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Greifswald Bibliothek trotz Bauarbeiten gut besucht
Vorpommern Greifswald Bibliothek trotz Bauarbeiten gut besucht
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01:22 16.01.2015
Willi (12) kommt alle zwei Wochen in die Greifswalder Stadtbibliothek, um sich Medien auszuleihen. Quelle: Peter Binder

Bibliotheksleiterin Angelika Spiecker hat Grund zur Freude: „Trotz der langwierigen Bauarbeiten im vorigen Jahr ist die Zahl der Entleihungen nur geringfügig gegenüber 2013 zurückgegangen.“ Die Statistik der Stadtbibliothek „Hans Fallada“ liegt druckfrisch auf ihrem Schreibtisch. Demnach gingen rund 471000 Bücher, Filme, Zeitschriften und andere Medien über den Ausleihtresen. „Das sind knapp 20000 weniger als 2013“, resümiert Spiecker.

Dabei waren seit dem Sommer nahezu alle Bereiche von den Baumaßnahmen betroffen. Die Hansestadt investierte 230000 Euro, um die alten Fenster durch neue zu ersetzen. Eine teure Sache, da es sich an den Giebelseiten zur Knopfstraße wegen des Denkmalschutzes um Spezialanfertigungen handelte. Darüber hinaus wurde der komplette Kinderbereich inklusive Fußboden und Decke erneuert, der jetzt nur noch auf das neue Mobiliar wartet. Ende Januar soll der Nachwuchs die Räume wieder in Besitz nehmen können.

Allerdings: Bibliotheksbesucher werden auch 2015 mit Einschränkungen vorlieb nehmen müssen. Denn die Fenstererneuerung werde planmäßig fortgesetzt, heißt es aus dem Rathaus. Wiederum sollen rund 230000 Euro aus dem städtischen Haushalt zum Einsatz gelangen — auch für den Fassadenanstrich. „Und es wird die komplette erste Etage neu gestaltet, damit sind dann alle Bereiche erneuert“, kündigt Angelika Spiecker an. Womöglich zieht das künftig auch wieder mehr Nutzer in die Knopfstraße 18-20.

Derzeit haben 6700 Leseratten einen Bibliotheksausweis. Tendenz: leicht rückläufig. „Aber das ist ein gesamtgesellschaftliches Phänomen“, sagt Spiecker. Nutzten Schüler früher für ihre Hausarbeiten nur die elterliche und öffentliche Bibliothek, steht ihnen heute das World Wide Web zur Verfügung. „Das Informationsverhalten hat sich stark verändert“, konstatiert die Bibliothekschefin. Das Haus habe deshalb gegengesteuert, die Zusammenarbeit mit Schulen intensiviert, neue Veranstaltungsreihen entwickelt und das Angebot digitaler Medien frühzeitig mit integriert. Damit nahm Greifswald eine Vorreiterrolle im Land ein. „Und dennoch sind digitale Medien kein Ersatz für etwas, sondern nur ein zusätzlicher Baustein“, sagt Spiecker. Denn im vorigen Jahr machten sie mit 10500 Ausleihen gerademal 2,2 Prozent aller Entleihungen aus.

Insgesamt zählte die Bibliothek voriges Jahr rund 165000 Besucher. Verglichen mit Städten ähnlicher Größenordnung sei das eine sehr gute Zahl, versichert Spiecker. In der jüngsten Vergangenheit habe besonders die Gruppe junger Eltern mit kleinen Kindern die Einrichtung für sich entdeckt. Trotz der Sparzwänge wegen des städtischen Haushaltssicherungskonzeptes (die OZ berichtete) bräuchten die Nutzer keine höheren Gebühren zu befürchten, so Spiecker. Anders in Stralsund. Auf Antrag der CDU/FDP-Fraktion in der Bürgerschaft soll dort die Jahresgebühr von 12 auf 36 Euro angehoben werden.

Ein Spitzenwert, der sogar höher ist als in vielen Großstädten. „In Stralsund gibt es offenbar noch die irrige Annahme, dass es zu spürbar mehr Einnahmen kommt, wenn man an der Gebührenschraube dreht“, kritisiert Spiecker den Stralsunder Weg. Doch das Gegenteil sei der Fall: „Besucher werden wegbleiben.“

Greifswald hatte die Jahresgebühr zuletzt 2012 erhöht: Erwachsene ab 18 Jahren müssen seither 15 statt zwölf Euro zahlen. Rostock geht als einzige Stadt in MV einen anderen Weg — ermöglicht eine kostenlose Nutzung der Bibliothek. Dort sind allerdings die Versäumnisgebühren um ein Vielfaches höher als in vielen anderen Häusern.

Bibliotheksgebühren
15 Euro kostet die Jahresgebühr für erwachsene Bibliotheksnutzer in Greifswald. In Wismar und Neubrandenburg werden jeweils zwölf Euro verlangt, in der Landeshauptstadt Schwerin seit Januar 18 Euro.
36 Euro sollen künftig die Stralsunder pro Jahr zahlen, wollen sie in ihrer Bibliothek Medien ausleihen. So teuer ist das Lesen nicht mal in München, wo die Stadtbibliothek von ihren erwachsenen Besuchern 20 Euro pro Jahr kassiert. Richtig gut haben es bislang die Einwohner Rostocks. Dort ist die Ausleihe kostenlos.



Petra Hase

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