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Greifswald Ein Zentrum für ein Dichtergenie
Vorpommern Greifswald Ein Zentrum für ein Dichtergenie
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01:00 07.07.2014
Das Epitaph der Familie des Bürgermeisters Christian Schwarz im Dom. Quelle: Peter Binder
Greifswald

Ein Zentrum für die „pommersche Sappho“ in ihrem Geburtshaus mit ständiger Ausstellung sowie wissenschaftlichen und kulturellen Veranstaltungen. Das ist der Traum von Dr. Sonja Gelinek, der Vorsitzenden des Sibylla-Schwarz-Vereins. „Dafür wünsche ich mir Unterstützung von Universität, Land und Stadt“, sagt sie. Sibylla Schwarz (1621 bis 1638) solle Teil der Bildungsarbeit an den Schulen werden, fügt Gelinek hinzu. „Jeder Greifswalder sollte die bedeutendste Dichterin der Stadt kennen.“ Dass das so wird, daran wird durch den Verein kräftig gearbeitet.

Heute um 18 Uhr im Krupp-Kolleg mittels Vorträgen zweier Schwarz-Forscher und dann beim Barock-Dinner ab 20 Uhr in der Fritzbar (das nur auf Anmeldung, OZ berichtete) kann sich jeder davon überzeugen.

Das Interesse an Sibylla Schwarz hat prominente Leute im Verein zusammengeführt: Die Germanistikprofessorin Monika Unzeitig, den Nordistikprofessor Walter Baumgartner, die beiden Schwarz-Experten Dr.

Monika Schneikart und Dr. Michael Gratz vom Institut für Deutsche Philologie, um nur einige der universitären Schwarz-Verehrer zu nennen. Auch die Schriftsteller Ulrich Frohriep und Hans-Jürgen Schumacher gehören dazu. Schumacher hat der Bürgermeistertochter einen Roman gewidmet, aus dem er in der Fritzbar lesen wird. „Es ist peinlich genug, dass Sibylla im angelsächsischen Raum als bedeutende deutsche Barockdichterin anerkannt ist, aber in Greifswald fast nichts zählt“, kommentiert er. Ulrich Frohriep schrieb das Stück „Ist Lieb ein Feuer“, das dem Leben der Barockdichterin gewidmet ist. Der Titel gehört zu einem ihrer bekanntesten Gedichte. Der Opernaleverein bringt Frohrieps Werk in diesem August auf die Bühnen Vorpommerns.

„Sie hat wirklich Gedichte von Weltgeltung geschaffen“, sagt der Germanist Gratz. „Ihr Werk hat mich so fasziniert, dass ich in der DDR den Sammelband mit ihren Werken in der Universitätsbibliothek abgeschrieben habe. Kopieren ging ja damals nicht.“ Diese abgeschriebene Werkausgabe stammt von 1650. Gratz arbeitet seit Jahren an einer kritisch kommentierten Neufassung. „Leider komme ich erst in der Semesterpause wieder dazu“, sagt er.

„Die Hartnäckigkeit, mit der Michael versucht, ihre Werke der Öffentlichkeit nahezubringen, ist einer der Gründe, warum ich mich mit Sibylla Schwarz befasse“, sagt seine Kollegin Monika Schneikart.

„Die Tafel und die Verse an ihrem Geburtshaus Baderstraße 2 wurden ja auf seine Initiative angebracht.“ Die Germanistin hat ein „seltsames Gebaren gegenüber Schwarz und ihrem Werk“ in der Forschungsliteratur festgestellt. „Man könnte es als infantilisierende Vereinnahmung bezeichnen, wenn von ,Sibylle‘ gesprochen wird. „Sie dichtete bereits mit so- undso vielen Jahren, Sibylles geistliche Dichtung offenbart eine tiefgläubige Christin“, nennt Schneikart Beispiele. „Wer spricht schon von ,Caspar Davids Bevorzugung‘ der Rückenfigur?“, setzt sie hinzu.

Während Schwarz lange im Ausland mehr galt als in der Heimat, dreht sich der Wind zunehmend. Im letzten Jahr fand im Krupp-Kolleg eine Konferenz zu ihrem Werk statt. Auch dessen wissenschaftlicher Geschäftsführer Dr. Christian Suhm und die kaufmännische Geschäftsführerin Dr. Freia Steinmetz gehören zu den Gründungsmitgliedern des Vereins. Die Tagungsleiterin, die Greifswalder Juniorprofessorin Hania Siebenpfeiffer, bereitet gegenwärtig einen Sammelband der Beiträge der Tagung vor. Sie kann sich auch gut vorstellen, dass auf der nächsten Tagung der Internationalen Vereinigung für Germanistik in Shanghai 2015 Autorinnen des 17. Jahrhunderts ein größeres Thema werden. Natürlich mit Sibylla Schwarz.



Eckhard Oberdörfer

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