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„Es brannte überall“

Kamminke „Es brannte überall“

„Als ich zum dritten Mal erwachte, sah ich den Himmel, denn das ganze Dach des Waggons war weggerissen. (...) Überall um uns herum brannte es und die Luft flimmerte wie im Hochsommer.

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„Gesichter des 12. März 1945“ heißt die Schau, die 12 Biografien mit dem historischen Kontext am Ende des Krieges verzahnt.

Quelle: Henrik Nitzsche

Kamminke. „Als ich zum dritten Mal erwachte, sah ich den Himmel, denn das ganze Dach des Waggons war weggerissen. (...) Überall um uns herum brannte es und die Luft flimmerte wie im Hochsommer. Verbogene Schienen und Eisenteile ragten in die Luft. Verwundete schrien und ebenso Leute, die einander suchten.“ Auf ihrer Flucht aus Ostpreußen geriet die achtjährige Isa Brandt am 12. März 1945 zusammen mit ihrer Familie in das Inferno von Swinemünde. Die Erinnerungen an den Bombenhagel über der Stadt blieben präsent, nicht nur bei Isa Brandt.

Es war eine Schlacht der Maschinen.“Eric H. Sherman, US-Pilot

Der Golm vor den Toren Swinemündes, dort, wo vor 71 Jahren unmittelbar nach dem Luftangriff viele Opfer in Massengräbern beerdigt wurden, ist Mecklenburg-Vorpommerns größte Kriegsgräberstätte. Eine neue Ausstellung gibt den Toten und Überlebenden des Infernos ein Gesicht. „Gesichter des 12. März 1945“ heißt die Schau, die 12 Biografien mit dem historischen Kontext am Ende des Zweiten Weltkrieges verzahnt.

Am Morgen des 12. März steuerten von England aus 671 viermotorige Bombenflugzeuge und 412 Jagdflugzeuge der 8. US-Luftflotte nach Osten. Zwischen 12.06 Uhr und 12.58 Uhr warfen die Flugzeuge mehr als 3000 Sprengbomben über der mit Flüchtlingen, verwundeten Soldaten und Zwangsarbeitern überfüllten Stadt ab. Die Forscher um Ausstellungskurator Fabian Schwanzar nehmen an, dass sich neben 26 000 Einwohnern auch rund 30 000 Flüchtlinge, 10 000 Soldaten sowie bis zu 4000 Zwangsarbeiter in der Stadt befanden, der sich von Osten die Rote Armee näherte.

Berichtet wird von einem Zwangsarbeiter, von einem Stadtangestellten, einem Wehrmachtssoldaten. Aber auch die Erinnerungen eines US-Piloten fließen in die Dokumentation ein und geben der Ausstellung neben dem Blick der Opfer eine andere Perspektive. „Ich dachte nicht an die Verwüstungen und an das Elend, die wir an der deutschen Bevölkerung verursachten. Es war eine Schlacht der Maschinen und Munition (...) Ich kann es nicht erklären, weil ich mich da selbst nicht verstehe“, erinnert Eric H. Sherman in einem Brief 2007 an den Volksbund seine Erlebnisse, erkennbar erschrocken über seine Kaltblütigkeit während des Luftangriffs.

Für die Ausstellung, die vom Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge, der Landeszentrale für politische Bildung und dem Bundesbeauftragten für Kultur und Medien finanziert wurde, haben die Historiker auf neueste Quellen und Forschungsergebnisse zurückgegriffen. Sie schätzen, dass bei dem Angriff durch amerikanische Bomber 6000 bis 10 000 Menschen ums Leben kamen. Eine Zahl, die deutlich unter den 23 000 Toten liegt, wie sie zu DDR-Zeiten propagiert wurde. „Die genaue Zahl der Todesopfer lässt sich nicht mehr genau ermitteln“, sagt Schwanzar. Zeitgenössische Quellen legten aber die deutlich niedrigere Zahl nahe. Die Ursache für die zu DDR-Zeiten genannten deutlich höheren Zahlen sind vielfältig und Resultat einer bewussten Geschichtsklitterung, sagt Schwanzar. Zum einen habe man in Zeiten des kalten Krieges die Westalliierten als kaltblütige Aggressoren darstellen wollen. Zum anderen habe man sich der Volksmeinung anbiedern wollen. „Gedeckt waren die Zahlen nicht.“ Bei der Aufarbeitung der historischen Ereignisse gehe es heute nicht um eine ideologisch begründete Bedeutungsmaximierung, sondern um den konkreten Ort der Geschichte, um Authentizität.

Die Jugendbegegnungsstätte des Volksbundes auf dem Golm leistet dafür seit Jahren einen Beitrag. Allein im vergangenen Jahr beschäftigten sich 2000 Jugendliche aus Deutschland und Polen dort mit der Geschichte um den Bombenangriff und Einzelbiografien. Sie halfen auch, die Namen der Toten zu identifizieren. Von den Tausenden Opfern auf dem Golm konnten bislang rund 1600 Menschen identifiziert werden.

Von Martina Rathke

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