenntnishaftes aus schwieriger Zeit

Max Bruchs Oratorium „Gustav Adolf“ wurde am Freitagabend im Großen Haus des Theaters Vorpommern in Greifswald aufgeführt

Greifswald. Vergangene Woche bestimmte es in Stralsund den Festakt zum 100. Geburtstag des Theaters, und nun konnte man es auch in Greifswald erleben: Max Bruchs 1898 uraufgeführtes „evangelisches Oratorium“ Gustav Adolf.

Es ist dies ein stattliches, deutsch-vaterländisch geprägtes Bekenntnis zum „Retter“ des protestantischen Glaubens im 30-jährigen Krieg — will heißen zum schwedischen König Gustav II. Adolf (1594-1632), dem zum Mythos verklärten „Löwen aus Mitternacht“. Stilistisch gilt Bruch (1838-1920) — ein erklärter Verehrer Mendelssohns — als so konservativ wie wirkungsmächtig und ist rezeptorisch unproblematisch. Zum historischen, religiösen und gedanklichen Hintergrund des Werkes (Text: Albert Hackenberg) aber sollte man schon wissen, dass er mit heute befremdlich wirkender deutsch-nationalistischer, direkt antikatholischer und damit über rein ästhetische Zwecke weit hinausreichender Haltung — und Vertonung! — eine kritische, aber lohnende Einordnung in den Zeitgeist nötig macht. Gut, dass der Veranstalter den Gästen kompetente und detaillierte Einführungen dazu mit Prof. Walter Werbeck angeboten hatte. Für das Theater Vorpommern ging es mit diesem Werk um eine „historische Momentaufnahme“. Aber auch um die Präsentation meisterlich gehandhabten Komponierens. Dafür standen in Greifswalds Großem Haus Orchester und Opernchor (Rustam Samedow) des Theaters Vorpommern, Stralsunds Bach-Chor (Matthias Pech) sowie der Chor der Oper Stettin (Malgorzata Bornowska), die Solisten Thomas Rettensteiner (Gustav Adolf), Karo Khachatryan (Herzog von Weimar) und Anna Wagner (Edelknabe) unter Generalmusikdirektor Golo Bergs souveräner Leitung. Er setzte bei der bemerkenswerten formalen und gestalterischen Ausdrucksvielfalt des Werkes ganz auf Empathie und betonte sie eindrucksvoll.

Es gelang auch in Greifswald eine Aufführung, die den Zug ins Große, Pathetisch-Erhabene, auch Tragisch-Dramatische (Chöre) mit der Erlebnis- und Klangwelt des schlichten lyrischen Strophenliedes, des handfesten protestantischen Chorals, des opernhaften Rezitativs und der Arie zu verbinden wusste. Deutlich erstand Bruchs Werk als bekenntnishaftes Dokument problematischer Zeitgeschichte und als Summe sehr traditionsorientierter kompositorischer Errungenschaften eines ganzen Jahrhunderts.

Und das so expressiv wie bewusst vereinnahmend, aber auch kritisch-nachdenklich machend. Hörenswert ist das Ganze allemal.

Von Ekkehard Ochs

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