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„Das ist doch keine Kunst!“

Greifswald „Das ist doch keine Kunst!“

Im neuen Kunstkubus am Karl-Marx-Platz ist wieder was zu sehen – aber was eigentlich?

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Wofür dieser Eichensetzling im Kubus steht – Sarah Nura und Alexander Ivanov haben Ideen, manch anderer Passant tut sich schwer.

Quelle: Foto: Sybille Marx

Greifswald. Ein Eichensetzling, der in einer flachen Holzkiste mit Erde wurzelt und sich durch eine schmutzige Plastik-Kartusche ans Licht kämpft; rundherum weiße Wände, weiße Böden, sehr viel Luft und ein paar Erdkrümel.

Ungefähr so sieht die Installation aus, die seit zehn Tagen im neuen Kunstkubus am Karl-Marx-Platz steht – der Minigalerie, die mit Städtebaufördermitteln errichtet wurde und nun von den Vereinen Art-cube und Art 7 jedes Quartal mit neuen Kunstobjekten oder Installationen bestückt werden soll.

Ein 73-jähriger Greifswalder, der vor dem Kasten stoppt, kann es nicht fassen. „Das ist keine Kunst, das ist Dilettantimus“, schimpft er. „Wenigstens die Erdkrümel hätten sie mal wegfegen können!“

Der Kubus sei ja eine gute Idee. „Aber der hat viel Geld gekostet. Da muss was Vernünftiges rein.“

Die 25-jährige Sara Nura, die aus Usbekistan zu Besuch ist, findet die Installation dagegen interessant. „Das ist ein einsamer Mensch, der sich ins Leben kämpft und versucht, sich zu realisieren“, sagt sie. „Er will tiefer wurzeln, aber es gelingt ihm nicht.“

Wer das Objekt geschaffen hat und welchen Titel es trägt: „Ja, das soll noch dran stehen“, erklärt Marcus Schramm, Chef des Vereins Artcube. Man lasse gerade von einem Grafiker das Design für solche Kärtchen entwerfen. „Aber wir machen als Verein alles ehrenamtlich, da dauert es auch mal etwas.“ Überhaupt sei in der Startphase nicht alles glatt gelaufen, räumt er ein.

Am 7. Juli war der Kunstkubus mit einer Performance eröffnet worden (die OZ berichtete), rund 100 Besucher guckten zu. Danach bestückte Art-cube den Würfel mit einer Installation, die mehrere Vereinsmitglieder entworfen hatten. „Wir waren aber noch nicht ganz zufrieden damit“, sagt Schramm. Als die Stadtverwaltung dann forderte, dass an der Belüftung des Würfels nachgebessert werden müsse, verschwand die Installation wieder. Handwerker kamen und gingen, der Kubus stand leer.

Ein illegales Grafitti wurde aufgesprüht, Unbekannte hängten eine Pappe dran. „’Freiluftklo mit Aussicht’ stand drauf, oder so ähnlich“, erzählt der Rentner, der sich über die Eichen-Ausstellung aufregt. Der Verein Art-cube hängte ein anderes Schild auf: „Aufgrund von Verzögerungen bei der Inbetriebnahme sowie der Urlaubszeit kam es zu Terminverschiebungen.“

Vor zehn Tagen, diesmal ohne öffentliches Tamtam, landete dann das Eichen-Objekt im Kubus. Der Schöpfer heißt Lars Cremer, studiert Kunst am Caspar-David-Friedrich-Institut und nennt seine Installation „70 Eichen“. „Das ist eine Anspielung auf Joseph Beuys“, erklärt Marcus Schramm. Beuys habe 1982 in der Industriestadt Kassel 7000 Eichensetzlinge gepflanzt, die Stadt damit nachhaltig verändert.

Lars Cremer hat seine Setzlinge aus einem Greifswalder Park mitgenommen, bevor sie abgemäht worden wären und will die Installation in den kommenden Wochen als „art in progress“ weiter aufbauen. Am Ende sollen 70 Eichensetzlinge an Greifswalder verschenkt werden. „Die Hoffnung ist, dass die Leute sie in ihren Garten pflanzen“, erklärt Schramm. Die Standorte sollen sie dem Künstler mitteilen, „die Punkte will er dann grafisch umsetzen, um das Netzwerk der Bäume zu zeigen“. Schon jetzt aber rege die Installation zum Nachdenken an, findet Schramm.

Was genau man alles in ihr sehen könnte – darüber können die Greifswalder jetzt noch ein paar Wochen diskutieren.

Ein Raum für Künstler

Der Kunstkubus am Karl-Marx Platz wurde mit rund 23000 Euro Städtebaufördermitteln errichtet und soll zeitgenössischen Künstlern aus der Region einen Mini-Ausstellungsort bieten, mitten im öffentlichen Raum. Ursprünglich hatte der Ortsrat Innenstadt vorgeschlagen, auf dem Platz ein bleibendes Kunstwerk zu errichten. Ein entsprechender Wettbewerb ging 2016 aber ergebnislos aus, keines der eingereichten Kunstwerke überzeugte die städtische Jury. Daraufhin entstand der Kubus.

Sybille Marx

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