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Greifswald – der private Blick

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Das Pommersche Landesmuseum zeigt 200 Fotos, die 1960 bis 1990 von Bürgern geschossen wurden

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Schlangestehen nach Obst und Gemüse 1987 auf dem Greifswalder Marktplatz.

Quelle: Jürgen Rother

Greifswald. Peter Binder (77) hat schon viele Fotografie-Ausstellungen in Greifswald erlebt. Doch was das Pommersche Landesmuseum ab Sonntag zeigt, ist ihm so noch nicht untergekommen. „Das“, urteilt der derzeit wohl bekannteste Bildautor der Hansestadt, „ist einmalig!“

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Das Pommersche Landesmuseum zeigt 200 Fotos, die 1960 bis 1990 von Bürgern geschossen wurden

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Wir hatten die Qual der Wahl aus 2000 Einsendungen.“Mario Scarabis, Kurator

Zu sehen sind gut 200 mehr oder weniger persönliche Aufnahmen, die Greifswalder Bürger in der Zeit von 1960 bis 1990 machten. Fotografien, die in ihrer Mehrzahl nie zuvor öffentlich präsentiert wurden. Abbilder für den privaten Hausgebrauch, gedacht als Erinnerung an Geschehnisse, Zustände und Verhältnisse. Von ganz subjektiven Sichten spricht Ausstellungskurator Mario Scarabis. Wohl wissend, dass jeder Blick durch die Linse einer Kamera subjektiv ist.

Anliegen der Ausstellungsmacher war es, den Greifswalder Alltag jener Jahre möglichst allumfassend darzustellen und das so, wie ihn Einwohner dieser Stadt fotografisch eingefangen hatten. Anfang Februar riefen sie deshalb öffentlich dazu auf, entsprechende Schnappschüsse im Landesmuseum einzureichen – mit durchschlagendem Erfolg. „Wir erhielten mehr als 2000 Aufnahmen, darunter viele Stadtansichten, die im Zuge von Abriss und Neubau entstanden. Aber auch Porträts, Aufnahmen aus dem studentischen Leben, von privaten Hoffesten, ja sogar aus der damaligen Independent-Szene“, schildert Mario Scarabis. Er und andere hatten die Qual der Wahl. Und nicht nur die: Denn nicht wenige der Bilder konnten aufgrund mangelnder Angaben nur unzulänglich dem Zeitpunkt ihrer Entstehung, ja mitunter auch nicht der genauen Örtlichkeit zugeordnet werden. Um das zu klären, suchte Scarabis nochmals den Kontakt zu den Einsendern, zog er einen Greifswald-Kenner wie den langjährigen Chef des städtischen Grünflächenamtes, Georg Wenghöfer, zu Rate. Manche Aufnahme ist dennoch ein Rätsel geblieben, das nun darauf „wartet“, von Ausstellungsbesuchern gelöst zu werden.

Die jetzige Fotografieausstellung ist bereits die zweite mit absolutem Greifswaldbezug, die das Landesmuseum binnen vier Jahren arrangierte. 2012 hatte es mit Aufnahmen des früheren Greifswalder Amateurfotografen Robert Conrad für Schlagzeilen gesorgt. Conrad, heute Architekturfotograf in Berlin, war Ende der 1980er Jahre mit einer Kamera durch seine vorpommersche Heimatstadt gezogen und hatte vor allem bröckelnde Fassaden, leerstehende Häuser und verlassene Hinterhöfe abgelichtet. Seine Fotografie hielt vor Augen, was Partei und Staat in der DDR allzu gerne überspielten:

von Tristesse und Mangel geprägte Lebensumstände. Mehr als 20 Jahre später zog sie 15000 Menschen in ihren Bann. „Viele der damaligen Ausstellungsbesucher erklärten, die 1980er Jahre in Greifswald gar nicht so schlimm in Erinnerung zu haben. Andere kamen und meinten, es habe seinerzeit nicht nur Abriss in Greifswald gegeben. Zum Beleg brachten einige von ihnen eigene Fotografien mit. Das fand ich interessant“, erzählt Mario Scarabis. Die jetzige Ausstellung sei gewissermaßen eine Folge der vorangegangenen. Eröffnet wird sie am Sonntag um 11 Uhr. Dann haben Besucher freien Eintritt.

Sven Jeske

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