Volltextsuche über das Angebot:

3 ° / 1 ° Schneeschauer

Navigation:
„Ich danke euch, das war suuuper!“

Greifswald „Ich danke euch, das war suuuper!“

Der Erwachsenen-Spielclub des Theaters steht kurz vor der Premiere – mit „Hotel am Meer“. Ein Probenbesuch.

Voriger Artikel
Bach und baltisch – Italien und der Norden
Nächster Artikel
70. Bachwoche geht feierlich zu Ende

Der Greifswalder Modehändler Jens Krafczyk spielt einen herrischen Musikproduzenten mit Assistentin (Alina Kondrakova).

Quelle: Sybille Marx

Greifswald. Theaterpädagogin Karina Kecsek tritt noch einmal vor die Gruppe. Wie eine Fußballtrainerin guckt sie in die Gesichter aller Mitspieler, bedankt sich für den Einsatz, teilt letzte Hinweise aus. „Gebt heute richtig Gummi“, ruft sie allen zu. Und dann geht es los. Licht aus, Spot an...ein Probedurchlauf von „Hotel am Meer“ beginnt, im Rubenowsaal der Stadthalle.

Seit Monaten arbeiten Kecsek und ihre Gruppe einmal pro Woche an diesem Stück, am Sonnabend soll „Hotel am Meer“ vor Publikum über die Bühne gehen. „Ensemble Fortschritt“ nennen sich die Darsteller;

selbstironisch und doch mit Verweis darauf, dass sie alle es ernst nehmen mit dem Bühnenspiel, dass sie vorankomen wollen.

„Das muss man auch“, sagt Karina Kecsek. Denn das zeichne den Erwachsenenspielclub des Theater Vorpommern aus: dass erwachsene Laien hier unter professioneller Anleitung spielen, auf einer professionellen Bühne – diesmal noch mit Profi-Schauspieler Markus Voigt in den Reihen – und dass alle zusammen dem Publikum etwas bieten wollen: „nicht nur Textaufsagen, sondern echte Figuren“.

„Hotel am Meer“ hat die Theaterpädagogin Kecsek in Anlehnung an das mehrfach verfilmte Buch „Menschen im Hotel“ (1929) von Vicki Baum geschrieben, zusammen mit der Gruppe. Ein Sofa, ein Tresen, ein paar Barhocker und Schwarz-Weiß-Fotos von Räumen – in dieser angedeuteten Hotellobby treffen 14 Menschen aufeinander: der sonnenbrillentragende Musikproduzent, der sich den Ruhm vergangener Jahrzehnte wie Gel in die Haare geschmiert hat (gespielt von Jens Krafczyk); Sekretärin Fräulein Flamm, die schamlos ihre weiblichen Reize ausspielt, um ihrem Traum vom Reisen näher zu kommen (Christine Senkbeil); der Unternehmer Herr Breising (Philipp Tappa), der eine Firmenfusion zum Abschluss bringen will und von Kopf bis Fuß unter Hochspannung steht...

Tür an Tür leben sie und weitere Gäste für ein paar Tage im Hotel am Meer – und erzählen dem Publikum indirekt, über ihre Dialoge, von Einsamkeit und Vereinzelung in der Leistungsgesellschaft, von Ruhmgier und Gefallsucht, Liebessehnsucht und Ehefrust, aber auch von seltenen Glücksmomenten.

Den Text zu lernen und den Charakteren immer mehr Tiefe zu geben – das war jede Woche neu eine Herausforderung. „Oft war es so: Man kommt erschöpft von der Arbeit zur Probe“, erzählt Mitspieler Philipp Tappa, der als Umweltethiker an der Uni Greifswald arbeitet. „Aber dann, nach zwei, drei Stunden Probe, ist man so euphorisiert, dass es für eine ganze Woche reicht.“ Am Ende nun auch noch zeigen zu dürfen, was man sich erarbeitet hat: „Das fühlt sich sehr gut an“, sagt der 36-Jährige.

