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Kunst als Versteckspiel

Greifswald Kunst als Versteckspiel

Dem Greifswalder Studenten Oliver Petschauer wird morgen der Caspar-David-Friedrich-Preis verliehen

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Oliver Petschauer wird morgen um 11 Uhr im Friedrich-Zentrum der Kunstpreis verliehen. Dann öffnet auch seine Ausstellung.

Quelle: Peter Binder

Greifswald. Ein altes Landschaftsgemälde im Schaufenster eines Ladens. Ein ausgestopftes Reh im Naturkundemuseum. Ein ausgedienter Weihnachtsbaum auf dem Balkon eines tristen Plattenbaus . . .

Die Naturverbundenheit der Menschen trägt zuweilen eine bizarre, sehr befremdliche Note. Der Greifswalder Student Oliver Petschauer hat dafür einen Blick. Davon zeugt seine Ausstellung „Statt Land Fluss“, die morgen im Caspar-David-Friedrich-Zentrum eröffnet wird. Es ist die erste große Einzelausstellung des 28-Jährigen. Und sie hat einen guten Grund: Petschauer erhält morgen den mit 2000 Euro dotierten Caspar-David-Friedrich-Preis. Mit seinen Fotografien und Objekten setzte er sich gegen 45 weitere Bewerber durch – Studenten aus Kopenhagen, Dresden und Greifswald.

Ausgangspunkte seiner Arbeiten „bilden die Peripherien zwischen Urbanität und Individualität, gewachsenen Strukturen und geschaffenen Konstruktionen“, sagt er. Sein Interesse gelte dem Trivialen, den Spuren vermeintlich unbewusster Handlungen. Dabei lege er den Fokus auf visuelle Rhythmen, auf Codes und Systeme des öffentlichen Raums. Das Bekannte entpuppe sich als unbekannt, „als ein Versteckspiel zwischen Beobachter und Beobachtetem“.

Eine Herangehensweise, von der sich die Jury der Caspar-David-Friedrich-Gesellschaft beeindrucken ließ. Greifswalds Kulturamtsleiterin Anett Hauswald freut sich sehr, dass nach sieben Jahren erstmals wieder ein Student des Caspar-David-Friedrich-Instituts der Greifswalder Universität den begehrten Kunstpreis entgegennehmen kann. „Das spricht auch für die Qualität des Instituts“, sagt das Jurymitglied. Petschauer sei von Anfang an einer ihrer Favoriten gewesen. Seine Fotografien kämen nicht einfach so gefällig daher, sondern erforderten eine starke Auseinandersetzung: „Sie haben durchaus etwas Gruseliges“, sagt Hauswald und fügt hinzu: „Der Bezug zu Caspar David Friedrich tritt deutlich hervor: Auch seine Landschaften sind ja viel mehr als blanke Naturdarstellung. Petschauer setzt diese Domestizierung der Natur in unserer Zeit um.“

Auch Susanne Papenfuß, Leiterin des Friedrich-Zentrums, freut sich über die von der Jury getroffenen Wahl: „Ich war schon letztes Jahr von Petschauers Fotoboxen fasziniert“, erzählt sie. Für diese Objekte mit dem Titel „Perspicere“ wurde dem gebürtigen Leipziger 2015 der Insomnale-Preis verliehen. Dabei handelt es sich um einen internen Wettbewerb des Friedrich-Instituts. Wer ihn gewinnt, darf sich über ein vierwöchiges Aufenthaltsstipendium im Internationalen Künstlerhaus Lukas in Ahrenshoop freuen.

Oliver Petschauer weilte im April dieses Jahres dort und brachte viele neue Arbeiten mit, die jetzt auch Teil seiner Ausstellung sind. „Der Aufenthalt in Ahrenshoop war sehr inspirierend“, verrät der Preisträger, der seit frühester Jugend mit der Kamera vor die Tür tritt. – Doch so erfolgreich er als Fotograf auch agiert; nach seiner für Oktober geplanten Examensausstellung liebäugelt er mit dem Schuldienst. Immerhin studiert er Kunst und Gestaltung sowie Geschichte auf Lehramt. Wohin es ihn dann verschlägt? „Keine Ahnung.“ Greifswald gefalle ihm schon sehr, sei ja auch für das Studium eine bewusste Wahl gewesen. Doch das Referendariat führe ihn womöglich in eine ganz andere Region. Nur eines dürfte sicher sein: Die Kunst lässt ihn nicht los.

Der Kunstpreis

Die Caspar-David-Friedrich-Gesellschaft verleiht seit 2001 jährlich den gleichnamigen Kunstpreis, mit Ausnahme 2012. Mit dem Wettbewerb will die Gesellschaft gezielt innovative

Ansätze in der zeitgenössischen Kunst fördern. Die Ausschreibung wendet sich an Kunststudenten, die an den

Orten studieren, wo Friedrich selbst gelebt, studiert bzw. gewirkt hat – Greifswald, Kopenhagen und Dresden. Der Preis wird für Arbeiten vergeben, die in einem geistigen Bezug zum Werk Caspar David Friedrichs stehen.

Petra Hase

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