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Im Acht-Minuten-Takt das Theater erobert

Greifswald/Stralsund Im Acht-Minuten-Takt das Theater erobert

Großer Andrang beim Tag der offenen Tür am Theater Vorpommern / Erstmals geteiltes Programm / Marketingchef Hans Heuer: „Das neue Konzept ist voll aufgegangen.“

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Einmal auf der großen Theaterbühne stehen – diesen Wunsch konnten sich am Sonntag alle großen und kleinen Fans erfüllen. Michael Klingenburg erklärt seiner Tochter Amelie (6), was hinter den Kulissen alles passiert. Klingenburg hat selbst als Regieassistent am Theater in Mannheim gearbeitet. Fotos (2): Katharina Degrassi

Greifswald/Stralsund. Spannend dürfte die neue Theatersaison werden, wenn sie genauso temperamentvoll verläuft wie der Tag der offenen Tür am Theater Vorpommern. Es war ein sportlich-anspruchsvolles Programm, das die Theaterleute den Besuchergruppen am Sonnabend in Stralsund und am Sonntag in Greifswald anboten.

OZ-Bild

Großer Andrang beim Tag der offenen Tür am Theater Vorpommern / Erstmals geteiltes Programm / Marketingchef Hans Heuer: „Das neue Konzept ist voll aufgegangen.“

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Sportliche Kondition war insofern gefordert, als dass die Gäste im Parcoursritt, sprich im Acht-Minuten-Takt, das gesamte Gebäude für sich erschließen konnten. Eine perfekte Organisation sorgte für die punktgenaue Landung der Besucher an den elf Spielort-Stationen. Über die Hauslautsprecher-Anlagen liefen die freundlich, aber bestimmten Durchsagen der aus dem englischen Sprachraum stammenden Inspizientin Susan Kaltenbacher. So bekamen die Gäste auch eine leise Ahnung, wie streng durchgetaktet und auch hektisch es hinter der Bühne im Spielbetrieb zugeht.

Der Spiritus Rector dieses neuen Konzeptes für die Saison-Eröffnung ist Reinhard Göber, von dessen funkensprühenden Geistesblitzen in der neuen Saison noch mehr „Donnerschläge“ zu erleben sein dürften. Als frisch fest angestellter Oberspielleiter hat sich der aus Berlin stammende Theaterwissenschaftler viel vorgenommen. „Wir werden 20 Premieren mit 16 Schauspielern auf die Bühne bringen, das wird ein neuer deutscher Rekord“, so Göber, der etwas Berserkerhaftes an sich hat und dem man sofort abnimmt, was er von sich gibt. „Faust. Ein Fragment“ ist ein ganz persönliches Projekt des 57-jährigen Theatermannes, der schon eindrucksvolle Spuren an renommierten Häusern von Flensburg bis Innsbruck und Wien hinterlassen hat. Als erweiterten Ur-Faust bezeichnet Göber seine neue Lesart dieses wohl wirkmächtigsten deutschen Dramas. Höchst interessant dürfte auch das Stück „Der Hals der Giraffe“ von Judith Schalansky werden. Nicht nur, weil es eine regionalen Bezug zu Greifswald herstellt. Schalanskys gleichnamiges Buch wurde 2011 zum besten Roman des Jahres gekürt.

„Der Biedermann“ von Hannes Hamelner hat eine unglaubliche, aber wahre Geschichte zum Inhalt. Ein Medizinprofessor für Anatomie namens Hermann Voss hat sich an der Reichsuniversität in Posen an totgeschlagenen Polen vor dem „hauseigenen Verbrennungsofen“ mit Sezierbesteck zu schaffen gemacht, um Skelette und Organe zu präparieren. Dieser Mann wurde zu DDR-Zeiten ein anerkannter „Hervorragender Wissenschaftler des Volkes“, arbeitete bis zu seiner Pensionierung an der Greifswalder Uni am Anatomie-Institut.

Marketingchef Hans Heuer war vollauf zufrieden mit dem neuen Konzept zum Spielstart. „Wir haben zum ersten Mal zwei getrennte Veranstaltungen angeboten“, sagte Heuer. Am Vormittag stürmten nach seiner Zählung bis zu 600 Kinder das Theater in Greifswald, um sich zu verkleiden, schminken zu lassen und in verschiedene Stücke hineinzuschnuppern. Abends standen die Erwachsenen im Mittelpunkt.

Premieren zum Spielzeitstart in Greifswald:

Kruso, Schauspiel nach dem Roman von Lutz Seiler, 30. September, 20 Uhr, Rubenowsaal (ausverkauft)

Faust. Ein Fragment , Drama von Johann Wolfgang von Goethe, 1. Oktober, 19.30 Uhr, Großes Haus

Der Vetter aus Dingsda , Operette von Eduard Künneke, 22. Oktober, 19.30 Uhr, Großes Haus

Der Biedermann (UA), von Hannes Hametner und Der Hals der Giraffe von Judith Schalansky, in der Fassung von Anita Augustin und Florian Fiedler (Monodramenreihe), 13. Oktober, 20 Uhr, Rubenowsaal

Rhapsody in Gershwin (UA), Ballett von Ralf Dörnen, zu Musik von George Gershwin, 5. November (Großes Haus)

Ballett-Benefiz-Gala , 12. November, 19.30 Uhr, Großes Haus

Christian Rödel und Katharina Degrassi

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