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Dudelsacktöne in der Bachwoche

Greifswald Dudelsacktöne in der Bachwoche

Das Festival Geistlicher Musik im Norden feiert 70. Jubiläum und startet am 12. Juni mit einem Radiogottesdienst

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Bachwochenleiter Jochen A. Modeß und Sackpfeifer Sebastian Sack machten gestern im Dom auf das Festival neugierig.

Quelle: Fotos: Peter Binder

Greifswald. 70 Jahre und kein bisschen angestaubt! Die Greifswalder Bachwoche feiert Jubiläum. Wieder einmal, möchte man meinen. Passionierte Bachwochenbesucher dürfen sich ab dem 12. Juni traditionell auf alte und neue Musik freuen. Nur, dass in diesem Jahr doch einiges anders ist: Wehmut begleitet das Festival Geistlicher Musik, das 2016 den Titel „baltisch“

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Das Festival Geistlicher Musik im Norden feiert 70. Jubiläum und startet am 12. Juni mit einem Radiogottesdienst

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trägt. Denn zum ersten Mal findet es ohne ihre Mitbegründerin Annelise Pflugbeil (1918-2015) statt.

Dabei hatte sie die Vorbereitungen noch rege mitverfolgt und sich sehr über die Planung des Stettin- Tages gefreut. Ein Ausflug in die polnische Metropole, der die 70. Bachwoche zu etwas ganz Besonderem macht. „Denn im Jahr 1943 gab es bereits in Stettin eine Bachwoche, die nullte, wie Annelise Pflugbeil zu sagen pflegte“, berichtet Festivalleiter Jochen A. Modeß. Sie habe damals unter der Leitung ihres Lehrers Theo Blaufuß an der Veranstaltung mitgewirkt und die Festivalidee quasi im Fluchtkoffer nach Greifswald getragen. „Zurück zu den Wurzeln“ gehe es deshalb nun am 13. Juni auf Reisen. Die Resonanz beim Stammpublikum sei schon im Vorfeld überwältigend gewesen: „Wir hatten mit 150 Mitreisenden gerechnet, die Kapazität dann aber noch einmal auf 200 erhöht“, sagt Heike Aé vom Organisationsteam. Inklusive der Akteure würden somit etwa 350 Musikliebhaber auf Tour gehen und in Stettin einen „ganz normalen Bachwochentag“ erleben: Mit der Geistlichen Morgenmusik, einem Vortrag und Kammerkonzert sowie großem Abendprogramm, bei dem Chöre aus Posen, Riga, Winchester, Braunschweig und Greifswald gemeinsam mit dem Bachwochenorchester die Friedenskantate „Pro Pace“ von Jochen A.

Modeß zur Aufführung bringen.

Darüber hinaus bietet das Festival daheim natürlich auch reichlich Anlass zur Freude. Ganz untypisch wird es an einem Sonntag eröffnet – statt wie sonst montags – und zwar mit einem aus dem Dom St.

Nikolai live übertragenen Radiogottesdienst auf Deutschlandfunk. Nach einem kleinen Clavichord-Konzert zum Gedenken an Anneliese Pflugbeil steht am ersten Abend ein Oratorium von Rudolf Tobias (1873-1918) auf dem Programm: „Des Jona Sendung“ heißt dieses gewaltige, religiös aufrüttelnde Werk des estnischen Komponisten, das neben dem Orchester auch Soli und Chöre auf die Bühne ruft. Das baltische Moment steht aber auch an anderen Tagen im Mittelpunkt. Etwa dann, wenn die Johannespassion des estnischen Komponisten Arvo Pärt im Dom aufgeführt wird. „Sie steht in kontrastierender Korrespondenz zur Johannespassion von Bach am Ende der Woche“, macht Modeß neugierig. Pärts Vertonung sei im Gegensatz zur Bachschen Version „mit nur vier Instrumenten, Orgel und Chor sehr reduziert und ganz dem Alten verpflichtet“. Ganz jung kommt die Bachwoche am Donnerstag daher, wenn die Domkinderchöre zu einer „baltischen Reise“ aufbrechen, einer Klangreise um die Ostsee. Das Kuriose daran:

Sebastian Sack begleitet die Kleinen mit seinem Dudelsack, denn den hatte Bach einst in seiner Bauernkantate besungen. Der neuzeitliche Text wiederum stammt aus der Feder des Kirchenmusikdirektors Jochen A. Modeß.

Etwas Besonderes verspricht aber ebenso das Konzert mit der Nummer 17 zu werden: Ein Chorfest „wie im Baltikum“ auf der Open-Air-Bühne am Museumshafen. Die Liederfeste im Baltikum mit vielen tausend Chorsängern seien legendär. Ganz so viele Akteure könne Greifswald nicht zusammentrommeln, aber schon die etwa 200 Mitwirkenden dürften den Abend unvergesslich machen. Und was wäre die Bachwoche ohne die Geistlichen Morgenmusiken – Herzstück des Festivals und kostenloser Hörgenuss! „Jeweils drei- bis vierhundert Zuhörer wurden im vorigen Jahr gezählt“, berichtet Pfarrer Reinhard Lampe, Pressesprecher der Bachwoche. Eine stetig wachsende Fangemeinde, die zunehmend auch Besuch aus Hamburg und Schleswig-Holstein erhalte. Die Nordkirche breitet ihre Flügel aus. Das mache sich im Übrigen auch daran bemerkbar, dass immer öfter selbst kleine Kirchengemeinden Kollekten für die Bachwoche spenden.

Das Festival Geistlicher Musik im Norden

10000 Besucher erfreuen sich jedes Jahr an der Greifswalder Bachwoche, die 1946 von Annelise und Hans Pflugbeil ins Leben gerufen wurde und viele Freunde im In- und Ausland hat.

43 Veranstaltungen , darunter 20 kostenpflichtige Konzerte, stehen auf dem Programm der 70. Bachwoche (12. bis 19. Juni) , die sich neben Johann Sebastian Bach insbesondere baltischen Komponisten widmet. Auch Vorträge gibt es wieder.

190000 Euro beträgt der Etat der Greifswalder Bachwoche mittlerweile. Mit dem Kartenverkauf kann etwa ein Drittel der Kosten gedeckt werden. Der Rest wird mit Spenden und Mitgliedsbeiträgen finanziert.

153 Mitglieder zählt die Gesellschaft zur Förderung der Greifswalder Bachwoche.

Karten: Dombuchhandlung und Buchhandlung Scharfe

Petra Hase

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