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Frischer Wind für Hans Falladas Geburtshaus

Greifswald Frischer Wind für Hans Falladas Geburtshaus

Josefine Schönbrodt und Jan Maria Meissner übernehmen 2017 das Management des Hauses / Bildende Kunst, Literatur und Theater gehören zu den Angeboten

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Aphrodite, Josefine Schönbrodt und Jan Meissner im Falladahaus. Fotos (2): Eckhard Oberdörfer

Greifswald. Das Geburtshaus des Schriftstellers Hans Fallada in der Steinstraße 59 soll mit neuen Angeboten eine Perle unter den Greifswalder Kulturstätten werden. Das ist der Plan von Josefine Schönbrodt und Jan Maria Meissner. Die beiden Künstler übernehmen am 1. Januar 2017 das Management des Hauses. „Das Falladahaus muss mehr zu einem öffentlichen Ort werden“, sagt Meissner.

Wir wollenmehr interaktive Angebote im Falladahaus etablieren.“Josefine Schönbrodt, Schauspielerin

Ihr Plan: Die Kulturstätte präsentiert sich als Ort regionaler Kunst. Greifswald als Geburtsort bekannter Schriftsteller wie Hans Fallada, der Barockdichterin Sibylla Schwarz und Georg Engels bietet sich dafür an. Auch die aus Neuenkirchen stammende „Plattdeutsche“ Alwine Wuthenow muss hier genannt werden. Und nicht umsonst gibt es im Geburtshaus Wolfgang Koeppens schon ein Literaturzentrum.

„Die Pommersche Literaturgesellschaft unterstützt uns“, freut sich Schönbrodt. Für diese ist das Falladahaus traditioneller Begegnungs-, Veranstaltungsort und Vereinssitz. „Wir wollen eine Plattform für zeitgenössische Autoren sein und Lesetreffen veranstalten.“ Dieser Literaturszene fügen die beiden Künstler das Theater hinzu. Schönbrodt ist Puppenspielerin und Schauspielerin, Meissner Musiker und Lichtdesigner. Zum Repertoire ihres Theaters Phoebus gehören Falladas Märchen. „Mäuseken Wackelohr.“ Wenn dieses Stück im Falladahaus aufgeführt werde, komme die Maus aus der Klappe einer Gefängnistür, erzählt Meissner. Die Tür gehörte zu der Zelle im Greifswalder Gefängnis, in der Fallada eine Strafe verbüßte. Lokale Stoffe, wie die „Sage vom Greif“ oder ein Abend über das Werk der Greifswalder Bürgermeistertochter Sibylla Schwarz, gehören auch zum Repertoire. Als Dramaturg fungiert der Literaturwissenschaftler Michael Gratz. „Er ist unser Haus- und Hofdramatug“, sagt Schönbrodt. Schwerpunkte seien Puppenspiel und Kindertheater. Kinder könnten dann malen und basteln. „Es geht uns um mehr interaktive Projekte.“

Das Falladahaus soll sich ferner stärker der Präsentation von bildender Kunst widmen, Ausstellungsort für junge Künstler sein, beispielsweise für Studenten des Caspar-David-Friedrich-Institutes.

Gegenwärtig werden im Falladahaus Aktzeichnungen des Rostockers Armin Münch (1930 bis 2013) gezeigt. Er war viele Jahre Professor in Greifswald. Die Hälfte sind Originale aus dem Besitz des Greifswalder Münchkenners Paul Kroll, die anderen gut gemachte Reproduktionen. Einige Akte stammen aus dem Jahre 1982, da war Münch 82. „Die Kunststudentinnen haben noch damals von ihm geschwärmt“, erzählt Kroll. Von dem Hobbykünstler stammen zwei Skulpturen, die ebenfalls im Falladahaus gezeigt werden. Auch zur Kulturnacht können nicht nur die Bilder, Apollo und Aphrodite bewundert werden.

Schönbrodt und Meissner laden zur erotischen Lyrik-Performance „Lippenglut“ ein. Eines der dafür gewählten Gedichte stammt aus Goethes Westöstlichem Diwan, dessen erste Teile vor 200 Jahren erschienen. Aus diesem Anlass ist noch eine spezielle Veranstaltung im Haus geplant.

Eckhard Oberdörfer

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