Dabei hatte Tappa, der vor drei Jahren zum Spielclub kam, es mit seiner Rolle nicht ganz leicht. Als Unternehmer Breising muss er die Sekretärin Flämmchen vergewaltigen. „Sowas zu spielen, was man selbst nie tun würde und auch nicht tun will, ist schwer“, sagt er. Aber Markus Voigt als Profischauspieler habe ihm hilfreiche Tipps gegeben – welche Armbewegungen etwa den Eindruck einer gewaltsamen Annäherung erwecken würden. „Das hat super geklappt“, sagt auch Karina Kecsek. Diese Szene sei ein Beispiel dafür, wie wichtig gute Technik auf der Bühne sei.

„Vielen, vielen Dank für eure Energie“, ruft sie nun am Mittwochabend der Gruppe zu, nachdem das letzte Licht verloschen ist. „Das war suuuuper!“ Und bis Samstag gebe es drei weitere Durchläufe, „ich bin sicher, dass wir uns noch steigern.“ „Hotel am Meer“, hofft sie, könnte ein genauso großer Erfolg werden wie „Shoppen“ im Vorjahr. „Damals sind alle so richtig gefeiert worden“, sagt sie. Ein schöner Lohn für die harte Arbeit.

Der Club & die Karten

Seit über zehn Jahren bietet das

Theater Vorpommern Erwachsenen in Greifswald die Möglichkeit, unter professioneller Anleitung Theater zu spielen und einmal im Jahr ein Stück auf die kleine Bühne des Hauses zu bringen (inzwischen im Rubenowsaal).

„Hotel am Meer“ wird fünf Mal gespielt, die Premiere am Sonnabend ist bereits ausverkauft. Weitere Vorstellungen: 19. Juni, 18 Uhr, 21., 22. und 27. Juni jeweils 20 Uhr. Karten (6,50 Euro) gibt’s an der Kasse oder über

• www.theater-vorpommern.de

Sybille Marx

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr zum Artikel
Greifswald
Chris Murray als Edward Hyde geht der alternden Lady Beaconsfield (Doris Hädrich-Eichhorn) an die Gurgel.

„Jekyll & Hyde“ hat am Sonnabend im Museumshafen Premiere mit einem fantastischen Chris Murray

Kostenpflichtiger Inhalt mehr
Mehr aus Kultur
Benjamin Barz ? Ostsee-Zeitung Hilfe Aktion Wohltaetigkeit Teaser der den User auf die Seite "Helfen bringt Freude" führen soll image/svg+xml Image Teaser „Helfen bringt Freude“ 2015-11-30 de Aktion Helfen bringt Freude Seit 27 Jahren engagieren sich unsere Leser zusammen mit der OZ für sozial schwache Familien, Kinder sowie gemeinnützige Projekte in Mecklenburg-Vorpommern. Wie Sie in diesem Jahr helfen können, erfahren Sie hier.
Verlagshaus Greifswald

Johann-Sebastian-Bach-Str. 32
17489 Greifswald

Öffnungszeiten:
Montag bis Donnerstag
10.00 bis 17.00 Uhr
Freitag
10.00 bis 15.30

Leiterin Lokalredaktion: Katharina Degrassi
Telefon: 0 38 34 / 79 36 74
E-Mail: greifswald@ostsee-zeitung.de

Beilagen
Benjamin Barz Ostsee-Zeitung Ostsee-Zeitung Physik,Kernphysik,Wendelstein,Plasmaphysik,Atome Teaser der den User auf die Themenseite führen soll image/svg+xml Image Teaser Wendelstein 7-X 2015-09-23 de Themenseite Wendelstein 7-X In der Fusionsanlage des Max-Planck-Instituts in Greifswald wird erforscht, ob sich die Kernfusion zur Energiegewinnung eignet. Hier finden Sie Artikel, Videos und viele weitere Informationen zum Thema.
Städtewetter
Heute -° / -° -
- -°/-° -
- -°/-° -
RSS-Feeds

Wissen, was in Rostock und der Welt los ist

Benjamin Barz Ostsee-Zeitung Ostsee-Zeitung Lererbriefe, Meinung, Teaser der den User auf die Seite "Leserbriefe" führen soll image/svg+xml Image Teaser „Leserbriefe“ 2015-09-23 de Meinung Ihre Leserbriefe Über unser Kontaktformular können Sie uns gern Lob, Kritik, Ideen oder andere Anmerkungen zu aktuellen Themen aus Ihrer Region, MV und der Welt zusenden. Wir freuen uns auf Ihre Meinung. Hier geht es zum Formular.