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Militär drängte Uni in den Hintergrund

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In der NS-Zeit wurden viele Kasernen gebaut / Aufrüstung führte zu Investitionen

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Gebäude der früheren „Graf-Schwerin-Kaserne“ in der Hans-Beimler-Straße (früher Saarlandstraße) Fotos (2): Eckhard Oberdörfer

Greifswald In der NS-Zeit wandelte sich die Universitätsstadt zu einem Militärstandort. Nach dem Urteil des Historikers Joachim Mai wurde Greifswald „in Umkehrung des bisherigen Urteils von der Universität mit Stadt am Vorabend des Zweiten Weltkriegs zu einer Garnisonsstadt mit Universität“. Die Bevölkerung wuchs. Ein wahrer Bauboom setzte ein. Der Flugplatz Ladebow inklusive Wohnsiedlung, die Graf-Schwerin-Infanteriekaserne, die Flakkaserne, die Gendarmeriekaserne, das Luftwaffenlazarett und zahlreiche Wohnbauten für Soldaten entstanden.

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In der NS-Zeit wurden viele Kasernen gebaut / Aufrüstung führte zu Investitionen

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Der historische Reiseführer

Das Buch von Martin Kaule „Mecklenburg-Vorpommern 1933 bis 1945. Der historische Reiseführer“ ist im Christoph Links Verlag Berlin erschienen, ISBN 978-3-86153-853-0, 15 Euro.

124Orte werden in dem gut bebilderten und mit zahlreichen Karten versehenen Reiseführer vorgestellt. Usedom ist relativ stark vertreten.

Darum ist es nicht verwunderlich, dass Greifswald in einem neuen Buch Martin Kaules einen prominenten Platz einnimmt. Im Berliner Christoph Links Verlag ist die etwa 120 Seiten starke Schrift „Mecklenburg-Vorpommern 1933 bis 1945. Der historische Reiseführer“ erschienen. Kaules Auswahl ist eine sehr persönliche: So hat er den Ehrenhain für Verfolgte des Naziregimes von 1970 auf dem Neuen Friedhof aufgeführt, erwähnt aber die drei sowjetischen Ehrenfriedhöfe nicht. Für Ladebow nennt er zwar den Fliegerhorst, aber nicht die erhaltene, denkmalgeschützte Wohnsiedlung. Das ebenfalls denkmalgeschützte Luftwaffenlazarett fehlt ebenso. Dafür hat Kaule die Reichsforschungsanstalt auf der Insel Riems aufgeführt, denn: „Hartnäckig hält sich das Gerücht, dass man in der Zeit des Nationalsozialismus an potenziellen Biowaffen geforscht hat.“

Dabei ist Greifswald reich an Denkmalen aus der kurzen Zeit als herausragender Militärstandort, wie eine unvollständige Aufzählung zeigt:

Im oberen Teil der damaligen Adolf-Hitler-Straße (ab 1939 Sudetenlandstraße, jetzt Franz-Mehring-Straße) wurden zwei große Kasernen und ein Küchentrakt für ein Infanteriebataillon

sowie dreigeschossige Offiziershäuser errichtet. Diese Kasernen nutzt heute die Uni, so haben die Psychologen hier ihren Sitz. In der Saarlandstraße (jetzt Beimlerstraße) entstand 1938/39 ein Offizierskasino. Auch dieses Gebäude steht noch und ist Teil der Beruflichen Schule.

Sogar fünf große Kasernen wurden 1937/38 für zwei weitere Infanteriebataillone errichtet. Diese Blöcke der Graf-Schwerin-Kaserne nutzen heute beispielsweise die Berufliche Schule der Unimedizin und die Waldorfschule. Dazu gehörten damals auch Kfz-Hallen und eine Werkstatt. Auf dem lange vom Kraftverkehrsbetrieb genutzten Gelände befindet sich heute das Wohngebiet Schönwalde West.

Schon im Oktober 1937 erfolgte die Übergabe einer Station der motorisierten Gendarmerie in der Gützkower Landstraße, und 1939 folgten an dieser Straße weiter Richtung Jarmen die Kasernen des Flakbataillons , von dem noch das Unterkunftsgebäude steht. Der Greifswalder Kunstgeschichtsprofessor Bernfried Lichtnau hat die bisher genannten Gebäude der „traditionellen, von der Heimatschutzarchitektur beeinflussten Linie der NS-Architektur“ zugeordnet. Dagegen sei das 1938 bis 1941 errichtete Luftwaffenlazarett (heute Medigreif) nicht nur ein beeindruckender Gebäudekomplex, sondern auch architektonisch bedeutsam, sagt Lichtnau. Die Einrichtung sei in enger Verbindung mit der Fliegerschule in Ladebow und den Uniklinken geführt worden. Experten haben die Bauten auf eine architektonische Stufe mit dem Kraft-durch-Freude-Komplex Prora und dem Flughafen Berlin-Tempelhof gestellt. Ein Antrag für den Status als Unesco-Welterbe wird vorbereitet.

Für militärhistorisch Interessierte lohnt ebenfalls der Gang durch den Pommerdamm (jetzt Petershagenallee). Dort stehen Offiziershäuser. Der spätere Stadtkommandant der kampflosen Übergabe am 30. April 1945, Rudolf Petershagen, wohnte ab 1938 hier. Eine Gedenktafel erinnert daran. Sein Grab befindet sich auf dem Neuen Friedhof. Die Stadtkommandantur , in der Petershagen 1945 residierte, war die Villa Goethestraße 2a.

Von Eckhard Oberdörfer

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