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Kirchenarchiv zu — aber Akten gerettet

Greifswald Kirchenarchiv zu — aber Akten gerettet

Dank Lagerung in Kartons hatte Schimmel keine Chancen. Archivdirektorin sucht neuen Aufbewahrungsort.

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Kirchenarchivdirektorin Dr. Annette Göhres zeigt einen Karton zur sicheren Verwahrung von Akten.

Quelle: Eckhard Oberdörfer

Greifswald. Das Greifswalder Archiv der Nordkirche befindet sich nicht mehr im Keller der Bischofsvilla in der Petershagenallee. Nach extremer Durchfeuchtung der Wände infolge starker Regenfälle wurde es geräumt. Darüber informierte Dr. Annette Göhres, die Leiterin des Archivs der Nordkirche: „Wir suchen jetzt geeignete Räume für unsere Akten, Kirchenbücher und Filme.“

Eine Fachfirma aus Mesekenhagen hatte zuvor die Wände untersucht und fand auf dem Mauerwerk, in der Luft und auf Dokumentenkartons Schimmelsporen.

„Wir haben nach Vorliegen des Untersuchungsergebnisses das Raumklima stabilisiert, so dass das Archiv wieder betreten werden konnte“, beschreibt sie den weiteren Hergang. Die 700 Meter laufender Akten wurden in eine Halle in Mesekenhagen gebracht. „Weil wir das früh bemerkt haben, hält sich der Schaden in Grenzen“, freut sich Annette Göhres. Etwa 60000 bis 70000 Euro kostete die Rettung und Überführung. Das ist wenig: Die Restaurierung von einem Meter Akten kostet nach aktuellen Schätzungen rund 40000 Euro, wenn jedes Blatt vom Schimmel befallen ist.

„Zum Glück befanden sich bereits 95 Prozent der Akten in speziellen Kartons, die die Unterlagen hervorragend schützen“, begründet die Archivdirektorin. „Dadurch sind die Dokumente von Schimmel verschont geblieben.“ So ein Karton koste keine zwei Euro und helfe gegen Mäuse, Asseln, Licht und Feuchtigkeit, halte sogar bis zu einem bestimmten Maß Löschwasser fern. „Bestanderhaltung beginnt im Kopf und nicht im Geldmangel“, zitiert sie den Experten Prof. Mario Glauert.

Unabhängig davon: „Wir haben für die nächsten ein bis zwei Jahre nur ein Lager, aber kein Archiv“, bedauert Anette Göhres. Schriftliche Anfragen zur Familienforschung seien aber möglich, setzt Annette Klinkhardt, Sprecherin der Nordkirche für Greifswald, hinzu. Eine Lösung für die langfristige Aufbewahrung habe man noch nicht. Eines sei aber klar: Die Bischofsvilla eigne sich nicht. Aus der Sicht der Archivdirektorin verbirgt sich hinter der Entscheidung der 1990er Jahre, den gerade freien Keller zu nutzen, ein allgemeines Problem bei der Bewahrung der Akten. Genau das räche sich langfristig. Erst 2004 legte der Gesetzgeber Rahmenbedingungen fest. „Schimmel im Archiv ist nicht der Normalzustand“, kommentiert Göhres eine häufig geäußerte Bemerkung zum Aktenzustand in MV: Die Liste der bekannten Probleme ist lang: Das Stadtarchiv Stralsund ist zu, im Stadtarchiv Greifswald läuft eine Schimmelbekämpfung und im Landesarchiv Greifswald mussten erste Bestände für die Benutzung gesperrt werden. Archivalien benötigen ein exaktes Raumklima. „Lüften geht gar nicht“, sagt die Archivdirektorin. „Wer bei uns in Kiel im Magazin ein Fenster zum Lüften öffnet, der zahlt fünf Euro in die Kaffeekasse“. Man sei für alle Optionen für die künftige Aufbewahrung offen, betont Klinkhardt, auch die Kooperation mit anderen. Es gebe viele Varianten. Der Kirchenkreis Altholstein nutze eine nicht mehr benötigte Kirche, die für diesen Zweck für 130000 Euro zum Archiv umgebaut wurde, erzählt Göhres. In Schwerin würden die Akten in einem alten Kindergarten verwahrt.

Eines sei unumstößlich, weil in der Verfassung der Nordkirche festgeschrieben: das Gedächtnis der pommerschen Kirche bleibt in Greifswald.

Die Bestände
Die Außenstelle des Landeskirchlichen Archivs der Nordkirche umfasst vor allem Bestände aus der Zeit nach 1945. Der größte Teil älterer Akten wurde im Krieg mit dem Gebäude des Konsistoriums in Stettin zerstört. Kirchenbücher aus Hinterpommern waren 1946 bei der Bildung des Konsistoriums der Grundstock des Provinzialkirchenarchivs. Neben Akten der Kirchenleitung und Synoden werden unter anderem Nachlässe, Fotografien, 360 Kirchenbücher sowie einzelne Kirchenarchive verwahrt.

 



Eckhard Oberdörfer

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Kirchenarchivdirektorin Dr. Annette Göhres zeigt einen Karton zur sicheren Verwahrung von Akten.

Das Landeskirchliche Archiv musste wegen feuchter Mauern geräumt werden. Die Akten werden nun in Mesekenhagen gelagert.

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