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Der Sandmann besucht Greifswald

Greifswald Der Sandmann besucht Greifswald

Heute öffnet die Ausstellung im Pommerschen Landesmuseum. Die Schau zeigt 170 Originalexponate.

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Winfried Kujas rückt die Sandmänner für den heutigen Ausstellungsbeginn ins richtige Licht.

Quelle: Peter Binder

Greifswald. Sein Aussehen ist unverwechselbar: Zipfelmütze, Ziegenbart und ein Säckchen voller Traumsand. Der Sandmann ist bei Generationen von Kindern Kult. Nun kommt er mit einer eigenen Ausstellung nach Greifswald. Heute wird sie um 15 Uhr im Pommerschen Landesmuseum eröffnet. Der Titel der Schau ergibt sich praktisch von selbst: „Sandmann, lieber Sandmann“.

Gezeigt werden 170 Puppen sowie 95 Fahrzeuge und Fortbewegungsmittel vom Traktor bis zu einer Feder, auf der der Sandmann auch schon schwebte. „Ich habe noch nicht alle Zulassungen der teils ausgefallenen Gefährte gefunden“, gibt Winfried Kujas zu. Der 73-Jährige ist Teil der Sandmann—Studio Trickfilm GmbH aus Berlin und Wächter über die berühmten Exponate.

Im Konventshaus des Pommerschen Landesmuseums sehen die Besucher auf etwa 400 Quadratmetern das Sandmännchen in verschiedenen, originalgetreuen Kulissen. „Er hat ja die ganze Welt bereist. Von Europa über Asien bis nach Afrika hat er alles gesehen“, erklärt Kujas. Das mache auch die Faszination der Figur aus. „Die Kinder wurden täglich um 18.50 Uhr in eine andere Welt mitgenommen. Das hat sie begeistert“, begründet Kujas den Erfolg des kleinen Puppenmännchens. An dieser Erfolgsgeschichte ist er nicht unbeteiligt. Denn von 1961 bis 1991 zeichnete Kujas für das Kinderfernsehen beim Deutschen Fernsehfunk (DFF) mitverantwortlich. Die Geschichten der 100 Autoren, darunter Lehrer und Kindergärtnerinnen, trafen den Nerv der kleinen Zuschauer. Kujas: „Im Lauf der Jahrzehnte haben wir 180 Berufe in den Geschichten vorgestellt. Jedes Kind hat also mal den Job seiner Eltern in einer Geschichte wiedererkannt und war stolz.“ Auch der regionale Bezug sei ein Grundpfeiler dafür gewesen, dass sich die Figur über Jahrzehnte im Fernsehen halten konnte. „Der Traumsand wurde auch mal im Spreewald oder in Magdeburg verstreut. Das hat bei den Kindern das Gefühl geweckt, dass das Sandmännchen in ihrer Nähe ist“, beschreibt Kujas.

Politisch sei die Sendung nie gewesen, betont er. „Uns hat keiner vorgeschrieben, was wir sagen dürfen. Der Staat war nie ein Thema.“ Auch wenn die Nationale Volksarmee (NVA) in zwei Folgen jeweils passend zum Tag der NVA auftauchte. Oder der Sandmann nach Ägypten oder den Irak reiste, die beide der DDR wohlgesonnen waren.

Die Ausstellung im Landesmuseum wäre ohne Winfried Kujas wohl nie zustande gekommen. „Ich habe seit 1994 schon zahlreiche solcher Ausstellungen organisiert. Dabei merkte ich, dass der Norden ein weißer Fleck auf meiner Karte war“, schildert Kujas. Also nahm er den Telefonhörer in die Hand und fragte in Greifswald nach, ob überhaupt Interesse an einer Schau bestünde. Regionalen Bezug gibt es durchaus. Schließlich stehen mit Inge Trisch und Wilfried Bergholz zwei gebürtige Greifswalder in den Reihen der Geschichtenschreiber. Hans Schroeder, Erfinder der Figuren des Fuchses und der Elster, stammte aus Stettin. „Ich habe keinen Zweifel, dass die Ausstellung ein Erfolg wird“, sagt Kujas. Der Sandmann und seine Freunde weckten schließlich sowohl in den Kindern von heute, als auch in denen von gestern und vorgestern spezielle Erinnerungen.

Um die Schau im Landkreis bekannt zu machen, rief das Museum einen Ideenwettbewerb für Kindertagesstätten ins Leben. Der Sandmann hatte seine Gute-Nacht-Geschichte verloren und die Kinder konnten sie malerisch zu Ende erzählen. Letztlich schickten 660 Kinder ihre Zeichnungen an das Landesmuseum. Verschiedene Sponsoren belohnten diesen Einsatz damit, den Kleinen die Fahrt zu der Ausstellung zu bezahlen. Dort sehen sie den Sandmann auf einem indischen Basar, als Straßenbahnfahrer oder sogar als Raumschiffpilot. Auch eine Dokumentation des österreichischen Fernsehens wird gezeigt.

Ausstellung: 22. März bis 30. Juni, Pommersches Landesmuseum, Rakower Straße 9

Eintritt 4 Euro/ erm. 2,50 Euro,

Die Karriere des Sandmanns
1959 tritt der Sandmann erstmals im DDR-Fernsehen auf. Seitdem ist er etwa 70 000 mal über den Bildschirm gewandert, geflogen, gefahren oder gesegelt. Bereits drei Jahre zuvor setzte das Sandmännchen mit der Ankündigung „Der Sandmann ist da!“ im Radio seinen ersten Abendgruß ab.
1966 gab es den Sandmann erstmals in Farbe. Im Herbst 1990 kämpfen die Zuschauer um den Erhalt der Kultpuppe im deutschen Fernsehen. Am 31. Dezember 1991 erscheint der Sandmann zum letzten Mal im Deutschen Fernsehfunk (DFF). Danach übernehmen ihn die Landesrundfunkanstalten.

 



Reik Anton

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