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Kulturnacht erobert neue Stadtteile

Greifswald Kulturnacht erobert neue Stadtteile

Nachtschwärmer haben am Freitag die Wahl: Mehr als 80 Einzelveranstaltungen locken zu 50 Orten in der Stadt.

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Letzte Vorbereitungen zur Kulturnacht: Helene Meuche bestückt schon mal die Kisten für den beliebten Bücherflohmarkt, zu dem die Stadtbibliothek tradtionell in der Kulturnacht einlädt.

Quelle: Fotos: Peter Binder

Greifswald. Musik, Theater, alte Handwerkskunst und neue Literatur: Freitagabend lockt die mittlerweile 11. Kulturnacht nach Greifswald. Ob Buchhandlungen, Galerien, Kirchen, Cafés oder Einrichtungen der Universität — an mehr als 50 Orten finden über 80 verschiedene Veranstaltungen statt. Die Qual der Wahl wird damit größer denn je, zumal die Nacht der Kultur nicht mehr nur in der Innenstadt für Spektakel sorgt. Das Fischerdorf Wieck machte es im vorigen Jahr vor. Jetzt ziehen andere Stadtteile nach und beweisen, „dass auch dort die Kultur lebt“, wie Kulturamtsleiterin Anett Hauswald sagt.

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Nicht nur in Häusern ist Freitagabend etwas los: Die Greifswalder Sambagruppe „Chillislaps“ sorgt auf dem Markt wieder für Stimmung.

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Dafür steht beispielsweise der Auftritt von Beate Maria Schulz alias Dr. Slam. Stammgäste des beliebten „Tresenlesen“ kennen die faszinierende Wortakrobatik der Schauspielerin bereits. Allerdings tritt sie am Freitagabend nicht im Café Koeppen, sondern in der Scheele-Apotheke (südliche Mühlenvorstadt) sowie im Studentenclub Kiste (Schönwalde II) auf. Davon nicht weit entfernt lädt auch das Stadtteilzentrum „Schwalbe“ ein, wo plattdeutsche Geschichten von Karsten Steckling auf ungewöhnliche Maltechniken von Wolfgang Lang treffen. Der pensionierte Maler- und Lackierermeister, der vor drei Jahren aus dem Saarland ins schöne Greifswald zog, um hier seinen Lebensabend zu verbringen, entwirft mit viel Experimentierfreude ganz ausgefallene Kunstwerke.

Und ebenso erwartet Wieck wieder neugierige Kulturliebhaber: Im Café Alte(r) Schule präsentiert Elke Knauthe Geschichten und Gedichte übers Meer, begleitet von Jörg Biehle auf der Mundharmonika.

Darüber hinaus bietet die Innenstadt wie gewohnt eine immense Vielfalt an Musik, Lesungen, Kurzfilmen, Führungen und Vorträgen. „Es ist zu merken, dass die Kulturnacht eine etablierte Marke in Greifswald ist“, sagt Marc Werth vom Kulturamt. Bei ihm liefen in diesem Jahr erstmals alle Organisationsfäden zusammen, nachdem Bernd Lindow sich in den Ruhestand verabschiedete. Viele Einrichtungen, so Werth, hätten von sich aus ihre Veranstaltungen angemeldet. Auch Einzelpersonen fanden den Mut, Angebote zu unterbreiten. Und das Gute an dem beliebten Event: Die allermeisten Türen öffnen sich, ohne dass die Gäste Eintritt zahlen müssen.

Und manche sogar schon vor dem offiziellen Beginn um 18 Uhr: In den Kunstwerkstätten etwa haben die jüngsten Kulturnachtbesucher mit ihren Eltern oder Großeltern bereits ab 16 Uhr Gelegenheit, Keramik, Filzblumen oder Bücher zu fertigen. Damit weitet sich das Event nicht nur räumlich, sondern auch zeitlich aus. Spät indes wird es zum Beispiel auf dem Alten Friedhof, wenn Kunsthistorikerin Anja Kretschmer um 23.30 Uhr das vierte Mal an jenem Abend mit unerschrockenen Teilnehmern zum „Friedhofsgeflüster“ aufbricht. Spät wird es aber auch ganz sicher im Café Ravic, das Livemusik bietet, oder im Theater, wo „krosse Gedanken und süffige Ungereimtheiten“ gereicht werden.

Eines aber ist für den kommenden Abend dringend zu empfehlen: Vorab ein Blick ins blaue Programmheftchen, damit auch ja kein persönliches Kultur-Highlight verlorengeht. Das liegt schon heute im Rathaus und allen Veranstaltungsorten aus.

Programmauswahl
Im Koeppenhaus (Bahnhofstraße) können sich Besucher in der aktuellen Ausstellung über Erich Maria Remarque informieren. Der Autor weltbekannter Romane wie „Im Westen nichts Neues“

setzte sich kompromisslos gegen Krieg und für Humanität und Toleranz ein. Witziges und Kurzweiliges gibt es am gleichen Ort um 20, 21 und 22 Uhr mit den Schauspielern Anke Neubauer und Hannes Rittig.


Im Alten E-Werk (Marienstraße) gibt es ab 18 Uhr ein Konzert des Kammerorchesters, der Swingband „Jaspers“ und der Bigband „Groovties“ der Musikschule Greifswald zu hören.

Der Heimattierpark lädt zu Lagerfeuer mit Mittelaltermusik, Parkführung sowie einem Rock-Pop-Konzert. Kinder können auf Esel und Pony reiten.

Das Pommersche Landesmuseum wagt sich in seiner Reihe „Nordoststreifen“ an die kleine, konzentrierte Form der Kurzfilme und macht dabei Urlaub am Meer. Davor und dazwischen gibt es Livemusik: Aus Stettin kommt das Szymon Orlowski Jazz Set. Die Fördergesellschaft bereitet „wilde Museumsburger“ und Wildgulasch.

Die Stadtbibliothek öffnet nicht nur zum Bücherflohmarkt, sondern bietet auch ein musikalisches Kinderprogramm mit dem Liedermacher Wolfgang Rieck sowie ein Konzert mit American-Folk-Musik.

Am Rathaus türmen sich wieder die Bücher: Die Soroptimisten laden jeden dazu ein, Bücherspenden vorbeizubringen, um andere zu unterstützen.

Das Friedrich-Zentrum wartet mit Pflaumenmus und Rebensaft, Kerzengießen wie vor 250 Jahren und einer Führung auf.

St. Jacobi bietet dem Kammerchor Tonlust Raum und Zeit zum Konzert.

 

 

Petra Hase

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