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Gewerkschaften fordern Ende der Billiglöhne am Theater

Greifswald Gewerkschaften fordern Ende der Billiglöhne am Theater

1800 Euro brutto verdient ein Schauspieler am Theater Vorpommern / Das sind 17 Prozent weniger als der Tarifvertrag vorsieht / Hausinterne Regelung läuft aus

Greifswald. Am Theater Vorpommern stehen die Uhren auf fünf vor zwölf. Der Haustarifvertrag läuft in neun Wochen aus. Wenn es zum Jahresende keine Einigung über eine Fortsetzung geben sollte, muss den 140 Mitarbeitern im künstlerischen Bereich ab dem 1. Januar 2017 Tarif gezahlt werden. Für die Schauspieler, Sänger und Orchestermitglieder wäre das erstmal großartig. Immerhin verzichten sie seit Jahren auf einen Teil ihres Gehalts. Doch die Tarifanpassung würde auf einen Schlag Mehrkosten in Höhe von 2,4 Millionen Euro pro Jahr bedeuten. Geld, das dem Theater Vorpommern fehlt, in Kürze wäre es daher von einer Insolvenz bedroht. Um das zu vermeiden, hofft Intendant und Geschäftsführer Dirk Löschner auf eine Einigung mit den Künstlergewerkschaften über eine Fortsetzung des Haustarifvertrages mit leichten Verbesserungen.

Staatstheater Nordost

Das Theater Vorpommern und das Orchester-Theater sollen zum Staatstheater Nordost fusionieren. Bespielt werden die Theaterstandorte in Greifswald, Stralsund, Putbus, Neubrandenburg und Neustrelitz.

Die Hansestädte Greifswald und Stralsund, sowie der Landkreis Vorpommern-Rügen haben der vom Land geforderten Zielvereinbarung zugestimmt, Fusions-Verhandlungen aufzunehmen.

277 Mitarbeiter hat das Theater Vorpommern. 36 Stellen sollen abgebaut oder verlegt werden.

Mittelfristig sollen an allen Theatern im Land wieder tarifähnliche Gehälter gezahlt werden. Das sehen die Reformpläne des Landes vor. „Es wird keine Angleichung auf einen Schlag geben, sondern in mehreren Schritten. Das muss auch finanzierbar sein“, sagt Dirk Löschner.

Hintergrund: Seit 20 Jahren verzichten die Mitarbeiter am Theater Vorpommern auf Gehalt, um Entlassungen zu verhindern. Mittlerweile erhalten die Schauspieler, Musiker und Ballettkünstler 17 Prozent weniger Lohn als der aktuelle Tarifvertrag vorsieht. Die Mitarbeiter erhalten weder Urlaubs- noch Weihnachtsgeld. Ein Schauspieler im ersten Berufsjahr bekommt derzeit etwa 1800 Euro brutto monatlich.

Die Gewerkschaften fordern ein Ende dieser Billiglöhne. „Für den Übergangszeitraum bis zum Wechsel in das Staatstheater Nordost tragen Arbeitgeberseite und Arbeitnehmerseite die fehlenden 17 Prozent gemeinsam zu gleichen Teilen.“ So heißt eine von mehreren Forderungen in einem Schreiben an den Aufsichtsrat des Theaters Vorpommern. Verfasst haben das Papier die Gewerkschaft Deutsche Orchestervereinigung, die Gewerkschaft Vereinigung Deutscher Opernchöre und Bühnentänzer sowie die Gewerkschaft im Deutschen Beamtenbund.

Die Künstlergewerkschaften fordern nicht nur eine deutliche Anhebung der Gehälter ab 2017, sondern auch konkrete Aussagen über die Ausgestaltung der geplanten Fusion zum Staatstheater Nordost.

Problem: Die Verhandlungen gehen nur schleppend voran. Es gibt noch keine Einigung in wesentlichen Punkten (siehe Beitrag rechts) und daher auch nichts Handfestes, was der Bühnenverein als Verhandlungspartner auf Arbeitgeberseite anbieten kann.

Diese Situation kritisiert auch Gerrit-Michael Wedel von der Vereinigung deutscher Opernchöre und Bühnentänzer: „Das Land hat die Reform angeschoben und viel Druck gemacht.“ Eine Steigerung der Gehälter sei zwar in Worten vorgesehen, „aber finanziell nicht untersetzt“, moniert Wedel.

Theaterchef Löschner befürwortet eine Rückkehr zum Tarif: „Die aktuelle Situation darf nicht zementiert werden.“ Er verhandelt mit dem Land über zusätzliche Mittel für höhere Personalkosten. Auch die Hansestädte Greifswald und Stralsund sollen sich an den Kosten für die Tarifsteigerungen beteiligen.

OB: Reform kann erst zum Sommer 2018 starten

Die Theaterreform kann frühestens im Sommer 2018 starten. Davon ist Oberbürgermeister Stefan Fassbinder (Grüne) überzeugt. Er wirft der Landesregierung ein Bremsen bei der Reform vor: „Wir müssen schneller verhandeln, denn der Schwebezustand ist das allerschlimmste. Wir reden jetzt schon seit anderthalb Jahren. Egal welche Lösung am Ende steht, es muss rasch gehen.“

Das Land fordert vom Theater Vorpommern, bis zum 1. Januar 2018 mit der Theater-Orchester GmbH in Neustrelitz und Neubrandenburg zum Staatstheater Nordost zu fusionieren. Die Verhandlungen hätten bis heute kaum Fortschritte erbracht, so Fassbinder. Etliche Fragen seien offen: „Der gesamte rechtliche Rahmen ist noch offen. Soll es eine GmbH geben oder wird die eine auf die andere verschmolzen?

Wird es eine neue geben? Man muss sich auch über das Künstlerische einigen. Wie kann ein Spielplan in all diesen Städten funktionieren?“

Intendant Dirk Löschner betont, dass ein Start im Januar keinen Sinn gemacht hätte. Er hält den 1. August für geeignet, weil dann die neue Spielzeit beginnt.

Katharina Degrassi

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