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Greifswalds einzige Geigenbauerin

Greifswald Greifswalds einzige Geigenbauerin

„Diese Arbeit macht mich zufrieden. Es ist ein kreativer Prozess, bei dem etwas entsteht und man von Anfang bis Ende dabei ist“, erklärt Andrea Retter.

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Geigenbauerin Andrea Retter hobelt an einer neuen Geige in ihrer Greifswalder Werkstatt.

Quelle: Laura Weigele

Greifswald. „Diese Arbeit macht mich zufrieden. Es ist ein kreativer Prozess, bei dem etwas entsteht und man von Anfang bis Ende dabei ist“, erklärt Andrea Retter. Sie ist die einzige Geigenbauerin in der Hansestadt, die nächste Kollegin arbeitet in Stralsund. Zudem hat Retter eine beneidenswerte Werkstatt. Während sie Streichinstrumente repariert, hat sie einen tollen Blick auf den Ryck, den Museumshafen und die Schiffbauer.

1998 beendete die heute 47-Jährige die Ausbildung zur Geigenbauerin in Thüringen. Im Hinblick auf die aktuelle Situation für angehende Azubis hatte sie großes Glück: „Ich musste damals eine Lehrstelle an diesem Ort bekommen, ich hatte schon eine kleine Tochter und war nicht flexibel. Ich habe einfach ein paar Mal im Betrieb angerufen, habe zwei Wochen zur Probe gearbeitet und hatte den Platz“, erzählt Retter. Viele Geigenbauer bildeten nicht mehr aus, da die meisten Werkstätten Einmannbetriebe seien. Somit sei es schwer, Lehrlinge zu betreuen und die anfallenden Arbeiten zu erledigen.

Die gebürtige Arnstädterin fand erst auf Umwegen zu den Streichinstrumenten: „Die Geige war zwar schon immer mein Trauminstrument, sie faszinierte mich einfach. Aber als Kind lernte ich, Akkordeon zu spielen“, so die vierfache Mutter. Nach der Schule absolvierte sie eine Ausbildung zur Krankenschwester und studierte anschließend Theologie. „Das Studium war das Bedürfnis für den Kopf, aber danach wollte ich etwas Konkretes machen. Mir gefällt es, mit den Händen etwas herzustellen, aber auch mit Herz und Verstand. Vor allem einen Gegenstand, der lange hält. Keinen Gebrauchsartikel, der gleich wieder kaputt ist“, so Retter weiter. Zudem könnten Geigen Geschichten erzählen, zumeist manche seien über hundert Jahre alt. Die Techniken zur Herstellung eines Streichinstruments hätten sich seit Jahrhunderten nur wenig geändert. So stellten zum Beispiel die meisten Geigenbauer den Geigenlack selbst her.

Wichtig sei für sie auch der Erfolg: „Es ist ein tolles Gefühl, wenn ich eine kaputte Geige reparieren kann und sie danach wieder gut klingt, vielleicht sogar besser als vorher“, sagt die Handwerkerin. In ihrer Werkstatt bietet Andrea Retter alles rund um Streichinstrumente an. Ob eine kurze Reparatur, eine selbst angefertigt Geige nach eigenen Wünschen oder Zubehör wie Saiten — alles kein Problem.Aktuell habe sie sieben Instrumente in ihren Räumlichkeiten, die nachgebessert werden sollen. „Wie lange eine Reparatur dauert, ist ganz unterschiedlich. Bei manchen Dingen können die Kunden kurz einen Kaffee trinken gehen, anderes dauert ein bis zwei Wochen“, erklärt die Geigenbauerin. Kurz vor Weihnachten habe sie viel zu tun, im August gebe es auch Pausen.

Doch lohnt sich dieser Beruf in einer Stadt wie Greifswald? „Man wird nicht davon reich, aber man kann davon leben“, sagt Retter. Es gebe in der Hansestadt und der Umgebung ausreichend Bedarf durch Orchester, Universität, Privatpersonen und Musikschulen.

Teure Geigen

11,6 Millionen Euro ist die „Lady Blunt Stradivari“ wert und spielt somit die erste Geige, wenn es um den Preis geht. Die Violine ist trotz ihres hohen Alters von 295 Jahren in einem einwandfreien Zustand. Ihr Schöpfer Antonio Stradivari gilt als bester Geigenbauer der Geschichte, seine Streichinstrumente werden für mehrere Millionen Euro gehandelt.

Von Laura Weigele

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